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Was macht eigentlich...: Horst Köhler

Unter dem Künstlernamen Guildo Horn stellte er mit seiner Band "Die Orthopädischen Strümpfe" die Schlager-Welt auf den Kopf. Beim Grand Prix landete er 1998 auf dem siebten Platz

Zur Person:

Der 1963 in Trier geborene Köhler hatte als Musiktherapeut mit geistig Behinderten gearbeitet, ehe er 1991 seinen "Kreuzzug der Zärtlichkeit" startete. 1998 wurde sein Lied "Guildo hat Euch lieb!" in der größten Telefonaktion Deutschlands zum Grand Prix d'Eurovision in Birmingham nominiert. Er erhielt einen "Bambi" und einen "Echo". Mit seiner Lebensgefährtin Tanja de Wendt lebt Köhler in der Nähe von Köln.

Das Interview mit Horst Köhler führte Christoph Wirtz

Herr Köhler, heute wird der neunte deutsche Bundespräsident vereidigt. Der Falsche?

So sieht's aus!

Ein schwarzer Tag für Sie?

Ja, aber nur ein kleiner schwarzer Tag für mich. Ein großer schwarzer Tag für die Menschheit.

Dabei hatten Sie sich nach der Nominierung so intensiv vorbereitet. Was wird jetzt aus Ihrem Kompetenzteam, das Sie in Anlehnung an Stoibers Kanzlerkan-didatur 2002 eigens gegründet hatten?

Weiß ich noch nicht, bis vergangenen Mittwoch hatte ich das Kompetenzteam ja an Rudi Völler nach Portugal ausgeliehen. Es tut natürlich etwas weh, nicht Bundespräsident geworden zu sein, aber so komme ich wenigstens um mein voreiliges Wahlversprechen herum, bei Erfolg Frau Merkel hin und wieder frisurtechnisch zu doubeln.

Was raten Sie dem Bundespräsidenten?

Um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, sollte er sich stets adrett kleiden, und zur Not darf er sich auch nicht zu schade sein, in so ein Camp zu gehen, wo nicht so bekannte Prominente an Insekten rumknabbern, um bekannter zu werden. Außerdem sollte er sich, meinem und Hans Eichels Beispiel folgend, einen "Bild"-kompatiblen Künstlernamen organisieren.

Herr Horn: Warum haben Sie sich eigentlich schon früh ein Pseudonym zugelegt? Als Horst Köhler kann man doch offenbar ganz ordentlich Karriere machen.

Ich wollte stets vermeiden, dass in den Gazetten irgendwann mal steht: "Horst wer?"

Die "Bild"-Schlagzeile vom Frühjahr hat Sie gekränkt?

Ach nein. Durch mein ständiges Leben in der Welt der Orthopädischen Strümpfe und Nierenschutz-Katzendeckchen hatte ich selbst meinen bürgerlichen Namen fast vergessen. Nun! Ihre Kollegen von "Bild" haben mich gottlob wieder an meine Wurzeln erinnert. Dafür ein Dankeschön!

Für den Fall, dass Sie nicht Bundespräsident würden, hatten Sie angekündigt, Ronald Schill folgen zu wollen und nach Uruguay auszuwandern. Was ist jetzt mit Ihrer politischen Glaubwürdigkeit?

Okay, das habe ich damals in der ersten Aufregung angekündigt, aber ich kann und darf Deutschland jetzt nicht alleine lassen: das Kompetenzteam ausgeschieden, der falsche Horst Köhler im Bundespräsidentenamt. Die Zeichen stehen auf Sturm, und die Mitbürgerinnen und Mitbürger brauchen mich als Fels in der Brandung, als letzte Bastion der Aufrichtigkeit, als Kap Horn der guten Hoffnung. Außerdem: So viel Konsequenz verträgt unsere Politik zurzeit nicht.

Hoffen Sie denn darauf, dass Köhler vorzeitig abgibt und Sie doch noch zum Zuge kommen?

Ein Mann, ein Wort. Ich bin bereit, mental trage ich die 10 auf dem Rücken, ein klassischer Spielgestalter eben. Und auch ein Knipser, der stets in der Lage ist, den tödlichen Pass zu spielen.

Wenn es Ihr Terminkalender denn zulässt. Demnächst geben Sie bei den Antikenfestspielen in Trier den König Menelaos. Einen alten, gehörnten Sack ...

Ja, aber einen alten gehörnten Sack, der in die griechische Mythologie eingegangen ist. Die Rolle ist mir auf den Leib geschneidert.

Letzte Fragen: Wie hoch ist Ihr Nusseckenkonsum gegenwärtig? Und was macht der Schlager?

Zwei bis fünf Ecken am Tag - oral oder wahlweise subkutan verabreicht. Und der Schlager lebt! Er hat ja gegenüber der Politik einen entscheidenden Vorteil: Er ist nachvollziehbar.

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