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Wowereit-Nachfolger Michael Müller ist Berlins neuer Regierender Bürgermeister


Der Nachfolger von Klaus Wowereit steht fest: Michael Müller erreicht die erforderliche absolute Mehrheit und ist damit neuer Regierender Bürgermeister von Berlin.

Michael Müller will gar nicht erst versuchen, seinen Vorgänger Klaus Wowereit nachzuahmen. "Ich gebe zu, der Glamour-Faktor hat noch Luft nach oben", hat der am Donnerstag in sein Amt gewählte Regierende Bürgermeister von Berlin kürzlich zugegeben. In der Tat ist der neue Regierungschef in der Hauptstadt so ganz anders als sein Vorgänger: Dem schillernden Party-Löwen folgt ein solider Handwerker, der die Stadt mit Wohnungsbau und Arbeitsmarktförderung voranbringen will.

Müllers Wahl im Abgeordnetenhaus war mit einem kleinen Überraschungserfolg verbunden. Er holte 87 von 146 Stimmen - und damit zwei mehr als die rot-schwarze Koalition im Landesparlament hat. Die beiden zusätzlichen Voten kamen vermutlich von den Piraten.

Regierungserfahrung ist sein großes Plus

Den langjährigen Weggefährten Wowereits, der am Dienstag 50 Jahre alt geworden ist, hatte lange Zeit niemand mehr auf der Rechnung. Nach seiner Abwahl 2012 vom SPD-Landesvorsitz, den er 2004 übernommen hatte, war allgemein davon ausgegangen worden, dass der Drucker mit kaufmännischer Ausbildung als Wowereits Kronprinz erledigt sei.

Doch nachdem Wowereit im August seinen Rückzug für Dezember verkündet hatte und zunächst nur die Chefs von Partei und Fraktion, Jan Stöß und Raed Saleh, ihren Hut in den Ring warfen, rang sich auch der bisherige Bausenator zur Bewerbung beim Mitgliederentscheid der SPD durch. Dabei fiel sein Triumph überraschend klar aus: Mit 59,11 Prozent setzte er sich deutlich gegen die beiden Mitbewerber durch.

Müllers großes Plus im parteiinternen Wahlkampf war die Regierungserfahrung, die er als einziger der drei Kandidaten in die Waagschale werfen konnte. Doch seine Bilanz im Senatorenamt, das er seit 2011 innehatte, war nicht ungetrübt: Müller, der von 2001 bis 2011 SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus war, hat die Berliner Wohnungsmisere mit steigenden Mieten mit zu verantworten. Zudem votierten die Berliner beim Volksentscheid zur Bebauung des früheren Flughafens Tempelhof gegen den Senat.

Hauptsorge bleibt der Flughafen

Das Nein der Bevölkerung zu den Plänen des schwarz-roten Senats für das frühere Flughafengelände wurde allerdings vor allem als Ohrfeige für Wowereit gewertet. Und im Vorfeld seiner Wahl zum Regierungschef bewies Müller durchaus Geschick. Geräuschlos gelang es ihm, zwei freigewordene Senatorenposten zu besetzen. Er gewann den Finanzfachmann und Unternehmensberater Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) für den Posten des Finanzsenators. Für die Nachfolge in seinem eigenen Amt des Stadtentwicklungssenators fand er den Bürgermeister des Berliner Bezirks Lichtenberg, Andreas Geisel (SPD). Diesem eilt der Ruf voraus, den Wohnungsbau vorangebracht und seinen Bezirk vom Image der Rechten-Hochburg befreit zu haben.

Mit Geisel will Michael Müller sein Herzensanliegen - den Wohnungsbau - in ganz Berlin voranbringen. Seine Hauptsorge kann der umtriebige Senator dem neuen Bürgermeister aber nicht abnehmen: Müller wird wohl oder übel daran gemessen werden, ob er das Desaster um den Flughafen BER in den Griff bekommt, dessen Fertigstellung nach mehrmaliger Verzögerung noch immer in den Sternen steht.

Klaus Wowereit, der am Ende seiner über 13-jährigen Amtszeit alles andere als beliebt war, ist überzeugt, dass Müller die Probleme auf seine Art meistern wird. "Er ist ein anderer Typ, ja - das wird auch so bleiben", bekundet der Ex-Bürgermeister. "Er muss seinen eigenen Weg finden und seinen eigenen Stil und den wird er garantiert finden."

tob/AFP AFP

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