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Was macht eigentlich ...: ... Michael Holm?

Mit Schlagern wie "Mendocino", "Barfuß im Regen" oder "Tränen lügen nicht" war er einer der erfolgreichsten Musiker der 70er Jahre und Dauergast in allen "Hitparade"-Sendungen.

Guten Morgen, Herr Holm, waren Sie im Pferdesolarium?

Nein, aber ich habe in der Früh geschaut, ob die Gäste zufrieden sind.

Welche Gäste?

Na, die Pferde. Wir haben auf dem Hof nur zwei eigene Pferde, die anderen 26 sind Gäste, und um die kümmern wir uns.

Woher kommt Ihre Liebe zu Pferden?

Meine Frau und ich sind am Anfang unserer Beziehung viel ausgeritten und hatten den Wunsch, mit unseren Kindern und vielen Tieren auf dem Land zu leben. Die Natur gibt mir Kraft und Ruhe.

Sie heißen eigentlich Lothar Bernhard Walter, wie wurden Sie zu Michael Holm?

Als ich meine erste Platte aufnahm, ging ich noch in Erlangen aufs Gymnasium; ich wäre von der Schule geflogen, wenn das rausgekommen wäre. So musste ich unter einem anderen Namen verschwinden. Der sollte völlig normal sein. "Roy Black" oder "Jack White" heißt ja niemand wirklich.

Dafür hatten Ihre Hunde immer komische Namen, zum Beispiel Waigel oder Sedlmayr ...

Genau, aber dafür ist meine Frau zuständig. Da hat sie ihre Freude dran.

Sie nennen Ihre Frau Beate "Bimbi" - wie Ihren Trecker. Hat sie da auch Freude dran?

Klar, das ist eigentlich ihr Kosename. Den Trecker hat sie so getauft, weil sie als Einzige damit umgehen kann. Einen Teich haben wir übrigens auch - den Bimbi-See.

Und jetzt verraten Sie noch, was Cusco ist.

Das ist die Instrumentalmusik, die ich seit den Achtzigern produziere, Chill-out würde man heute sagen. Cusco ist aus der Indianersprache und bedeutet Nabel. Die Inka haben sich als Nabel der Welt empfunden - und deshalb ihre Hauptstadt so genannt.

Was hat das mit Ihnen zu tun?

Ich bin sieben Monate durch Südamerika gereist und habe meine Musik in Erinnerung an diese Zeit so genannt. Die Alben waren zunächst in Japan und Korea erfolgreich, später in den USA. Dreimal wurden sie für den Grammy nominiert, zuletzt vor drei Jahren.

Sie sind jetzt 64. Schon mal gedacht, Ihre musikalische Zeit könnte vorbei sein?

Natürlich. Aber mein Kollege Ralph Siegel hat mal gesagt: Ich lasse mir meine Musik nicht verbieten. Und da hat er recht.

Sind Sie Ehrenbürger von "Mendocino"?

Machen Sie Witze? Das ist ein kleines Nest im Norden Kaliforniens. Als ich 1969 meinen Hit sang, wusste ich nicht mal, wo das lag. Heute leben dort Alt-Hippies. Ich kenne keinen – und mich kennt keiner.

Ist Ihnen die gute alte Zeit auch mal peinlich?

Nein, oder vielleicht doch. Wenn ich an meine goldenen Satinanzüge denke, da sind die Leute fast erblindet.

Was sagt Ihnen die Zeile: "Wir hatten Krach, und ich bin ohne dich in Urlaub gefahren."

Kann sein, dass sie aus einem meiner Lieder ist, aus einem weniger bedeutenden. Ist es so?

Ja. Ingrid Steeger hat Sie wohl damals verlassen, aber immerhin für einen Großwildjäger.

Das war 1977. Wir hatten vor allem ein leidenschaftliches Telefonverhältnis, da wünscht man sich als Mann mehr Nähe. Aber darunter leide ich nicht mehr. Davon habe ich kein graues Haar bekommen.

Sie gehören zu den wenigen Männern, die zugeben, die Haare zu färben. Warum überhaupt?

Ich fühle mich besser. Ganz einfach.

Was machen Sie, wenn das Publikum statt Ihrer neuen Lieder immer nur die alten will?

Die singe ich sowieso immer. Das macht jeder Künstler, der vernünftig ist.

Können Sie sich vorstellen, mit 70 noch vom heißen Sommer in San Fernando zu singen?

Selbstverständlich. Udo Jürgens singt auch noch vom griechischen Wein. Ich verabschiede mich noch lange nicht, da müssen Sie mit dem Schlimmsten rechnen.

Interview: Carla Woter

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