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Was macht eigentlich...: ...Anthony Delon?

Der Sohn des berühmten Schauspielerpaars Nathalie und Alain Delon wurde in jungen Jahren mit kleineren Filmrollen bekannt, für Schlagzeilen sorgte er aber eher mit seinen Affären.

Monsieur Delon, haben Sie heute eigentlich schon meditiert?

Nein, warum?

In Ihrem Blog schreiben Sie, dass der Buddhismus Ihnen den inneren Frieden gegeben hätte. Und da viele Buddhisten gern meditieren ...

Man muss als Buddhist doch nicht unbedingt meditieren. Hauptsache, man versteht, worum es bei dieser Religion wirklich geht, und verinnerlicht die wichtigsten Regeln. Zum Beispiel, dass wir alleine nichts sind und nur zusammen mit anderen existieren können.

Ihren ersten großen Erfolg als Schauspieler hatten Sie 1987 in "Chronik eines angekündigten Todes" an der Seite von Rupert Everett und Ornella Muti. Danach war es länger still um den Schauspieler Anthony Delon.

Ich war mir einfach nicht sicher, ob ich das wirklich werden wollte.

Und obwohl Sie damit rechnen mussten, immer mit Ihrem Vater Alain verglichen zu werden, haben Sie sich doch für den Beruf entschieden.

Am Anfang sicher aus den falschen Gründen. In meinem zweiten Film "La femme fardée" spielte ich nur, weil mein Agent das wollte. Ich führte damals ein wildes Leben, ging viel aus, war nicht ernsthaft bei der Sache. Der Film wurde dann auch nicht sehr gut. Danach wurde ich von allen Kritikern, die mich noch für "Chronik eines angekündigten Todes" über den grünen Klee gelobt hatten, verrissen.

Schwer für einen jungen Schauspieler?

Heute weiß ich, dass sie recht hatten - aber damals war ich unglaublich verletzt. Also beschloss ich, es ihnen zu zeigen, und kniete mich in die Arbeit. Es dauerte allerdings Jahre, bis ich mir ganz sicher war, dass die Schauspielerei das Richtige für mich ist.

Heute spielen Sie vor allem in Fernsehproduktionen. Glücklich in dem Beruf?

Absolut. Ich bin aber auch froh, wenn ich mal gar nicht arbeiten muss.

Sie arbeiten viel in Frankreich, sind derzeit in Paris, leben aber in Kalifornien. Weil Sie Frankreich nach wie vor für ein zu kleines und engstirniges Land halten?

Habe ich das auch in meinem Blog geschrieben? Ich bin vor allem wegen meiner Kinder nach Kalifornien gezogen. Ich wollte, dass sie mit einer weiteren Kultur aufwachsen. Außerdem hatte meine kleinere Tochter in Paris wegen des Smogs ständig mit Husten zu kämpfen.

Von französischen Frauen fühlen Sie sich aber schon angezogen. Da war die Rede von Romanzen mit ...

Alles nur Episoden. Das sollte doch erlaubt sein. Nein, ich habe vor dem Umzug in die USA die Mutter meiner Töchter geheiratet. Sie ist auch Französin.

Mögen Sie Amerikanerinnen nicht?

Die sind eigenartig. Das Äußere ist oft perfekt, weil sie sehr viel dafür tun. Aber sie sind wenig entspannt und bei Weitem nicht so offen und sinnlich wie Europäerinnen.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Ex-Freundin, Stéphanie von Monaco?

Nein, ich weiß nicht einmal, was sie macht.

Ihr Vater Alain sorgte in letzter Zeit für Schlagzeilen, weil er unter Erschöpfung leiden soll.

Wir sehen uns nicht allzu oft, da wir auf verschiedenen Kontinenten leben. Aber seit er wieder arbeitet, geht es ihm auch besser.

Welchen Traum würden Sie sich gern erfüllen?

Ich möchte in Paris mein eigenes Theater haben. Sicher, ich habe eine nette Familie, aber meine Töchter sind noch klein, und ihre Erziehung ist noch lange nicht abgeschlossen. Ob man wirklich was im Leben erreicht hat, kann man doch erst am Ende seiner Tage sagen.

Interview: Juliane Lutz

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