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Corona 2G oder 3G? Was welches Bundesland nun plant – und was schon gilt

Ein Leuchtschild am "Theater am Aegi" in Hannover weist auf die geltende 2G-Regelung hin
Ein Leuchtschild am "Theater am Aegi" in Hannover weist auf die geltende 2G-Regelung hin
© Julian Stratenschulte / DPA
Die Bundesländer haben unterschiedliche Corona-Regeln – je nach Inzidenz und Krankenhausauslastung. Doch die Forderungen nach einer einheitlichen 2G-Regelung werden immer lauter. Wo 2G schon gilt, wo es diskutiert wird und wo nicht – der Überblick.

Angesichts der weiter steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen und des Inzidenzwerts dringt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina auf die Ausweitung von 2G-Regeln und Impfpflichten für bestimmte Berufsgruppen. Nötig seien jetzt "Impfpflichten für Multiplikatoren", sagte Leopoldina-Präsident Gerald Haug dem "Spiegel". Dies seien nicht nur Pflegerinnen und Pfleger, sondern auch Lehrpersonal und weitere Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen.

Die 2G-Regel, wonach nur geimpfte oder genesene Menschen Zutritt zu Veranstaltungen bekommen, solle "eine größere Geltungsreichweite" erhalten, forderten Haug und die Leopoldina-Forscherinnen und -forscher weiter. In der Arbeitsschutzverordnung solle zudem "eine angemessene Regelung zur Offenlegung des Impfstatus" von Beschäftigten festgeschrieben werden. Bislang dürfen Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Beschäftigten nicht erfragen.

Die Forderungen der Leopoldina gehen deutlich über die Pläne der Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP hinaus, über die am Donnerstag im Bundestag beraten werden soll. Darin ist etwa eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen nicht vorgesehen, die Ausweitung von 2G-Regeln soll weitgehend den Ländern überlassen werden. Aber was plant welches Bundesland? Ein Überblick.

Baden-Württemberg

Seit dem 28. Oktober gilt in Baden-Württemberg das "2G-Optionsmodell". Demnach entfällt die Maskenpflicht in Geschäften und Einrichtungen für Geimpfte und Genesene, solange die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern des Bundeslandes eine gewisse Schwelle nicht überschreitet. 

Bayern

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert einheitlich 2G – also bundesweit. Insofern verwundert es nicht, dass in Bayern 2G auf der Tagesordnung steht. Er erwarte, dass durch das starke Setzen auf 2G bei Freizeitveranstaltungen - also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene - die Neigung zum Impfen noch einmal größer werde. Söder sagte, er befürchte eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Deshalb dürfe es auch keine Häme denen gegenüber geben, die sich mit dem Impfen bisher noch schwergetan hatten. Er sprach sich erneut für eine Impfpflicht bestimmter Berufsgruppen aus, etwa in der Pflege.

Wo in Bayern 2G, 3G oder 3G+ (nur Genesene, Geimpfte sowie Ungeimpfte mit aktuellem PCR-Test haben Zutritt) gilt, regelt die Krankenhausampel. Sie ist auf Rot gesprungen, daher gilt in Fitnessstudios und Sportstätten, Theatern, Kinos und Museen, Zoos, Bädern, Solarien und Seilbahnen sowie den touristischen Bahn- und Reisebusverkehr 2G. Ausgenommen sind von dieser 2G-Beschränkung Kinder unter zwölf Jahren.

Berlin

Der Senat werde noch in dieser Woche beschließen, die 2G-Regel auszuweiten, kündigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im "RBB Inforadio" an. "Das ist schneller, als viele andere Bundesländer, die immer noch zugucken, ob irgendwas von der Bundesebene kommt", sagte Müller. Ordnungsamt und Polizei sollen die Einhaltung der 2G-Regel verstärkt kontrollieren, ansonsten setzt Müller auf die Eigenverantwortung von Gastronomen und Gästen.

Brandenburg

Der Landtag hat Dienstag über neue Corona-Regelungen beraten und ist zum Schluss gekommen, die 2G-Regelung einzuführen. Ab wann, das entscheiden die Abgeordneten am Donnerstag.

Bremen

Mit 78,8 Prozent hat Bremen die höchste Quote aller Bundesländer an Zweitimpfungen, die aktuelle Corona-Warnstufe lautet 0. Ab Warnstufe 1 gilt erst die 3G-Regel. Ab Warnstufe 2 kann die 2G-Regel angewendet werden. Von einer verpflichtenden Einführung der 2G-Regel ist Bremen also ein gutes Stück entfernt.

Hamburg

Seit Anfang Oktober hat die Hansestadt ein 3G-Modell mit einer 2G-Option, die es Gastronomen, Veranstaltern und Gästen ermöglicht, unter weniger strengen Bedingungen zusammenzukommen. Abstandsregeln entfallen, Tische und Räumlichkeiten können voll ausgelastet werden und es gilt keine Sperrstunde mehr.

Am Dienstag hat der Hamburger Senat über eine 2G-Regelung beraten. Anschließend sagte laut "mopo.de" Senatssprecher Marcel Schweitzer: "Hamburg hat bundesweit die niedrigste Hospitalisierungsinzidenz mit 1,2." Doch der Senat sei entschlossen "die 2G-Regelung auszuweiten, wenn die Entwicklung in den Krankenhäusern beziehungsweise auf den Intensivstationen dies erfordern." Heißt also: Verschärft sich die Corona-Lage in der Hansestadt, kommt die 2G-Regelung.

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Hessen

Am Montag hat Hessen seine Corona-Regeln verschärft: Für die Teilhabe am öffentlichen Leben müssen Ungeimpfte nun einen aktuellen PCR-Test vorlegen. Ein Antigen-Schnelltest reicht dazu nicht mehr aus. "Konkret betrifft dies die Innenbereiche bei Veranstaltungen, Messen und im Kulturbetrieb, in Freizeiteinrichtungen, Sportstätten, Kulturstätten, Gaststätten, Spielbanken und Spielhallen sowie Prostitutionsstätten." Kinder sind von der Regelung ausgenommen.

Ein Übergang zu einer 2G-Regelung ist in Hessen bisher offenbar nicht angedacht.

Mecklenburg-Vorpommern

Seit dem 5. Oktober gilt im nordöstlichen Bundesland eine Corona-Verordnung mit einem 2G-Options-Modell: "Veranstalter, Gastronomen und Einzelhändler (sofern diese nicht zum Grundbedarf gehören) können für ihre Veranstaltungen, Lokale, Geschäfte und Einrichtungen ein 2G-Modell wählen. In diesem Fall haben nur geimpfte oder von Corona genesene Bürgerinnen und Bürger Zutritt."

Auf dem Impfgipfel am Dienstag wurde beschlossen, das Impfangebot weiter auszubauen und die Menschen im Bundesland zu Auffrischungsimpfungen zu motivieren. Von 2G ist in den Beschlüssen keine Rede.

Niedersachsen

Am Dienstag hat Niedersachsen den schrittweisen Umstieg auf 2G beschlossen. Nun gilt 2G bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit 1000 bis 5000 Teilnehmenden, sowie bei Großveranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 5000 Menschen.

Ministerpräsident Stephan Weil sagte laut Pressemitteilung dazu: "Auch Bundesländer, die – wie Niedersachsen – noch weniger betroffen sind als andere Länder, müssen sehr vorsichtig sein. Die Situation in Süd- und Ostdeutschland ist ein warnendes Beispiel. Durch höhere Impfquoten, strengere Schutzmaßnahmen und eine höhere Disziplin der Niedersächsinnen und Niedersachsen, für die ich sehr dankbar bin, sind wir noch in einer besseren Lage. Aber wir sehen sehr deutlich, dass auch bei uns mit den ungeimpften Menschen ein erhebliches Risikopotential verbunden ist. Die Ungeimpften erhöhen auch für die Geimpften die Gefahr, sich doch noch zu infizieren, die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. Deswegen bauen wir jetzt eine Brandmauer und erhöhen sie sukzessive."

Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dringt erneut auf ein schnelles Bund-Länder-Treffen zur Corona-Lage und Gespräche über eine bundesweite 2G-Regelung. "Ich glaube, wir sollten darüber zu einer Verständigung kommen deutschlandweit, dass wir nicht am Ende wieder einen Flickenteppich haben. Und 2G scheint ein probates Mittel zu sein, darüber müssen wir reden", sagte der derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz im Deutschlandfunk. 2G bedeutet Zugang zu bestimmten Orten und Veranstaltungen nur für Geimpfte und Genesene. "Wir sind auch notfalls allein handlungsfähig, aber mein Prä wäre gemeinsam im Länderkreis mit dem Bund eine gemeinsame Strategie", sagte der NRW-Regierungschef.

Rheinland-Pfalz

Seit Montag gilt in Rheinland-Pfalz ein Dreiklang: Mehr Boosterimpfungen, Testpflicht für Ungeimpfte im Bereich Pflege, Lockerungen im Außenbereich. "Wir haben erneut die Leitplanken angepasst, um gut und sicher durch den Winter zu kommen. Wir brauchen auch weiterhin Schutzmaßnahmen – wie Masken, Abstand und 2Gplus-Regeln – auch dann noch, wenn der Deutsche Bundestag sich entscheiden wird, die 'epidemische Lage von nationaler Tragweite' zum 25. November 2021 auslaufen zu lassen. Das Ende der epidemischen Lage nationaler Tragweite heißt nicht: Ende der Pandemie", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) laut Pressemitteilung.

Sie hält eine Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage vorerst nicht für erforderlich. "Wir verschließen uns perspektivisch nicht einem Gespräch, aber da muss das Ziel und die Notwendigkeit sehr klar sein", sagte Dreyer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Insofern ist ein 2G-Regelung für das Bundesland momentan nicht in Sicht.

Saarland

Laut Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) ist eine 2G-Regelung im Saarland "aktuell nicht notwendig". Sie verweist auch auf die zweithöchste Impfquote aller Bundesländer. Laut Statista haben 73,7 Prozent der Saarländer*innen bereits ihre Zweitimpfung erhalten – besser steht mit 78,8 Prozent nur Bremen da. Insofern ist die Einführung einer 2G-Regelung im Saarland momentan unwahrscheinlich.

Sachsen

Sachsen ist Vorreiter. Als erstes Flächenland nutzt der Freistaat seit Wochenbeginn umfassend 2G gegen die rasant steigenden Corona-Zahlen. Nur Geimpfte und Genesene dürfen nun in Restaurants, Kneipen oder Diskotheken, ein negativer Test nützt nichts. Darüber wird heftig gemurrt, vor allem von Gastwirten. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sehen die Beschränkungen für Ungeimpfte als eine Art letzte Notbremse, um Schlimmeres abzuwenden: den Lockdown für Geschäfte und Lokale.

Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) forderte die Bürgerinnen und Bürger Sachsen-Anhalts zudem auf, sich impfen zu lassen: "Die, die sich nicht impfen lassen, obwohl sie es könnten, machen uns das Leben schwer", sagte er. Die Landkreise und kreisfreien Städte Sachsen-Anhalts sind nun wieder verpflichtet, beim Erreichen bestimmter Grenzwerte 3G-Regeln einzuführen. 2G bleibt aber weiterhin optional.

Corona: 2G oder 3G? Was welches Bundesland nun plant – und was schon gilt

Schleswig-Holstein

Erste Forderungen nach einer 2G-Regelung werden auch im nördlichsten Bundesland laut, bisher gilt dort aber weiterhin 3G.

Thüringen

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow - der in seinem Bundesland ähnlich dramatische Corona-Zahlen hat wie Sachsen - ist auf Distanz zu 2G. Sein Argument: Wer soll das alles kontrollieren? Und was nützen Regeln, die niemand überwacht? Wer kürzlich im Café oder Restaurant war, weiß: Ob jemand geimpft, genesen oder frisch getestet ist, danach fragt oft niemand.

tkr

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