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US-Autoren-Streik: Ist der Oscar in Gefahr?

Die wichtigsten Preisverleihungen in der Filmwelt sind ernsthaft bedroht, wenn Hollywoods Drehbuchautoren weiterstreiken.

Von Stefanie Richter

Der rote Teppich verwaist, die Zuschauerränge leer, die Moderation einsilbig und humorlos. Diese Horrorvorstellung der anstehenden Filmpreisverleihungen wird am 13. Januar vermutlich wahr: Alle 72 nominierten Schauspieler drohen der Golden-Globe-Verleihung fernzubleiben, wie die Gewerkschaft der Schauspieler (SAG) mitteilte. Schuld daran ist der seit dem 5. November andauernde Streik der Gewerkschaft der Drehbuchautoren der USA (WGA). Die Streikenden wissen, wie wichtig sie als Gagschreiber für die Shows sind und lehnen eine Streikpause ab. Zudem dürfen die Organisatoren ohne Genehmigung der Drehbuchautoren keine Trailer nominierter Filme zeigen.

Golden-Globe-Verleihung ohne Stars?

Stars wie Cate Blanchett, Johnny Depp und Keira Knightley stecken dieser Tage in der Zwickmühle: Einerseits sind sie bei den Golden Globes als beste Darsteller nominiert. Aus Solidarität mit den Streikenden müssten sie die Veranstaltung jedoch eigentlich boykottieren. "Wir hoffen, dass viele Schauspieler nicht erscheinen", zitiert die "New York Sun" WGA-Führer Michael Winship.

Auch die Oscars am 24. Februar sind in Gefahr, sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen. In einer Rundmail bekundet die SAG Solidarität mit den streikenden Kollegen: "Wir haben uns mit den Nominierten in Verbindung gesetzt, und die meisten haben angedeutet, dass sie für die Verleihungen die Streikposten nicht überrennen werden." Ganz sicher gilt dies für Keira Knightley, die mit "Abbitte" zu den Favoriten für eine Auszeichnung zählt: Ihre Mutter Sharman MacDonald ist selbst Drehbuchautorin.

Ohne Stars bleiben auch die Zuschauer fern

Bereits umdisponieren mussten jetzt die Veranstalter der People's Choice Awards. Statt einer glamourösen Verleihung vor Publikum strahlte der Sender CBS ein Magazin aus, bei dem die Preisträger von zu Hause zugeschaltet wurden. Doch fehlen die Stars, bleiben auch die Zuschauer weg. Zu Recht fürchten die Sender schwache Einschaltquoten. Für die Übertragung der Golden Globes hatte NBC bereits Werbespots in Millionenhöhe verkauft. Wie wollte man da noch absagen? Bezüglich der Oscarverleihung Ende Februar gibt sich der Sender ABC, der die Rechte besitzt, optimistisch.

Den einzigen Durchbruch an der Streikfront erreichten bislang die Autoren der Talkshows. Seit Streikbeginn wurden Wiederholungen ausgestrahlt, bis David Letterman vergangene Woche wieder auf Sendung ging. Weil eine unabhängige Firma seine Sendung produziert, konnte er sich mit den Autoren auf höhere Honorare einigen. Ein Vorteil gegenüber seinen Kollegen wie Jay Leno, deren Shows ohne Autoren weitergehen sollen: SAG und WGA riefen Stars wie Clooney und Co. dazu auf, exklusiv Letterman zu besuchen. Solidarität zahlt sich aus. Das weiß auch Tom Cruise: Angeblich einigte sich sein Filmstudio United Artist soeben mit der WGA, Einzelheiten wird man erst später erfahren.

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