HOME

Was macht eigentlich...: Marusha

Sie war in den späten 90ern der bekannteste DJ der Republik, gehörte zu den Stars der loveparade. Mit "Somewhere Over The Rainbow" war sie selbst ganz oben in den Charts

Zur Person:

Marusha Aphrodite Gleiss, 37, lebt mit ihrem Freund in Berlin. Geboren in Nürnberg, wuchs sie bis zu ihrer Einschulung in Griechenland auf, dem Heimatland ihrer Mutter. Marusha lernte Industriekauffrau, arbeitete aber zunächst in London in der Zahnarztpraxis ihres Onkels, später als Schuhverkäuferin in Nürnberg. Dort gründete sie 1989 den ersten Techno-Club der Stadt. 1994 gelang ihr der Durchbruch mit "Somewhere Over The Rainbow", einer Techno-Version des Judy-Garland-Klassikers aus dem Film-Musical "Wizard of Oz". Seit zehn Jahren moderiert Marusha jeden Samstag von 20 bis 22 Uhr bei Radio Fritz in Berlin

Das Interview mit Marusha führte Alexander Kühn

Ich hätte Sie fast nicht erkannt.

Warum?

Wegen der Augenbrauen. Die sind gar nicht mehr grün.

Schon seit 1998 nicht mehr. Da spielte ich in dem Film "Planet Alex" eine Asiatin und habe mir die Haare schwarz gefärbt. Dazu sehen grüne Augenbrauen einfach nicht gut aus.

Sie hatten nie mehr einen solchen Hit wie "Somewhere Over The Rainbow". Warum haben Sie nicht mehr Musical-Melodien durch den elektronischen Wolf gedreht?

Heute Judy Garland, morgen "West Side Story", vielleicht noch "Singin' In The Rain" - nicht mit mir. Ich hab das damals gemacht, weil ich das Lied toll finde. Und ich war nicht die Einzige: Es dauerte nicht lange, da gab es die ersten Cover-Versionen von meiner Cover-Version.

Sie haben ein neues Album rausgebracht, ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das stimmt nicht, die Szene weiß Bescheid. Ich habe seit zwei Jahren meine eigene kleine unabhängige Plattenfirma. Wir können nicht mit Geld um uns werfen. Wir sind keine Großbäckerei, dafür wird bei uns jedes Brötchen mit Liebe geknetet. Ich habe bereits 3,5 Millionen Platten verkauft - wenn von der neuen CD nur 6000 übern Tresen gehen, bin ich auch glücklich.

Setzen Sie sich mal zu Kerner oder Beckmann, dann verkaufen Sie das Fünffache - ohne Werbekosten.

Ich muss mein Gesicht nicht überall reinpressen. Ich bin bei "Zimmer frei!" eingeladen, darauf freue ich mich. Das ist eine tolle Sendung, und auf Christine Westermann fahre ich total ab.

Sie sind, mit Verlaub, auch schon jenseits der 30. Ist die Techno-Queen jetzt die Queen Mum der Jugendbewegung?

Alte Menschen finde ich toll, die haben viel erlebt - aber als Oma fühle ich mich noch nicht! Ich bin bei meiner Großmutter in Griechenland aufgewachsen, sie war meine erste Bezugsperson. Sie war 70, ich war drei. Großmutter ist 98 Jahre alt geworden, verglichen mit ihr bin ich ein Teenager.

In Deutschland wird es dieses Jahr keine Loveparade geben. Traurig?

Es tut mir natürlich leid für die Leute, die gern hingegangen wären. Mir ist das egal. Dieses Theater von den Veranstaltern war unnötig. Wenn die Umsatz machen, können sie sich auch an den Kosten beteiligen. Es gibt gar keinen Grund, warum die Stadt für alles aufkommen sollte.

Harte Worte. Und das von Ihnen, einer der Ikonen der Parade.

Uns ging es damals um Ideale. Die Loveparade, die war erfrischend, die war revolutionär. So ist es schon lange nicht mehr. Heute geht es nur noch ums Geld.

Sie bereiten sich gerade auf die Olympischen Sommerspiele vor.

Nur musikalisch. Gemeinsam mit einem Schweizer Komponisten und einem englischen Texter habe ich eine Hymne geschrieben. Der Text ist halb englisch, halb deutsch, einige Passagen werden von einem Berliner Chor gesungen. Es ist eine Verbindung zwischen Breakbeats und klassischen Motiven. Wir werden das jetzt mehreren Fernsehsendern anbieten - es wäre ein toller Trailer.

Fahren Sie immer noch nach London, um Platten zu kaufen?

Längst nicht mehr. Durch die Euro-Umstellung sind die so teuer geworden. Wenn ich in London bin, kaufe ich Tampons.

Weil es in Deutschland keine gibt?

Weil die einfach die besten sind. Die haben so eine schicke Plastikhülse und sind sehr praktisch zu handeln. Tampax Compak heißen die. Grüße an Schlecker, sollen sie auch mal ins Sortiment nehmen.

print