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Was macht eigentlich...: Gina Lollobrigida

Mit drei Jahren wurde sie zum schönsten Kleinkind Italiens gekürt, später zur Gina Nazionale - eine der beliebtesten und bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt

Zur Person:

Gina Lollobrigida in der Gießerei des Künstlerstädtchens Pietrasanta, wo die 77-Jährige an ihren Skulpturen arbeitet. Die Tochter eines Möbelherstellers aus den Abruzzen fing neben frühen Erfolgen bei Schönheitswettbewerben 1947 mit dem Filmen an, mehr als 60 wurden es schließlich - wie 1952 in "Fanfan, der Husar" (Foto unten) oder 1956 in "Der Glöckner von Notre Dame", ihre vielleicht beste Rolle. Als die Ära der Busenwunder zu Ende ging, begann sie mit dem Fotografieren und erzielte Erfolge mit Porträts von Politikern, Sportlern oder Schauspielern. 1990 entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Bildhauerei, 1992 stellte sie auf der Weltausstellung in Sevilla ein umstrittenes Werk vor. Aus ihrer geschiedenen Ehe mit dem Arzt Milko Skofic hat sie einen Sohn

Das Interview mit Gina Lollobrigida führte Luisa Brandl

Signora Lollobrigida, Sie hatten gerade Geburtstag. Wie war das Fest?

Ich habe mit Freunden im kleinen Kreis gefeiert. Aber lassen Sie uns um Gottes willen nicht übers Alter reden. Ich bin froh, dass ich noch am Leben bin.

Kein Interesse mehr an Trubel?

Den Rummel habe ich zu lange mitgemacht! Jetzt meide ich ihn. Deshalb bin ich so gern in Pietrasanta in der Toskana. Hier gibt es keine Society, da kann ich so sein, wie ich bin.

Wie verbringen Sie Ihren Tag?

Ich stehe um sechs Uhr auf, fange um acht an zu arbeiten und meistens bin ich die Letzte, die das Atelier verlässt. Abends bin ich todmüde, denn ich arbeite immer im Stehen. Ich lebe allein, gehe selbst einkaufen, koche, aber nichts Aufwendiges. Meine Leibgerichte gehen schnell: Salate und Obst.

Sie arbeiten gerade an der Esmeralda aus "Der Glöckner von Notre Dame". Warum diese Figur?

Weil der Film ein wichtiger Teil meines Lebens ist. Ich habe auch eine Skulptur der "Königin von Saba" gemacht, die ich mal gespielt habe. Manche mögen darin eine Vergangenheitsbewältigung sehen.

Oder Wehmut nach dem Set?

Nein, im Gegenteil. Mein ursprüngliches Talent ist die Malerei und die Bildhauerei. Zum Film bin ich rein zufällig gekommen.

Ihre Leidenschaft zur Bildhauerei haben Sie reichlich spät entdeckt.

Stimmt. Ich habe 1990 Unterricht bei dem berühmten Bildhauer Giacomo Manzù genommen - gemalt habe ich schon vor dem Filmemachen. Meine erste Zeichnung wurde in "Mickey Mouse" veröffentlicht, als ich zehn war. Nach dem Krieg habe ich GIs porträtiert, um die Familie zu unterstützen.

Ist Ihre Bekanntheit ein Vorteil oder ein Hindernis für Ihre Karriere als Bildhauerin?

Am Anfang war's hart, weil es die Kritiker provoziert hat, dass eine Schauspielerin es wagt, sich in der Bildhauerei auszudrücken. Die Rezensionen waren schlecht, aber viele der Kritiker hatten meine Skulpturen noch nicht einmal angesehen.

War es nicht eine ziemliche Genugtuung, als Sie den wichtigsten französischen Kunstpreis, den "Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres", bekamen?

Ja. Und die Ausstellung in Paris, bei der auch meine Fotos gezeigt wurden, war tatsächlich ein großer Erfolg, wurde sogar verlängert. Am Wochenende kamen täglich 6000 Besucher, wochentags 4000. Das ist mehr, als ich je zu träumen wagte.

In Moskau haben Sie dann zum ersten Mal allein Ihre Skulpturen gezeigt.

Die Ausstellung habe ich selbst organisiert. Ich wollte unbedingt dorthin, denn in Russland hat man Respekt vor der Kunst. Die guten Kritiken haben mir Recht gegeben. Es war der Durchbruch. Meine Werke verkaufen sich mittlerweile. Die Bronzeplastiken sind ja sündhaft teuer, da stecke ich mein ganzes Vermögen aus meiner Leinwandkarriere rein.

Was halten Sie übrigens von Penélope Cruz? Seit sie die Adeline im Remake von "Fanfan, der Husar" gespielt hat, wird sie als neue "Lollo" gefeiert.

Daran glaub ich nicht. Die ist ja ganz süß, aber es lässt sich nun mal nichts wiederholen. Der Film der 50er und 60er Jahre hat uns zum Träumen gebracht. Früher gab's Mythen, große Stars. Wo sind die heute?

Mit Sophia Loren gehören Sie zu den Ikonen des italienischen Films. Wenn Sie sich heute begegnen, was haben Sie sich zu sagen?

Buongiorno! Viel mehr nicht. Uns trennen Welten. Unsere Biografien sind ganz unterschiedlich. Ich habe alle möglichen Kunstrichtungen ausprobiert, Fotografie, Gesang, jetzt Bildhauerei. Ich hab ein erfülltes Leben.

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