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Was macht eigentlich...: Albert Uderzo

Mit rund 300 Millionen verkauften Bänden von Asterix und Obelix, übersetzt in mehr als 40 Sprachen, ist er der erfolgreichste lebende Comic-Zeichner der Welt

Zur Person:

Albert Aléandro Uderzo, 77, Sohn eines italienischen Geigenbauers, lebt mit Frau Ada Milani vor den Toren der französischen Hauptstadt; Tochter Sylvie führt den väterlichen Verlag. Uderzo, gelernter Schreiner, begann mit 17 Comics zu zeichnen; dass er farbenblind ist, war kein Handicap. 1947 arbeitete er zunächst als Pressezeichner, lernte Anfang der 50er Jahre dann den Comic-Autor René Goscinny kennen. "Asterix" erschien erstmals vor 45 Jahren; 1977 starb Goscinny. Seitdem veröffentlicht Uderzo weitere "Asterix"-Bände in Eigenregie. Am kommenden Wochenende wird er in Erlangen mit dem bedeutendsten deutschen Comic-Preis geehrt.

Das Interview mit Albert Uderzo führte Christoph Wirtz

Sagen Sie mal, Monsieur Uderzo, wer wird eigentlich dieses Jahr Formel-1-Weltmeister?

Ich bitte Sie! Was für eine Frage! Das weiß doch jeder...

Also?

Schumacher natürlich. Der Mann ist der Allergrößte. Ich bin befreundet mit seinem Teamchef Jean Todt. Mit dem habe ich gewettet: Michael wird achtmal Weltmeister. Das steht fest.

Müssen Sie das sagen, weil Sie Mitglied im Ferrari-Club sind?

Ich war sogar mal Präsident. Aber unabhängig davon: Schumacher ist Supermann!

Als Bewohner Ihres kleinen gallischen Dorfes wäre er deshalb keine gute Besetzung. Zu kühl, zu perfekt...

... aber ein unbesiegter Held. Er hat einen ausgeprägten Kampfeswillen. Und das Wichtigste ist seine Haltung: Gewinnt er, war es das Team. Wenn er verliert, war er es selber schuld. Das hat Klasse.

Wie viele Ferraris besitzen Sie eigentlich?

Das verrate ich Ihnen nur, weil Sie nicht für eine französische Zeitung schreiben; hier gäbe es sofort Neid. Es sind fünf. Der sechste kommt dieser Tage. Für mehr habe ich keinen Platz.

Und wie viele haben Sie bislang zu Schrott gefahren?

O je. Einer ist total verbrannt. Und in Imola habe ich mal einen Prototypen zerlegt. Dazwischen waren noch ein paar...

Gut, dass Asterix Sie zu einem der reichsten Franzosen gemacht hat. Wann kommt der nächste Band?

Ich hoffe, im nächsten Jahr. Der Plot ist noch nicht ganz fertig; im Moment sitze ich etwas in der Falle meiner Handlung.

Sie wollen uns doch sicher etwas zur Handlung verraten.

Aber natürlich. Mit dem allergrößten Vergnügen... Nicht mal meine engsten Mitarbeiter sind eingeweiht.

Kein Wort?

Nein. Nie.

Seit Goscinny tot ist, wurden Sie immer wieder für Ihre Hefte kritisiert...

Bis heute! Als René starb, schrieben die Zeitungen "Asterix ist tot". Von mir sprach niemand. Ich habe mich dann dafür entschieden, allein weiterzuarbeiten. Asterix sollte nicht sterben, und ich habe bei zu vielen Kollegen erlebt, wie katastrophal eine Neubesetzung sein kann.

Und doch heißt es: weniger Witz, weniger Esprit. Sind Sie sicher, dass Goscinny über Ihre Einfälle lachen würde?

Fragen Sie ihn! Wir haben so lange zusammengearbeitet, ich kenne seine Technik. Und der Erfolg hält ja auch an.

Haben Ihre Enkel Asterix mittlerweile satt?

Ich hoffe doch nicht. Obwohl der Kleinste lieber selber malt...

Sie hatten eigentlich nie Lust, über Ihr Erfolgsrezept nachzudenken.

Ja, nicht die geringste. Wichtig ist nur, dass es funktioniert. Warum, ist mir egal. Es ist eben ein Geheimnis.

Genau wie der Name des gallischen Dorfes.

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie es heißt. Keiner weiß das. Sicher ist nur, dass es in der Bretagne liegt.

Warum ausgerechnet da?

Weil das außer Paris die einzige französische Region war, die ich vor 45 Jahren kannte, und René ein Dorf am Meer haben wollte.

Sie haben Asterix damals als europäischen Gegenentwurf zu den amerikanischen Superhelden konstruiert. Die Idee ist so aktuell wie nie!

In einer ganz besonderen Form könnte das der Inhalt meines nächsten Buches sein...

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