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ULLA KOCK AM BRINK: »Das ist unsäglich peinlich«

Berühmte TV-Moderatorin spannt berühmter Kollegin den Mann aus - eine Geschichte, besser als jede Seifenoper.

Sie haben Sabine Christiansen den Mann ausgespannt. Wie lebt es sich mit dem Image der Schlampe der Nation?

Ich kann nur versuchen, ruhig damit umzugehen. Und ich kann mich nicht ständig dafür rechtfertigen, dass ich mich verliebt habe. Das ist ganz normal und menschlich. Es ist nur fatal, was daraus gemacht wurde: dass immer noch Frauen, die ihren Mann verlassen, als Hexen dargestellt werden, und Männer, die ihre Frau verlassen, als erfolgreiche Flirtjäger.

Stefan Raab redet von »Ulla-Alarm« und möchte Ihnen die Hauptrolle in »Kocktopussy« geben.

Über den Ulla-Alarm musste ich doch lachen. Ich sehe mir seine Sendung in diesen Zeiten nicht an, aber ich hab?s von allen Seiten gehört.

Und wie ist das, wenn »Bild« fragt: »Ulla Kock am Brink - verliert sie ihren Job?«

Schon interessant, so was zu lesen. Da sitzt man dann da und denkt, hoppla, da bin ich ja noch gar nicht drauf gekommen.

Ist Theo Baltz die Rufschädigung wert?

Ja.

Also ist er keine Affäre, sondern der Mann Ihres Lebens?

Ein ganz klares Ja.

Sie haben mal gesagt, Journalisten seien wie Krokodile: »Man muss sie nicht lieben, man muss sie füttern.«

Ich habe das in diesem Fall nicht getan. Ich hätte das nicht veröffentlicht und bin auch nicht gefragt worden. Die Lawine, die losgetreten wurde, hab ich nicht zu verantworten. Was da im Augenblick passiert, halte ich für ziemlich schlimm.

Sie haben als Kind schon die Boulevardblätter im Wartezimmer Ihres Vaters, eines Arztes, verschlungen. Wie fühlen Sie sich nun als Klatschobjekt Nummer eins?

Ich bin Klatschsubjekt Nummer eins. Das mit dem Objekt sehen andere wahrscheinlich so. Klar, das ist ein Zwiespalt. Ich stehe dem Ganzen ja nicht völlig verständnislos gegenüber. Es ist hart für mich, grenzwertig und psychisch sehr anstrengend. Aber ich lese Klatsch manchmal auch gern.

Dann können Sie ja gut nachvollziehen, warum sich die Leute an der Christiansen-Kock-am-Brink-Seifenoper erfreuen.

Klar, das könnte ja aus einem Drehbuch sein. Die ideale Konstellation, um mal richtig Schmutzwäsche zu waschen. Und das hilft mir auch dabei.

Wie denn?

Weil ich die Strukturen dahinter erkenne. Ich weiß, wie das Geschäft funktioniert.

Glauben Sie, dass der Leser das auch so begreift?

Nein, natürlich nicht. Und deshalb bin ich auch gezwungen, dagegen zu kämpfen. Ich habe Zuschauer, und ich liebe meinen Beruf. Ehrlich gesagt, ich kämpfe im Moment um meine Ehre. Ich will mir das nicht gefallen lassen, sonst gehe ich kaputt. Es ist ohnehin nicht leicht, mit der ganzen Situation umzugehen. Sie wissen, was passiert, wenn man seinen Partner verlässt.

Man verursacht viele Schmerzen.

Und das geht nicht spurlos an einem vorüber. Es ist ja nicht so, dass, wenn man jemanden nicht mehr wirklich liebt und die Beziehung beendet, alle Gefühle weg sind. Und auch die Empathie verschwindet nicht. Ich bin kein Derwisch, der durch die Straßen rennt und schreit, yippiee, ich fange ein neues Leben an. Ich gebe auch mein altes Leben auf, genauso wie unsere Partner sich neu organisieren müssen. Besser gesagt: mein Partner. Ich kann nur von meinem sprechen.

Ihr Partner, oder Ex-Partner, Alfred Bremm, spricht auch: in »Bild« und »Bunte«. Droht nun eine Schlammschlacht à la Wussow?

Nein. Das ist seine Sache, und er hat das Recht dazu, wenn er das möchte. Er hat ja nur geäußert, was er denkt. Und das gestehe ich ihm absolut zu. Ich rede ja auch mit Ihnen. Denn irgendwann ist eine Grenze erreicht, an der das Gefühl der Ohnmacht einem Handlungsbedürfnis weicht. Wo man einfach sagen möchte: Jetzt haltet mal den Ball flach.

Wie war das an jenem Donnerstag, als Sie Bremm das mit Baltz gebeichtet haben?

Da habe ich einfach gemerkt, dass was nicht stimmt.

So kann man das auch nennen.

Man führt ein schönes Leben, ist vielbeschäftigt und hat einen Freundeskreis - da ist das Verdrängungspotenzial groß. Ich habe aber plötzlich gemerkt, dass nicht mehr alles perfekt ist. Es ist ja nicht so, dass eine wirklich glückliche Beziehung gefährdet werden kann, bloß weil ein Dritter auftaucht. Wenn aber dann so ein Auslöser kommt, kann von Ursache keine Rede sein.

Sabine Christiansen sagte, Theo Baltz habe sie mit seinem Charme erobert. Was mögen Sie an ihm?

Dazu möchte ich jetzt nichts sagen.

Haben Sie Frau Christiansens Sendung am 9. September gesehen, bei der die Moderatorin ein bisschen, sagen wir mal, neben der Spur war?

Warum wollen Sie das wissen?

Weil uns das interessiert.

Oje.

Sie hatten also eingeschaltet?

Ja, weil ich wusste, was passiert war.

Frau Christiansen soll an jenem Tag einen Brief von Theo Baltz an Sie gefunden haben. Ahnte sie denn vorher nichts davon?

Da möchte ich mich nicht einmischen. Ich kann jetzt nicht Dinge erzählen, mit denen ich persönlich nichts zu tun habe.

Sind Sie und Sabine Christiansen wirklich Busenfreundinnen gewesen?

Nein, aber dieses Bild ist nun durch die Medien entstanden. Es nachträglich zu korrigieren ist ganz schwer.

Versuchen Sie es doch mal.

Wir waren ganz gute Bekannte. Wir haben uns dauernd auf gesellschaftlichem Parkett getroffen, das war immer im großen Rahmen. Wir haben uns auch privat gesehen, aber privat hieß in diesem Fall eben auch Party. Aber so was wie eine Beratertätigkeit gegenüber Sabine bei Problemen, oder was immer da jetzt geschrieben wird, hat es nicht gegeben.

Ende August wurden Sie beide noch plaudernd bei der Eröffnungsgala der Funkausstellung gesehen?

Das ist doch völlig okay.

Aber damals sollen Sie schon mit ihrem Ehemann unterwegs gewesen sein.

Nein. Das ist nicht ganz richtig.

Ist das eine recht frische Geschichte mit Ihnen und Herrn Baltz?

Ja. Das ist blitzschlagmäßig passiert.

Wann und wie hat es denn gefunkt?

Bitte verstehen Sie, dass ich jetzt nicht die Liebesgeschichte mit Herrn Baltz hier ausbreiten möchte. Wir haben uns immer schon supergut verstanden. Und aus Freundschaft ist für mich eben Liebe geworden.

Fürchten Sie sich nun vor Paparazzi? Das erste Foto von Ihnen baltzend mit Theo wird verdammt viel Geld wert sein?

Ja, aber ich gebe mir große Mühe, mich bedeckt zu halten. Ich nehme auch Rücksicht auf die Situation der anderen.

Sind Sie schon bei Alfred Bremm ausgezogen?

Nein, das ist doch gerade drei Wochen her. Wissen Sie, was da alles noch zu regeln ist?

Beispielsweise, ob Sie das Zugpferd des Medien-Managements Bremm bleiben?

Auch das, sicher. Wir werden uns noch zusammensetzen. Wir telefonieren ja, wir haben auch einen ruhigen Ton gefunden, miteinander zu reden.

Würden Sie sich gern eines Tages mit Sabine Christiansen aussprechen?

Es ist alles noch so frisch. Und ich glaube, es wird sehr lange dauern. Es hängt von ihr ab, nicht von mir. Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn jemand in so einer Situation sagt, nee, geht nicht.

Ist einem das nicht peinlich, wenn in Tagen, wo die Welt auf der Kippe steht, plötzlich die Veränderungen im eigenen Leben ein Thema für die Medien sind?

Das ist unsäglich peinlich. Aber daran hab ich keinen Anteil. Das Einzige, was ich getan habe, ist, dass ich mich verliebt habe. Das kann man doch gar nicht vergleichen.

Die Katastrophe von New York hat Sie persönlich betroffen.

Ja, Klaus, ein alter Schulfreund von mir, ist wahrscheinlich im World Trade Center umgekommen. Jedenfalls wird er vermisst. Er war an diesem Tag für seine Firma, ein Software-Unternehmen, im 94. Stock des Südturms. Er hat zwei kleine Kinder. Angesichts dieser Geschichten ist mein persönlicher Albtraum ein Kinkerlitzchen.

Albtraum? Sie sind doch frisch verliebt.

Ja, aber bei dem, was im Augenblick passiert, ist das Wechselbad der Gefühle äußerst heftig. Eine sehr schwierige Ausgangsposition für eine neue Beziehung.

Interview: Ulrike von Bülow