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Supermodel der 90er: Was macht eigentlich Tatjana Patitz?

Gemeinsam mit Cindy Crawford und Naomi Campbell eroberte Tatjana Patitz in den Achtzigern und Neunzigern die Laufstege dieser Welt. Mittlerweile lebt die gebürtige Hamburgerin zurückgezogen in Kalifornien.

Tatjana Patitz

Tatjana Patitz, 50, bei einer Veranstaltung in München

Einst gehörten Sie neben Linda Evangelista, Cindy Crawford, Naomi Campbell und Christy Turlington zu den "Big Five" - den fünf erfolgreichsten Models der Welt. Haben Sie noch Kontakt zu den Kolleginnen?

Ab und zu sehen wir uns zufällig während Jobs. Sonst hat jede von uns aber ihre eigene Familie, ihr eigenes Leben. Ich bin alleinerziehende Mutter und lebe mit meinem Sohn Jonah auf einer Ranch in Kalifornien.

Linda Evangelista fasste den Supermodel-Kult der 90er Jahre mit dem berühmten Zitat zusammen: "Für weniger als 10.000 Dollar am Tag stehe ich gar nicht erst auf." Galt das auch für Sie?

Nein. Vielleicht meinte Linda, dass man seinen Wert hat und nicht kostenlos arbeitet.

Früher sind Sie für Fotoshootings dauernd durch die Welt gejettet. Wie sieht Ihr Leben heute aus?

Jeden Morgen bringe ich Jonah in die Schule, kümmere mich dann um unsere Pferde, Hunde und die Katze und erledige Bürokram. Nachmittags machen wir Hausaufgaben.

Klingt nach Familienalltag.

Stimmt. Gleichzeitig bin ich weiterhin als Model tätig und aktuell in mehreren großen internationalen Werbekampagnen zu sehen. Ich mag die Abwechslung und genieße es, durch die Welt zu reisen. Mittlerweile ist Jonah fast 13, da geht das schon ganz gut.

Die alte Riege der Supermodels wird wieder gern gebucht. Was haben Sie, was die junge Garde mit Gigi Hadid und Kendall Jenner nicht hat?

Keine Ahnung. Wir älteren Models arbeiten schon lange und haben viel Erfahrung. Vielleicht liegt es daran.

Helena Christensen, Tatjana Patitz

Tatjana Patitz und ihre Model-Kollegin Helena Christensen Ende der 90er in Los Angeles

Wissen Ihre Nachbarn, was Sie beruflich machen?

Nur die wenigsten. Wenn mich einer nach meinem Beruf fragt, antworte ich immer: "Ich bin in der Modebranche tätig." Zum Glück fragen die meisten dann nicht weiter nach. Ich genieße es, zurückgezogen zu leben. Auch früher hatte ich nie Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. Ich fand es schrecklich, ständig erkannt zu werden und kein Privatleben mehr zu haben.

Sie setzen sich stark für Umweltschutz ein. Gestalten Sie Ihr Leben auf der Ranch entsprechend?

Ja. Wegen der anhaltenden Dürreperiode in Kalifornien versuche ich, sparsam mit Wasser umzugehen. Außerdem lege ich Wert auf gesunde Ernährung und kaufe nur Bioprodukte.

Und schaffen Sie es, Ihren pubertierenden Sohn für Nachhaltigkeit zu begeistern?

Das ist ein Kampf. Aber da bleibe ich hart. Was wird dann aus dem alten Handy? Wohin mit all dem Müll? Darüber spreche ich oft mit ihm. Beim "David Sheldrick Wildlife Trust", einer Nichtregierungsorganisation in Nairobi, die sich um verwaiste Tiere kümmert, haben wir die Patenschaft für acht Elefantenbabys übernommen. Sie haben keine Mutter mehr und werden in einer Rettungs- und Aufzuchtstation liebevoll von Pflegern großgezogen. Wenn sie stabil genug sind, werden sie in den Tsavo-Nationalpark umgesiedelt. Ein schönes Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.

Trotz des zurückgezogenen Lebens auf der Ranch: Zeigt Jonah Interesse an der Modebranche?

Nein. Er liebt es, zu zeichnen. Später will er auf die Kunsthochschule gehen und nebenbei Praktika in Filmstudios machen. Sein Traum ist es, Animationsfilme zu kreieren. Toll, dass er schon so früh weiß, was er später werden will.

Interview: Sabine Hoffmann