Was macht eigentlich ... ... Birgit Breuel?


Die Tochter aus hanseatischer Kaufmannsfamilie und CDU-Politikerin leitete als Generalkommissarin die Organisation der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

Seit die Weltausstellung 2000 zu Ende ging, hat man kaum mehr etwas von Ihnen gehört. Warum?

Nach der Expo habe ich mich selbst privatisiert und nach über 20 Jahren intensiver Arbeit in öffentlichen Ämtern ein neues Kapitel meines Lebens begonnen.

Sie haben sich früher nicht immer die leichtesten Jobs ausgesucht - Finanzministerin in Niedersachsen, Treuhand-Chefin, später dann Leiterin der Expo. Gab es keine dankbareren Aufgaben?

Alle drei Ämter habe ich aus innerer Überzeugung wahrgenommen. Als Landesministerin bieten sich viele Möglichkeiten, eigene politische Vorstellungen zu verwirklichen. Die Treuhand hatte nach der wunderbaren Wiedervereinigung Deutschlands die gewaltige historische Aufgabe, eine ganze Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft zu überführen - eine Voraussetzung für das Zusammenwachsen von Ost und West. Die Expo bot die Chance, nachhaltiges Denken zu fördern und unser Land der Welt als sympathischen Gastgeber zu präsentieren.

14 Jahre ist es her, dass die Treuhand ihre Arbeit eingestellt hat. Eine Bilanz?

Für mich war das Wichtigste, dass wir um jede einzelne Firma gerungen haben. Das hat die Öffentlichkeit leider oft anders wahrgenommen. Bei allen schmerzlichen Entscheidungen, die wir treffen mussten, stehe ich zu dieser Arbeit. Natürlich haben wir auch Fehler gemacht, von denen jeder einzelne zu bedauern ist. Aber wir mussten gerade am Anfang schnell entscheiden, um den Firmen und den Menschen zu helfen. Wenn ich heute die neuen Länder besuche, finde ich nicht nur eine gute Infrastruktur, sondern auch eine in weiten Teilen gute Wirtschaftsstruktur vor.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag bei der Treuhand erinnern?

Karsten Rohwedder begrüßte mich mit den Worten: "Willkommen, Sie haben kein Büro, keine Mitarbeiter, aber sechs Säcke Post im Keller." Die ersten Tage hatte ich jede halbe Stunde ein Gespräch mit Unternehmensberatern aus ganz Deutschland, die ich einstellen konnte. Jedem war gesagt worden: "Bringen Sie Ihre Zahnbürste mit." Wenn sie gut waren, habe ich sie auch sofort genommen. Am nächsten Tag rief ich dann den jeweiligen Arbeitgeber an und sagte: "Der kommt nicht wieder."

Das größte Versäumnis?

Dass wir uns nicht genügend um die Industrieforschung gekümmert haben.

Und heute …

… kümmere ich mich um meinen Mann, meine drei Enkel und um unsere Stiftung. Außerdem liebe ich Gartenarbeit - und das war es. Erstaunlicherweise geht es mir gut dabei. Meine Familie hätte mir das übrigens nie zugetraut.

Ihre Stiftung, wofür engagiert die sich?

Mein Mann und ich haben die Philip Breuel Stiftung im Namen unseres 1990 verstorbenen Sohnes Philip gegründet. Er war bildender Künstler und hatte den Traum, mit Kindern, die es schwer haben, künstlerisch zu arbeiten. Wir wollten das, was ihm vorschwebte, in diese Familienstiftung einbringen: Kinder aus sozialen Brennpunkten und schwierigen Familienverhältnissen haben in unseren Kinderkunstklubs die Chance, ihrem Leben einen Schubs für eine bessere Entwicklung zu geben. Sie sollen durch kreative Arbeit Selbstvertrauen gewinnen, damit sie dann auch in der Schule besser bestehen können, bessere Abschlüsse erreichen und die Integration in unsere Gesellschaft aus eigener Kraft schaffen können.

Interview: Stefan Doblinger print

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