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Was macht eigentlich ...: ... Billie Zöckler?

Vor gut 20 Jahren verkörperte sie als "Tippse Edda" in der Kultserie Kir Royal den Traum von einer Sekretärin: ständig einsatzbereit, stets loyal - und Kaffee kochen konnte sie auch.

Was halten Sie von "Kir Royal"?

Ich mag lieber Weißbier.

Nein, die Serie.

Die Serie ist Kult. Ich bin stolz, dabei gewesen zu sein. Ich war so aufgeregt, mit dem Helmut Dietl zu drehen! Den fand ich doch so toll. Und dann war ich auf einmal berühmt. Das ging von null auf hundert. Einladungen, Interviews, Autogramme. Ich konnte gar nicht mehr in Ruhe U-Bahn fahren oder einkaufen gehen. Ich hab's genossen. Das netteste Erlebnis hatte ich mit einer älteren Dame, die fragte: "S'an Sie net die Zicky Böller?" Als ich sie irritiert anschaute, sagte sie: "Gell, Sie wollen's net so gerne angesprochen werden!?"

Die roten Haare, die Sie als Redaktionssekretärin Edda trugen, waren aber nicht echt.

Das war eine Perücke. Meine Haare sind kurz und blond. Und die Finger mit den langen, grün lackierten Nägeln, die man beim Tippen auf der Schreibmaschine sieht, waren auch nicht meine. Ich beherrsche nur das Dreifingersystem. Als echte Sekretärin wäre ich unter aller Kanone. Aber meine Rolle habe ich geliebt. Die Edda ist so hübsch aufgeschnackelt - wie eine Praline.

Nach "Kir Royal" hatten Sie noch einige erfolgreiche Jahre, dann blieben Angebote aus.

Es gibt einen Bruch bei Schauspielerinnen - wenn man ihnen deutlich ansieht, dass sie älter geworden sind. Dann kann man nicht mehr die Rollen spielen, die man die ganze Zeit hatte. Den Sprung von der jungen zur älteren Frau muss man erst mal überstehen, bis die Leute kapiert haben: Die ist jetzt keine 30 mehr. Bei mir ist das so mit 50 passiert, wenn man auch persönlich Probleme mit dem Alter hat. Das war ein hartes Stück Arbeit, damit klarzukommen. Aber man muss die Kurve kriegen, sonst wird man, Tschuldigung, scheißalt!

Haben Sie ein Rezept gefunden?

Ich habe verstanden, wie sich ein Arbeitsloser fühlt, wenn er lange keinen Job bekommt. Da beginnt das Selbstbewusstsein zu bröckeln. Das ging mir nicht anders. Um es mir zurückzuerobern, habe ich begonnen, Theater zu spielen. Die guten Kritiken, die ich bekam, habe ich viel mehr zu schätzen gewusst als die guten Kritiken von früher. Wenn man mal tief unten war und dann wieder raufkommt, ist man viel dankbarer für alles, was man früher wie selbstverständlich genommen hat.

Mussten Sie stempeln gehen?

Ich hätte liebend gern Arbeitslosengeld bekommen. Aber ich hatte nicht genug Arbeitszeit dafür zusammengekriegt. Das geht vielen Schauspielern so - ich habe meine Reserven aufgebraucht. Aber zum Glück bin ich inzwischen wieder gut beschäftigt.

Wo denn zum Beispiel?

Bei den "Rosenheim-Cops" und in der "Soko" habe ich Mörderinnen gespielt. Ich bin bei "Forsthaus Falkenau" dabei gewesen. Und ich spiele Theater, in der "Komödie" in Düsseldorf - zuletzt "8 Frauen". Außerdem war ich auf Tournee mit dem Lustspiel "Kein Job für Sünder", und wir planen ein neues Stück fürs nächste Jahr.

Theater ist jetzt mehr Ihre Welt?

Ich liebe das Theater! Ich bin im Leben eher ein schüchterner Mensch, aber auf der Bühne blühe ich richtig auf, da bin ich stark - ein echter Kämpfer.

Also kein Fernsehen mehr?

Doch, natürlich. Ich werde demnächst ein Fernsehspiel drehen. Da warte ich täglich auf das Drehbuch.

Sie haben Ihr ganzes Leben in München gearbeitet.

Hat Sie keine andere Stadt gereizt? Einmal wollte ich nach Berlin ziehen, aber dann ist mir eine Liebe dazwischengekommen. Ich lebe gern in München und bin Single, aber kein überzeugter. Ich glaube daran, dass irgendwann der Richtige kommt!

Interview: Susanne Schormann

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