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Was macht eigentlich ...: ... Mireille Mathieu?

Die Tochter eines bitterarmen Steinmetzes wurde mit ihren Chansons als Spatz von Avignon weltberühmt. Markenzeichen bis heute: der stets akurate Topfschnitt ihrer Haare.

Madame Mathieu, Sie sind 60 Jahre - wie schaffen Sie es, so jung auszusehen?

Ich lasse keine Sonne an mein Gesicht, trage selbst bei Waldspaziergängen einen Schleier. Auf meiner Haut finden Sie keine einzige Sommersprosse. Und dann die Ernährung. Ich esse nur Bio - Gemüse, Fisch, Obst. Besorgt alles Monique, meine Schwester.

Fans bewundern Ihren Pagenschnitt. Haben Sie je daran gedacht, Ihre Frisur zu ändern?

Nein, nie. Beim letzten Defilee von Christian Lacroix trugen alle Models die Haare wie ich. Mein Schnitt ist also das Allerneueste.

Es wird behauptet, Sie hätten 2000 Lippenstifte. Stimmt das?

Kann sein, ich liebe Kosmetik und habe das Glück, mit einem der größten Make-up-Künstler befreundet zu sein, Olivier Echaudemaison, Kreativ-Direktor bei Guerlain. Ich kann so viele Lippenstifte bekommen, wie ich will. Ich probiere sie aus und verschenke sie dann an meine vielen Schwestern und Nichten ...

... aber 2000 Lippenstifte?

Ich spende ja auch für den Katholischen Hilfsdienst, meine Kleider und Schuhe gehen ebenfalls dorthin.

Es heißt, jeden Morgen würde Ihnen jemand beim Ankleiden helfen.

Darum kümmert sich Monique, sie ist sehr genau. Schließlich geht es um Haute-Couture-Kleider, da muss man aufpassen.

Sie leben im Pariser Nobelvorort Neuilly, können Sie dort unbelästigt ausgehen?

Ich esse in Neuilly stets im selben China-Restaurant; die Leute lassen mich in Ruhe, aber umdrehen tun sie sich schon. Jedes Jahr gehe ich zum Grand Prix nach Magny-Cours, ich war ein großer Fan von Michael Schumacher. Ich vergöttere Michael, trug für ihn immer Schwarz und Rot, die Ferrari-Farben, dazu noch eine rote Chanel-Tasche. Als Michael aufhörte, habe ich geweint. Er ist ein wahrer Champion, wie alle Großen freundlich, geduldig und großzügig, immer ein Lächeln. Eine meiner Schwestern folgte ihm sogar nach Hockenheim, und meine 85-jährige Mutter kommt immer mit nach Magny-Cours. Ich liebe auch eure Eiskunstläuferin, wie heißt sie noch mal?

Katarina Witt? Sie scheinen am deutschen Wesen besonderen Gefallen zu finden.

Ja. Steffi Graf ist auch wunderbar, und ich finde, dass man in Deutschland umweltbewusster und naturverbundener ist als bei uns. Kürzlich habe ich nahe Berlin viele Windräder gesehen. In Frankreich hat man Angst vor solchen Anlagen.

Haben Sie auch schon den deutschen Papst Benedikt XVI. getroffen?

Nein, ich war 2005 im Vatikan zu einem Benefizkonzert eingeladen, konnte aber nicht kommen, weil ich zur gleichen Zeit im Pariser "Olympia" auftrat. Bei Papst Johannes Paul II. war ich dreimal, einmal zur Privataudienz mit Monique und meiner Mutter. Ich bin eine gläubige Katholikin, aber nicht praktizierend. Ich habe Freunde aus allen Religionen, ich liebe sie alle.

Sie waren die erste westliche Sängerin, die in China auftrat. Haben Sie noch Reisepläne?

Viele. Ich zeichne zurzeit eine TV-Show in Deutschland auf, danach in Rom, Moskau, Kasachstan und wieder mal in China. Ich liebe das Land, und die Leute wissen das. Sie sehen sich gerne meine Füße an, Füße sind wichtig in China.

Sie haben Schuhgröße 33 ...

...und bin 1 Meter 53 groß. Mais oui, ich bin eine Kleine.

Ihr ganzes Leben sangen Sie über die Liebe. Waren Sie selbst auch mal richtig verliebt?

Aber natürlich. Und zum Glück! Schließlich kann kein Mensch ohne die Liebe leben.

Wie haben Sie Weihnachten verbracht?

Bei meiner Mutter in Avignon, mit meinen 13 Geschwistern. Es waren alles in allem gut 40 Familienmitglieder.

Interview: Tilman Müller / print