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Trennungsgerüchte um Pitt und Jolie: So hetzt die britische Presse gegen Brangelina

Die Klatschkomödie um Brad Pitt und Angelina Jolie wird immer grotesker. Während die beiden turtelnd im Restaurant gesichtet werden, schwappen die irrsten Gerüchte von England nach Hollywood. Oder ist alles nur ein PR-Coup?

Von Frank Siering, L.A.

Offensichtlich lassen die Gerüchte um eine vermeintliche Trennung Angelina Jolie und Brad Pitt völlig kalt: Bei einer Gala des Verbandes amerikanischer Regisseure (DGA) am vergangenen Wochenende sah man sie entspannt und in inniger Zweisamkeit im Hyatt Regency Hotel in Los Angeles. Gemeinsam? Würde man den Schlagzeilen amerikanischer Klatschgazetten, die in jedem Supermarkt ausliegen, glauben, kann das eigentlich gar nicht sein.

Schließlich betrügt Jolie ihren Brad mit einem Dialekt-Coach und beschwert sich, dass Pitt so viel kifft, während Pitt heimlich bei der Spendengala für Haiti mit Ex-Ehefrau Jennifer Aniston turtelt. "Aus, vorbei", "Keine Chance mehr für die Liebe", "Brad schon ausgezogen", lauten die Schlagzeilen. "Globe", "US Weekly" und "National Enquirer" sind sich einig: Brangelina gibt es nicht mehr. Der Grund für diese skandalgetriebene, schon fast an Hysterie grenzende Berichterstattung ist reichlich banal. "Es ist schon erstaunlich, wie sehr dieses Paar die Massen anzieht. Keine Schlagzeile verkauft sich besser als eine mit Brad und Angelina im Titel", gibt Mike Glynn, erfahrener Klatschreporter vom "National Enquirer" offen zu.

US-Medien fürchten Millionenklage

Verwunderlich ist nur, dass die neuesten Trennungsgerüchte um Brad und Angelina nicht aus Hollywood, sondern aus England stammen. Ausgerechnet das dubiose Klatschblatt "News of the World" hat angeblich herausgefunden, dass Jolie und Pitt bei einem Scheidungsanwalt waren. Einblicke in die Akten wollen die Reporter dieser Gazette auch gehabt haben. Auszüge oder gar einzelne Passage eines Vertrages, den sie unterzeichnet hätten, wurden allerdings nicht abgedruckt.

Hinterfragt wurde die Geschichte kaum, die amerikanische Presse zitierte fleißig aus den Ergüssen von "News of the World" ohne zu recherchieren, wie diese Zeitung eigentlich an solch eine Exklusiv-Story kommt.

"Die Trennung von Brad und Angelina ist schon seit Jahren ein ständiges Thema", sagt ein Reporter vom "People"-Magazin in Los Angeles. "Oft kommen diese Geschichten aus Übersee zurück nach Amerika. Das macht es für die US-Medien auch ein bisschen leichter, können sie doch die englischen Medien als Quelle zitieren und müssen sich nicht selbst dafür verantworten". Selbst in Hollywood gehen Reporter sorgfältiger zu Werk. "Würde ein Magazin wie 'People' solch eine Behauptung aufstellen, so müsste die hieb- und stichfest sein, ansonsten kommt es sofort zu einer Millionen-Klage", sagt Joe Pertel, Anwalt aus Los Angeles.

Die englische Klatschpresse dagegen ist berüchtigt, selbst Hollywood-Promis fürchten sie. "Die Engländer spinnen. Wenn ich dort aus dem Flieger steige, dann ist das wie die Jagd nach dem größten Diamanten der Welt", hat einst George Clooney gesagt. Andere prominente Filmkollegen stimmen zu. "England ist das Eldorado des Paparazzi-Journalismus. Nirgendwo sonst auf der Welt werden Geschichten so ausgeschmückt wie hier", weiß auch Hugh Grant zu berichten.

Selbst Kleinigkeiten bauschen englische Gazetten zu großen Neuigkeiten auf, etwa: Pitt habe seinen Rauschebart gestutzt. Der Besuch bei einem Anwalt hat tatsächlich stattgefunden, nur handelte es sich nicht um einen Scheidungsanwalt, die beiden sind nicht mal verheiratet, sondern um einen Juristen für Erbrecht.

Doch warum dementieren weder das Management von Jolie oder Pitt solch Gerüchte, die immer wieder entstehen? Offensichtlich kann niemand so recht glauben, dass zwei so erfolgreiche und gutaussehende Superstars glücklich und zufrieden mit ihren sechs Kindern unter einem Dach leben. "Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann all das hinter mich zu lassen und mich zusammen mit meiner Familie irgendwo aufs Land zurückzuziehen", hat Brad Pitt mal gesagt.

Eigentlich ein ganz normaler Gedanke für einen, der keinen Schritt in der Öffentlichkeit tun kann, ohne dass er dabei verfolgt wird. Doch sogleich wird interpretiert: Ist das nicht doch der Hilferuf eines Gejagten, der aus dem Korsett Jolies ausbrechen will? Es verwundert nicht, dass Pitts Agent Kevin Huvane auf Anfragen nach Bestätigung von solchen Geschichten nicht mal mehr antwortet. "Die meisten Magazine schreiben doch ohnehin, was sie wollen", sagt Huvane. Die PR-Arbeit für seinen Klienten kann er sich sparen, das erledigen die Klatschreporter von alleine. Wir warten auf die nächste Schlagzeile "Versöhnung in letzter Minute", die demnächst auf der ersten Seite von "News of the World" prangt. Angeblich planen Brangelina schon ihre Flucht nach Europa. Frankreich sei das Ziel, wo sie fernab des Trubels ihren ständigen Wohnsitz in ein Schloss verlegen wollen.