Volksfest "Ozapft is": In München ist die "Wiesn" los


Mit zwei Schlägen zapfte Oberbürgermeister Christian Ude um Punkt 12 Uhr das erste Fass Festbier an und eröffnete mit dem traditionellen Ruf "O'zapft is" die 170. Wiesn

Auf dem Münchner Oktoberfest fließt das Bier. Mit zwei Schlägen zapfte Oberbürgermeister Christian Ude um Punkt 12 Uhr das erste Fass Festbier an und eröffnete mit dem traditionellen Ruf "O'zapft is" die 170. Wiesn. Bei strahlendem Sonnenschein drängten sich tausende Besucher auf dem Festgelände. Das weltgrößte Volksfest dauert bis zum 5. Oktober. Zwischen sechs und sieben Millionen Menschen werden erwartet.

Die erste Maß bekam Edmund Stoiber

Ude wünschte eine "friedliche Wiesn". Die erste offiziell gezapfte Maß reichte der Oberbürgermeister dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der einen Tag vor der Landtagswahl stürmisch bejubelt wurde. An der Auftaktveranstaltung nahmen zudem Bundesumweltminister Jürgen Trittin und die Grünen-Politikerin Claudia Roth teil. Das Schottenhamel-Zelt war mit rund 6.000 Besuchern voll besetzt.

Nach dem Anstich donnerten Böllerschüsse über die Theresienwiese als Zeichen für die Wiesn-Wirte, dass Bier ausgeschenkt werden darf. In den insgesamt 14 Zelten warteten rund 100.000 Gäste auf die erste Maß. Erstmals seit 1969 blieb in diesem Jahr der Bierpreis stabil: Ein Liter Festbier kostet zwischen 6,30 und 6,80 Euro.

Die Wirte wollen beim Bierabsatz wieder den Vorjahreswert von 5,7 Millionen Maß erreichen. 2002 aßen die Festgäste zudem mehr als 459.000 Brathendl, knapp 59.000 Schweinshaxn und 87 Ochsen. Damals gaben die Besucher laut Fremdenverkehrsamt rund 950 Millionen Euro in München aus, fast die Hälfte davon direkt auf der Wiesn.

Ein Hochzeit als Ursprung

Eine prunkvolle Hochzeit setzte Anfang des 19. Jahrhunderts den Grundstein für die heutige Wiesn. Am 12. Oktober 1810 heiratete der Kronprinzen Ludwig Prinzessin Therese von Sachsen- Hildburghausen, ein riesiges Festtreiben belebte die Münchner Innenstadt. Vier Jahre nach der Erhebung Bayerns zum Königreich kam ein großes Fest als Identitätsstifter für die Neubayern und als Ausrichtung auf die Haupt- und Residenzstadt München und das bayerische Herrscherhaus gerade recht. Ein Pferderennen auf einer Wiese, die später den Namen der Braut - Theresienwiese - erhielt, beendete die fünftägigen Feierlichkeiten.´

1818 kam das erste Karussell

Im darauf folgenden Jahr wurde das Pferderennen wiederholt und das erste Landwirtschaftsfest zur "Hebung der bayerischen Agrarwirtschaft" gefeiert. Die Tradition des Oktoberfests war begründet. 1818 wurden das erste Karussell und zwei Schaukeln aufgestellt, mit der Blüte des deutschen Schaustellergewerbes um 1880 kamen zahlreiche Fahrgeschäfte, Belustigungen und Schaubuden. 1896 gab es die ersten massiv gebauten Bierburgen.

Die Pferderennen als ältester Bestandteil des Volksfestes wurden 1938 aus organisatorischen Gründen abgeschafft. Noch immer aber findet im Turnus von vier Jahren das "Bayerische Zentral- Landwirtschaftsfest" im Südteil der Theresienwiese statt, in einem solchen Jahr wird das Oktoberfest als "Kleine Wiesn" bezeichnet. Heute gilt das Oktoberfest mit seinen jährlich rund sechs Millionen Besuchern als größtes Volksfest der Welt.

dpa/ap DPA

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