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Was macht eigentlich ...: ... Mats Wilander?

Der schwedische Tennisprofi und Weltranglistenerste von 1988 galt als der perfekte Grundlinienspieler und daher als "Langweiler", lieferte sich aber auch epische Schlachten mit Boris & Co.

Sie mögen es wohl lässig, oder?

Weil ich in Flipflops und kurzer Hose herumlaufe? Sieht in der Tat so aus, als ob ich zum Strand will. Aber ich coache ja nur noch. Und als Coach stehe ich nicht auf dem Platz, sondern daneben. Da kann ich doch das anziehen, was ich will.

Und warum stehen Sie immer noch neben dem Tennisplatz?

Weil ich diesen Sport mag. Sechs Monate im Jahr bin ich unterwegs. Ich lerne immer noch dazu, und ich bin mit Leidenschaft dabei. So wie John McEnroe auch. Und Jimmy Connors, der Teufel schlechthin. Wir geben viel für den Tennissport. Wenn wir tot sind, wollen wir auch tot aussehen. Einigen Spielern allerdings fehlt diese Leidenschaft ...

Wen meinen Sie damit?

Pete Sampras, Ivan Lendl, Stefan Edberg, Justine Henin. Ich kann Justine Henin einfach nicht ausstehen; die hört plötzlich auf, nur weil sie die Nummer eins der Weltrangliste war. Diese Spieler haben eine Leidenschaft fürs Gewinnen, aber nicht fürs Tennis. Auch Roger Federer könnte mehr Leidenschaft zeigen.

Er habe keine Eier, haben Sie über ihn geätzt.

Ich habe gesagt, dass man nicht in vielen Sportarten Champions finden wird, die weder Herz noch Eier haben. Und dass Federer sie vielleicht habe, nur würden sie gegen Nadal immer auf ein Mindestmaß schrumpfen. Für den Ausdruck "Eier" habe ich mich bei ihm entschuldigt. Aber Roger sollte sich nicht mit seinen Titeln zufriedengeben, lieber versuchen, Rafael Nadal wieder vom Thron zu stoßen.

Auch Ihr Spiel sah nicht besonders emotional aus, eher langweilig ...

Das haben Sie gesagt. Ich war sehr erfolgreich.

Die Spiele gegen Boris Becker sind legendär.

Na ja, für ihn vielleicht, nicht für mich. Die wichtigen Spiele hat er ja gegen mich gewonnen. Der reinste Wahnsinn war das längste Spiel in der Davis-Cup-Geschichte. Ich war 17, und der Gegner hieß McEnroe. Wir haben uns sechseinhalb Stunden bekämpft. Darauf bin ich stolz.

Weniger auf den Kokain-Skandal?

Was soll ich daran bedauern? Es ist, wie es ist. Eher sollten die Offiziellen bedauern, dass sie mich 1995 positiv getestet haben.

Treffen Sie Ihre damaligen Gegner und schwelgen in Erinnerungen?

Boris, John und Jimmy sehe ich manchmal. Das ist natürlich immer wieder schön. Aber am besten ist, dass mein alter Freund und Doppelpartner Joakim Nyström als Trainer ebenfalls auf der Tour ist.

Spielen Sie noch mit Ihrem alten Rossignol-Schläger?

Nur bei mir zu Hause in Idaho auf 2000 Meter Höhe. Meine Freunde dort sind natürlich nicht so gut wie ich. Da muss ich mit meinem Schläger nicht so draufhauen und kann die alte Keule nehmen.

Warum leben Sie in Idaho?

Mein Sohn Erik leidet an Epidermolysis bullosa, einer genetisch bedingten Hautkrankheit. Vor acht Jahren sind wir nach Idaho gezogen, wo das Leben einfacher für ihn ist als in Schweden. Erik kann sich draußen aufhalten, im Winter spielt er Eishockey. Meine Frau und ich sammeln Geld, um anderen betroffenen Familien zu helfen, und unterstützen die Forschung. Bei uns zu Hause wird übrigens kaum über Tennis gesprochen.

Bleibt noch Zeit für Musik?

Wenn wir alten Champions eine Party haben und alle betrunken sind. Dann geht die Post ab.

Interview: André Groenewoud / print