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Was macht eigentlich ...: ... Debra Winger?

Die mit drei Oscar-Nominierungen ausgezeichnete Schauspielerin rührte in "Ein Offizier und Gentleman" Millionen zu Tränen. Ihre große Klappe indes irritierte so manchen Studioboss und Kollegen.

Sind Sie noch sauer auf Shirley MacLaine?

Warum sollte ich?

Sie hat Ihnen doch 1984 den Oscar als beste Schauspielerin vor der Nase weggeschnappt und Sie in der Dankesrede mit den Worten: "Ich habe den Oscar verdient" bloßgestellt.

Das sind alte Kamellen. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir uns damals nicht wirklich gut verstanden haben. Ich bin noch immer stolz auf "Zeit der Zärtlichkeit", in dem wir beide eine Hauptrolle hatten und beide für den Oscar nominiert wurden. Shirley hat gewonnen, aber deshalb habe ich heute keine schlaflosen Nächte mehr.

Mit Richard Gere drehten Sie 1982 "Ein Offizier und Gentleman". War da eigentlich was mit ihm und Ihnen?

Sicher nicht. Richard und ich hatten damals eher Meinungsverschiedenheiten. Aber er ist ein netter Kerl.

Sie haben sich im Laufe der Jahre ja immer wieder mal Feinde gemacht in Hollywood, weil Sie selten ein Blatt vor den Mund nehmen. Jack Nicholson etwa haben Sie jüngst als "Puffliebhaber" geoutet.

So bin ich nun mal. Ich bin keine, die aus Angst vor einem Imageverlust bei den Regisseuren die Klappe hält und jedem nur nach dem Schnabel redet. Ich bin gerne Schauspielerin, aber ich werde mir nicht meine Persönlichkeit verbiegen lassen.

Hat Ihnen Ihre große Klappe mal richtig geschadet?

Es gab Zeiten, da bekam ich das schon zu spüren. Die Verlogenheit der Branche war einer der Gründe, warum ich mich Mitte der Neunziger aus Hollywood verabschiedet hatte. Erst als ich meinen zweiten Mann, den Filmemacher Arliss Howard, traf, bekam ich wieder Lust auf neue Projekte. Wir drehten zusammen zwei Filme: "Big Bad Love" und "Dawn Anna". Die menschliche und professionelle Chemie stimmt ganz einfach.

Hat Hollywood Sie inzwischen auch wieder lieb?

Ich bekam eigentlich immer Angebote, aber es war meine Entscheidung, Hausfrau und Mutter zu spielen. Unser Sohn hat mich in den vergangenen Jahren auch gut auf Trab gehalten. Aber jetzt, wo er aus dem Gröbsten raus ist, nehme ich hier und da wieder Rollen an. Ansonsten habe ich mich in den letzten Monaten viel für den Wahlkampf von Barack Obama engagiert. Amerika braucht ganz dringend den Wandel, sonst sehe ich schwarz für die Zukunft dieses Landes und den Rest der Welt. Aber ich bin sehr optimistisch und sage einen Erdrutschsieg für Obama voraus.

Sie haben kürzlich Ihre Autobiografie veröffentlicht.

Ja. Neben vielen sehr persönlichen Episoden wie der Zeit in der israelischen Kinderarmee oder dem schlimmen Autounfall in den Siebzigern habe ich in "Undiscovered" auch meine Erfahrungen mit Hollywood aufgearbeitet. Während ein Harrison Ford noch mit 65 einen Actionhelden spielen kann, gelten Frauen schon mit 40 als alt.

Sprechen Sie als Leidtragende?

Nein, ich werde in Würde altern. Aber wenn ich durch Los Angeles laufe und diese relativ jungen Frauen sehe, die sich offensichtlich für eine Schönheitsoperation unters Messer gelegt haben, graust es mir.

Sind die Frauen nicht auch ein bisschen selbst daran schuld?

Ganz klar. Denn die meisten Frauen, die sich operieren lassen, tun das doch nicht, um auf Männer attraktiver zu wirken, sondern um andere Frauen zu beeindrucken. Ich kenne jedenfalls keinen Mann, der auf künstliche Brüste und gestraffte Gesichtszüge steht. Es scheint, wir Frauen sind in dieser Hinsicht manchmal uns selbst die größten Feinde.

Interview: Andreas Renner / print