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WAS MACHT EIGENTLICH ... Bernd Fritz


Der Frankfurter Journalist verblüffte in der ZDF-Show »Wetten, dass...?« Millionen von Fernsehzuschauern, weil er angeblich Buntstiftfarben am Geschmack erkennen konnte.

Der Frankfurter Journalist verblüffte in der ZDF-Show Wetten, dass...? Millionen von Fernsehzuschauern, weil er angeblich Buntstiftfarben am Geschmack erkennen konnte.

Zur Person:

Bernd Fritz, 56, in seiner Frankfurter Wohnung. Der Single und Vater von zwei Kindern arbeitet heute als freier Journalist unter anderem für die »FAZ« und den »Feinschmecker. Am 3. September 1988 war Bernd Fritz Kandidat bei «Wetten, dass...?» mit seiner inzwischen legendären Buntstift-Wette. Der Wettkandidat gab an, er könne mit verbundenen Augen die Farbe von Buntstiften an ihrem Geschmack erkennen. Noch in der Show gab sich Fritz als Chefredakteur des Satiremagazins «Titanic» zu erkennen und verriet später seinen Lesern den Trick: Die Brille saß schief genug, um alle Farben sehen zu können.

Wie kamen Sie auf diese verrückte Idee mit den Stiften?

Ich war damals noch Chefredakteur der »Titanic«. Die Buntstift-Idee kam von unserem Leser Thomas Rautenberg, einem Münchner Grafiker. Der hatte beruflich ständig mit bunten Stiften zu tun. Aquarellstifte leckt man an, um die Farben flüssig zu machen. Er reichte die Wette beim ZDF ein und bekam umgehend ein hochinteressiertes Fax vom Sender. Das allein war schon eine Geschichte für uns. In der Redaktion haben wir den Spaß dann weiterentwickelt, und ich fuhr als Thomas Rautenberg zum Test nach Mainz. Humortheoretisch eine klassisch-klasse Eulenspiegelei.

Und da haben Sie gezeigt, dass man Buntstiftfarben mit der Zunge erkennt...

Ich dachte, bei so einem Laden wie dem ZDF sitzen drei Experten, die mich in die Mangel nehmen. Aber es waren nur zwei herzlich-nette Redakteurinnen da, die weder Buntstifte noch Augenklappen parat hatten. Ich schlug vor, mir die Augen mit einem Geschirrhandtuch aus der ZDF-Kantine zu verbinden. Da konnte ich natürlich drunterweggucken. Ich habe dann noch ein bisschen was aus dem Chemieunterricht meiner Schulzeit geplaudert und erzählt, dass ich wie die Wasserschmecker keine scharfen Gerichte esse, strikt auf Cayennepfeffer verzichte und so weiter. Die Damen waren hin und weg: Ich bestand den Test und war in der Sendung dabei.

Und keiner hat geprüft, ob Sie wirklich Thomas Rautenberg sind?

Das hat niemanden interessiert. Wir haben für Rautenberg natürlich ein Briefkastenschild in Frankfurt installiert und ihm als Telefonanschluss die zweite Nummer der »Titanic«-Redaktion verpasst.

Wie lief die Wette im Studio ab?

Ich war vor allem nervös, weil mich einer der 100 Mitarbeiter der Show hätte erkennen können. Ich hatte in Mainz Romanistik studiert und lebte in Frankfurt - und die Sendung kam aus Stuttgart. Mit Rheumasalbe hatte ich mir zusätzlich die Nase rot gemacht: Falls der Schwindel schon in der Generalprobe aufgeflogen wäre, hätte ich mich auf schweren Schnupfen berufen können: Wer nicht riecht, kann auch nicht schmecken. Aber es kam anders. Die zugeklebte Taucherbrille konnte ich schief auf die Nase rücken, und das ZDF hatte Stifte besorgt, die sogar mit exakten Namen der Farbnuancen beschriftet waren.

Noch in der Sendung haben Sie sich enttarnt. Wie hat Gottschalk reagiert?

Der hat gleich am Sonntag in der Redaktion angerufen und gratuliert. Er war alter »Titanic«-Leser. Das ZDF dagegen war echt pikiert, ich galt da lange als »Betrüger«. Erst letztes Jahr wurde ich zum »Schummler« begnadigt. Hätte ich betrügen wollen, hätte ich den Mund gehalten, wäre Wettkönig geworden und mit 10 000 Mark nach Hause gefahren.

Was machen Sie heute?

Ich bin Vertragsautor bei der »FAZ« und Kolumnist im »Feinschmecker«, wo ich unsinnige Haushaltsgeräte vorstelle. Ich habe aber auch ein ernstes Thema: Trennungs- und Scheidungskinder. Ansonsten komme ich in der Welt herum, vermehre mein Wissen und beschreibe, was ich für mitteilenswert halte - ob über Wein, Schinken, Erfindermessen oder die Insel Borneo.

Malen Sie hin und wieder mit Buntstiften?

Ich habe immer noch den feinen Kasten, den Faber-Castell mir nach der Sendung geschenkt hat. Unbenutzt. Ich hatte mir Papier gekauft, wollte ein bisschen malen und zeichnen - aber bis heute bin ich nicht dazu gekommen.

Interview: Karolin Leyendecker

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