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TV-Kritik "Bachelorette": So harmonisch, dass es langweilt

Die "Bachelorette" ist wieder da. 20 Kandidaten buhlen um Anna. Ein Hahnenkampf will sich nicht einstellen. Man trinkt Bier, Konkurrenten bekommen Applaus. Ein Lehrstück über männliche Solidarität.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Die 26-jährige Anna Christiana Hofbauer aus Berlin ist die neue "Bachelorette"

Die 26-jährige Anna Christiana Hofbauer aus Berlin ist die neue "Bachelorette"

Maik hat ein Kuscheltier mit seinem Parfum eingesprüht. Ein Mitbringsel, mit dem er vielleicht in der Grundschulzeit gepunktet hätte. Dazu passt seine Poesiealbum-Träumerei: "Bei Schwänen ist das auch so, einmal zusammen, immer zusammen." Die Frau an seiner Seite, sie soll für das ganze Leben sein. Wie in einem Rosamunde-Pilcher- Film hätte es gerne auch Anna. Die 26-Jährige besteht auf den "magischen Moment". Drunter macht sie es nicht. Maik will haben, Anna will haben.

Vor allem aber wollen sie Aufmerksamkeit haben, denn warum sonst sollten sie ihre Partnerschaftssuche im TV betreiben? Anna Christiana Hofbauer aus Berlin ist die neue "Bachelorette", und Maik gehört zu den 20 Kandidaten, die in einer Villa an der portugiesischen Algarve um die attraktive Musicaldarstellerin buhlen. Sehr viel früher, Zeiten waren das, hat man sich wegen seiner Herzensdame noch duelliert. Heutzutage hofft man darauf, in der so genannten "Nacht der Rosen" eine Rose von ihr zu bekommen, denn eine Rose bedeutet, was der Daumen hoch bei Facebook ausdrückt: Gefällt mir.

RTL hoffte mit dem Pendant zur Kuppelshow "Der Bachelor" bereits vor zehn Jahren auf hohe Einschaltquoten. Doch das Format, damals mit "Bachelorette" Monica Ivancan, der Ex-Gespielin von Oliver Pocher, floppte. Was nun ist von dem Comeback zu erwarten? Geht es um den "Bachelor", bei dem sich 20 Frauen um einen Mann raufen, schlagen nicht nur Feministinnen hohe Empörungswellen. Aber inwiefern taugt die "Bachelorette" zu Skandalisierungen? Zu befürchten ist eher, dass es sich über den Hahnenkampf nicht mal zu sprechen lohnt, der Langeweile wegen. Denn: Zickenkrieg fällt aus. Doch genau darum schalten, man weiß es auch von "Germany´s Next Topmodel", die Zuschauer so gerne ein, weil Lästerattacken und Heulsusentum so schön die niederen Triebe wie etwa Schadenfreude bedienen.

Leberwurstpastete mit Tom

Und auch das hat Unterhaltungswert: Frauen untereinander können es verdammt weit treiben, wenn es darum geht, Konkurrentinnen auszuschalten. Doch wie sieht es bei den Männern aus? Die "Bachelorette" - Kandidaten trinken erstmal ein Bier, klatschen sich ab. Alter, wird schon werden. Statt sich das Maul über die Rivalen zu zerreißen, wird lieber Party gemacht, ran ans Klavier, tanzen. Als Andy als Erster eine rote Rose von Anna bekommt, ruft einer: "Applaus für Andy." Alle klatschen. Kandidat Aurelio sagt: "Ich gönne es ihm."

Und kann sich einer mal nicht so gut vermarkten, dann übernimmt es ein einfach anderer für ihn. Da schafft auch der Hinweis der "Bachelorette" keine Abhilfe: "Du musst mich doch von dir überzeugen, nicht von ihm." Lapidare Antwort: "Ich mag den aber." Blutige Nasen werden so jedenfalls nicht geschlagen. Warum auch? Solidarität, Teamgeist, das hat bereits die deutschen Fußball-WM-Helden an die Spitze gebracht. Allerdings kann hier nur einer gewinnen.

Anna hat das Rennen unter rund 3000 Bewerberinnen gemacht. Beziehungsweise den Zuschlag hatte bereits eine andere, die dann doch, aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen, abgesprungen ist. Ob ihr Dasein als "Bachelorette" ihrem Ruf schadet, wie es Vorgängerin Monica Ivancan erlebt hat, scheint Anna nicht zu kümmern. In Traumfrau-Umfragen hätte sie die Nase vorn. Anna ist blond. Anna ist gefällig. Anna beginnt Gespräche mit: "Erzähl mir was von dir." Ein Typ mit Ecken und Kanten ist sie nicht. Und hat doch ein Faible für Typen, die ein bisschen aus dem Rahmen fallen. Sie macht "oh" und "ah" wenn es um Tims Arme geht, die unter anderem mit Engeln tätowiert sind. Auch Marvin hat es ihr besonders angetan, gerade weil er der Schüchternste der Truppe ist. Und mit Tom isst Anna Leberwurstpastete, weil sie sein Outfit sofort überzeugt hat. "Ich muss dauernd an seine gelbe Hose denken", gesteht sie.

Vier Männer mussten ohne Rose gehen

Maik hingegen muss sich eher weiter hinten anstellen. Das parfümierte Kuscheltier kommentiert Anna mit : "Das ist total süß, aber ich weiß nicht, ob ich das zu süß finde." Und über den 34-Jährigen und seinen Beruf sagt sie: "Ich kann mir Maik gar nicht als Polizisten vorstellen." Trotzdem ist Maik in der nächsten Runde mit dabei.

Vier Männer jedoch hat die Bachelorette bereits ohne Rose nach Hause geschickt: Alfredo, Johannes P., Simon und Tommy. Klar, das kratzt am Ego. "Wenn sie es so möchte, dann bekommt sie es so. Im Nachhinein braucht sie mir nicht mehr kommen", kontert Johannes trotzig. Es wird sich zeigen, ob die "Bachelorette" endlich ein glückliches Händchen hat in Sachen Partnerwahl. Mit ihrer letzten Beziehung jedenfalls, so erzählt sie, lag sie daneben: "Der hatte noch eine andere Frau."

  • Sylvie-Sophie Schindler