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Ehemaliger Regierender Bürgermeister: Was macht eigentlich ... Klaus Wowereit?

Er war 13 Jahre lang Regierender Bürgermeister Berlins – und prägte den Satz: "Ich bin schwul – und das ist auch gut so".

Was macht Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit?

Wowereit, 64, kürzlich in Berlin. Er lebt nach wie vor in der Hauptstadt

Auf Ihrer Website steht unter dem Stichwort "Termine": "Leider keine Einträge vorhanden!" Heißt das, dass Sie die meiste Zeit auf dem Sofa verbringen?

Nein. Ich reise gern, stehe auf dem Golfplatz, habe Zeit für gute Freunde, koche für sie. Ansonsten mache ich ein paar ehrenamtliche Dinge. Aber mein Terminkalender ist überschaubar.

Wie kommen Sie mit dem Bedeutungsverlust vom Bürgermeister zum Privatier klar?

Natürlich ist das eine riesige Umstellung. Aber ich habe in der Hinsicht kein Egoproblem, auch wenn ich jetzt auf den Einladungslisten nicht mehr unter den Top 5 bin, sondern eher auf Platz 20. Ich empfinde es als angenehm, nicht mehr unter ständiger Beobachtung zu stehen.

Werden Sie auf der Straße immer noch angesprochen?

Oft. Die Leute fragen dann ganz verdutzt: Was, Sie fahren U-Bahn? Ich genieße es, jetzt solche normalen Dinge tun zu können.

Haben Sie mehr Zeit mit Ihrem Mann?

Ja, er arbeitet auch nicht mehr. Seine anfängliche Befürchtung, dass ich zum Problemfall werden könnte, weil ich mich langweile, hat sich nicht bestätigt. (lacht)

Man hat über den Bürgermeister Wowereit gelästert, er sei ein Partyboy, ein Bruder Leichtfuß. Fühlten Sie sich dadurch manchmal nicht ernst genommen?

Das Image des Partybürgermeisters hat man mir angeklatscht, um mich zu diskreditieren. Aber es kann mir ja nicht so richtig geschadet haben, ich bin mehrfach wiedergewählt worden.

Dass in Ihrer Amtszeit der Hauptstadtflughafen nicht fertig wurde, war ein Desaster und hat Ihre Beliebtheitswerte deutlich sinken lassen, letztlich auch zu Ihrem Rücktritt beigetragen. Nagt das Thema heute noch an Ihnen?

Sicherlich. Es schmerzt mich sehr, dass der Flughafen immer noch nicht eröffnet ist. Aber der Flughafen war nicht der Grund für meinen Rücktritt. Nach 13,5 Jahren war es an der Zeit, einem Nachfolger eine Chance zu geben.

Sie sind jetzt 64. Werden Sie die Eröffnung des Flughafens noch erleben?

Selbstverständlich. Und hoffentlich bald.

Was soll mal in den Geschichtsbüchern über Sie stehen?

Ich würde mich freuen, wenn mit dem Namen Wowereit eine Zeit des Aufbruchs verbunden ist: dass Berlin international und weltoffen geworden ist, ein "place to be", der junge, kreative Leute anzieht.

Wie schätzen Sie den Stand der Sondierungsgespräche im Bund ein?

Man sieht die Schwierigkeiten dieses sehr heterogenen Bündnisses. Am Ende wird es eine Einigung mit vielen Formelkompromissen geben.

Hat Jamaika aus Ihrer Sicht überhaupt eine Chance?

Jamaika hat aus rein machttechnischen Gründen eine Chance. Alle Beteiligten können sich keine Neuwahlen leisten.

Müssen Sie als SPD-Mann schmunzeln, wenn Sie erleben, wie Frau Merkel jetzt von Gelb und Grün genervt wird?

Ja. Jamaika ist eine besondere Strafe für die Kanzlerin. Sie wird sich noch die Haare raufen.

2001 prägten Sie den Satz: "Ich bin schwul – und das ist auch gut so." Nervt es Sie, dass Sie damit andauernd zitiert werden?

Nein. Ich bin sehr froh, dass dadurch viele Menschen den Mut gefunden haben, sich offen zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Dass der Satz so eine ungeheure Wirkung haben würde, habe ich damals nicht geahnt.

Interview: Franziska Wolffheim