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Was macht eigentlich...: Lukas Resetarits?

Der österreichische Kabarettist erreichte mit der Rolle des verrückt-anarchischen Fernsehkommissars Major Kottan in den Achtzigern Kultstatus

Das Interview führte Markus Grill

Vor zwanzig Jahren waren Sie als Kottan Kult. Wie gefällt Ihnen Fernsehen heute?

Es ist gruslig, das Niveau unterirdisch. Stellenweise ist es so blöd, dass selbst das verblödete Publikum wegbricht - eine Entwicklung, die ich sehr begrüße. Die Frage ist nur, wer die Qualität wieder aufbaut, wenn alles zerstört ist?

Das klingt so, als ob der alte Held sagt: "Früher war alles besser."

Na ja, es gibt zwei, drei Sachen, wo ich beim Zappen hängen bleib: "Die Simpsons", "Malcolm mittendrin" und "Harald Schmidt". Die Formate werden aber immer ähnlicher, die Infantilisierung ist wirklich global. In Deutschland heißt's vielleicht "Bei Beckmann", in Österreich "Bei Stöckl" und in Albanien "Bei Gülgül". Die Schreibtische kommen alle von einer Schreinerei, die Mikrofone von einem Versandhandel.

Bei "Kottan" wurde Fernsehen im Fernsehen verarscht. Einmal gab's die Einblendung: "Ufo in Duisburg gelandet! Anschließend Sondersendung!"

Die Europäische Fernsehunion hat das danach für alle Zukunft verboten. Es klingt ein wenig eitel, aber ich schau mir grad mit großem Vergnügen am Sonntagnachmittag auf 3sat die Wiederholungen an. "Kottan" steht immer noch wie ein Obelisk - auch wenn die Bilder ein wenig dunkel sind. Aber damals gab's eben noch Schatten im Fernsehen. Heute sind ja selbst die Achselhöhlen ausgeleuchtet.

"Kottan" wirkte ziemlich anarchistisch ...

Heute herrscht Fantasie- und Mutlosigkeit. Wer einen TV-Film produziert, muss in Vorgesprächen alles bis ins Kleinste erklären. Damals ließ man irgendwelche Wahnsinnigen halt mal fuhrwerken.

So richtig wahnsinnig ist heute allenfalls noch Helge Schneider.

Einer meiner großen Heroen, seine Filme sind für mich Evangelien. Man kann diesen vermeintlichen Nonsens ja nur machen, wenn man sehr gescheit ist.

Haben Sie mal an eine Neuauflage von "Kottan" gedacht?

Wie sollte das aussehen, ohne als Aufguss zu wirken? Ich hab das schon manchmal überlegt, aber man darf den Mythos nicht schänden. Sollte sich irgendwann eine Konstellation mit den richtigen Leuten ergeben, wär's schön.

Eigentlich dachte ich, dass Sie viel genervter auf das Thema "Kottan" reagieren, weil Sie wohl mehr danach gefragt werden als nach ihrem Erfolg als Kabarettist.

Das Genervtsein hab ich hinter mir. Nach dem Hype hatte ich große Mühe, meine Rolle als Kabarettist nicht mit Kottan zu vermischen. Wirtschaftlich gesehen, war das vermutlich ein Schaden. Ich hab sogar in meine Verträge schreiben lassen, dass auf den Plakaten nirgends der Name "Kottan" auftauchen darf.

Kabarett - das ist doch von vorgestern.

Keineswegs, es darf nur nicht so humorlos wie bei den 68ern sein. Ich handle alles ab, was mir auf die Nerven geht, was mich einschränkt oder aufregt. Insofern ist es auch politisch, selbst das Private ist ja politisch. So hab ich Studien in Einkaufszentren gemacht und die traurigen Menschen beobachtet, die dort rumschlurfen.

Was machen Sie noch in Ihrer freien Zeit?

Vor sechs Jahren hab ich den Hubschrauberschein gemacht; eigentlich wollte ich schon mit 16 Pilot werden. Damals gab's aber den Trend, Menschen schon nach der Geburt bei 0,3 Dioptrien Brillen zu verpassen. Ich bin mit meiner Brille zu Austrian Airlines gekommen und wusste nicht, dass das so war, als würde ich mich im Rollstuhl bewerben.

Markus Grill / print