WAS MACHT EIGENTLICH... Guido Buchwald

Der 76-malige Nationalspieler war mit dem VfB Stuttgart zweimal Deutscher Meister und gewann 1990 mit der DFB-Auswahl in Italien die Fussball-Weltmeisterschaft.

Der 76-malige Nationalspieler war mit dem VfB Stuttgart zweimal Deutscher Meister und gewann 1990 mit der DFB-Auswahl in Italien die Fussball-Weltmeisterschaft.

Zur Person:

Der 40-Jährige lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Walddorfhäslach bei Reutlingen. Der gelernte Elektriker begann seine Karriere 1978 bei den Stuttgarter Kickers. Nach seiner Bundesligazeit beim VfB Stuttgart von 1983 bis 1994 wechselte er für drei Jahre in die japanische J-League zu Urawa Red Diamonds und beendete seine aktive Laufbahn 1999 beim Karlsruher SC. Buchwald spielte 76-mal für die Nationalelf

Sind Sie fußballmüde?

Nein.Wie kommen Sie darauf?

Weil Sie nur noch in Teilzeit den Drittliga-Club Stuttgarter Kickers beraten. Und der große Fußball ohne Sie stattfindet.

Die Kickers sind mein Heimatverein, bei denen schaue ich alle paar Tage vorbei, bis Juni war ich noch beim KSC Sportdirektor. Ich bin keiner, der sich nach einem Abstieg aus dem Staub macht. Aber als ich den Verein aus der Regionalliga wieder nach oben geführt hatte, konnte ich beruhigt aufhören. Jetzt will ich ein, zwei Jahre Luft holen und mehr Zeit für meine Familie haben. Die Bundesliga würde mich eines Tages natürlich schon reizen. Den Trainerschein habe ich ja.

Wovon leben Sie denn zurzeit?

Ich bin Miteigentümer einer Firma für Bürokommunikation. Und mir gehört eine Tennishalle. Als ich noch aktiv war, hätte ich gesagt: Ich bin jetzt in der Regeneration.

Am Sonnabend ist die Auslosung für die WM 2002. Sie waren mehr als drei Jahre bei einem Verein in Tokio unter Vertrag - dürfen wir uns auf das Turnier in Japan und Südkorea freuen?

Als alter Japaner hoffe ich natürlich, dass die Deutschen nach Japan gelost werden. Ich könnte unsere Spiele sehen und an freien Tagen Freunde besuchen. Die Gegner der Deutschen sind nicht so wichtig. Wir können jeden schlagen.

Wie bitte?

Als wir 1994 im Viertelfinale gegen Bulgarien ausgeschieden sind, waren wir die bessere Mannschaft. Aber wir hatten es nicht verdient zu gewinnen. Die Charaktere haben nicht gepasst. Ich habe nach dem Ukraine-Spiel in Dortmund den Eindruck, bei dieser Elf stimmt es.

Warum sind Sie da so optimistisch?

Wegen Rudi Völler. Der hat ein Gefühl für Typen: wer zusammenpasst, wer nicht.

Völler und Sie standen in dem Team, das 1990 im Finale Argentinien 1:0 besiegte. Fügten sich die Typen damals so gut zusammen?

Man muss sich das vorstellen: 22 Spieler hängen sechs, acht Wochen lang den ganzen Tag aufeinander. Wenn man sich da auf die Nerven geht, ist das Turnier gelaufen. Aber wenn die Mannschaft intakt ist, kann man Berge versetzen. Auch 1989 hatten wir in der Qualifikation riesige Probleme. Das 4:1 am Anfang gegen Jugoslawien hat uns dann durch die ganze WM getragen.

Im Achtelfinale gegen Holland dribbelten Sie sich in die Herzen der Zuschauer: Ein leichtfüßiger Übersteiger-Trick, die flache Flanke, und Stürmer Jürgen Klinsmann machte das 1:0. Die Fans nannten Sie danach Diego, riefen: »Fußball-Gott«.

Ach, Gott. Wenn man Selbstvertrauen hat, klappt eben alles. Übrigens nennen mich die Leute heute noch manchmal Diego.

Dabei hatte man Sie lange belächelt: Weil Ihre wuchtige Spielweise die berüchtigten deutschen Tugenden verkörperte...

Was soll daran schlimm sein? Unsere Stärken waren schon immer Kampfgeist, Zielstrebigkeit, Siegeswille. Da macht uns Deutschen keiner etwas vor. In der Relegation hat das die Ukraine so eingeschüchtert, dass wir überhaupt keine Probleme hatten.

Aber Fans wollen eleganten Fußball sehen.

Auch die Jungs heute haben genug drauf, die können viel mehr als nur kämpfen. Aber damit man sich im Angriff etwas Besonderes zutraut, muss man den Kameraden blind vertrauen können. Der Littbarski ist früher für mich nach hinten gewetzt, wenn ich nach vorne gestiefelt bin. Und wenn so etwas funktioniert, macht auch ein Buchwald den Übersteiger.

Interview: Rüdiger Barth


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