Urteil Prinz Ernst August muss kräftig zahlen


Das Landgericht Hannover hat dem Welfen-Prinzen eine hohen Geldstrafe aufgebrummt. Vor Gericht gab er zu, im alkoholisierten Zustand eine Fotografin getreten und einen Disco-Besitzer geohrfeigt zu haben.

Prinz Ernst August von Hannover ist vom Landgericht der niedersächsischen Landeshauptstadt wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 178 Tagessätzen oder 445.000 Euro verurteilt worden. Die 9. Kleine Strafkammer des Landgerichts Hannover sah es als erwiesen an, dass der Prinz im Januar 2000 in Kenia mindestens fünf Mal mit einem Schlagring oder einem ähnlichen Gegenstand auf einen Hotelier eingeschlagen hat. Dabei habe er dem Opfer potenziell lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung billigten am Ende des überraschend kurzen Prozesses dem prominenten Angeklagten übereinstimmend verminderte Schuldfähigkeit zu. Oberstaatsanwalt Rainer Gundlach beantragte in seinem Plädoyer eine Geldstrafe. Mit dem Worten: "Der Antrag der Staatsanwaltschaft ist angemessen." schloss sich Verteidiger Jochen Heidemeier dem Antrag an.

Der Adelige bedauere die Vorfälle, sagte sein Verteidiger Jochen Heidemeier am Donnerstag in einem Berufungsprozess vor dem Landgericht Hannover. Der Chef des Welfenhauses sei in beiden Fällen "beträchtlich alkoholisiert" gewesen. Der Prinz war persönlich nicht zu dem Prozess gekommen.

Vom "Zorn hingerissen"

Nach Darstellung des Verteidigers wurde der Prinz bei dem Fußtritt gegen die Fotografin und der Attacke auf den Disco-Besitzer vom "Zorn hingerissen". Ernst August habe während der Salzburger Festspiele im August 1999 in einer geschlossenen Gesellschaft in einem Hotel gefeiert, als ihn die Fotografin angesprochen habe. Darüber habe sich der Adelige "erregt" und der Frau schließlich "mit einem leichten Lackschuh einen Tritt" versetzt. Der Staatsanwalt beantragte, diesen Fall mit Hinblick auf den Angriff gegen den Disco-Besitzer Josef Brunlehner nicht weiter zu verfolgen.

Zwischen Brunlehner und dem Prinzen soll es "erhebliche Differenzen" gegeben haben, berichtete Anwalt Heidemeier. Der Disco-Besitzer schilderte dem Gericht, dass er im Januar 2000 im kenianischen Ferienort Lamu von dem Prinzen mit Faustschlägen traktiert wurde. "Ich bekam einen Faustschlag auf die Brust und sah in der Hand etwas blitzen, das ich heute als Schlagring beschreiben würde." Nach einem weiteren Hieb sei er zu Boden gegangen, wo der Angreifer "10 bis 15 Mal" auf ihn eingeschlagen habe. Mit schweren Brustverletzungen sei er ins Krankenhaus nach Mombasa geflogen worden.

Kein Schlagring, sondern "irgendein Gegenstand"

Verteidiger Heidemeier hatte gesagt, der Prinz habe Brunlehner "vom Zorn übermannt zwei Ohrfeigen versetzt". Ernst August wolle auch nicht ausschließen, dass ihm von Begleitern "irgendein Gegenstand" in die Hand gedrückt worden sei, den er bei den "Schlägen mitverwandt" habe. "Er bedauert den Vorfall und es wird eine Regelung dazu geben", sagte Heidemeier. Bisher hatte der Welfenchef die Angriffe auf Brunlehner bestritten.

Im Dezember 2001 hatte das Amtsgericht Springe Ernst August wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten und einer Geldbuße von 500.000 Mark verurteilt. Gegen das Urteil hatten der Angeklagte, die Staatsanwaltschaft und Brunlehner Rechtsmittel eingelegt. Bei dem Verfahren war Prinz Ernst August auch wegen Beleidigung einer Pressefotografin und zweier Mitarbeiter der "Bild"-Zeitung schuldig gesprochen worden. Die drei Geschädigten hatten kurz vor dem Prozessbeginn am Donnerstag ihre Strafanträge zurückgenommen. Die Vorwürfe der Beleidigung werden daher in Hannover nicht erneut verhandelt.

AP AP

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