HOME

was-macht-eigentlich: Doris Papperitz

Sie war die zweite Frau, die DAS AKTUELLE SPORT-STUDIO allein moderieren durfte. Sieben Jahre lang brachte die Westfälin Charme und frischen Wind in den ZDF-Klassiker

Sie war die zweite Frau, die DAS AKTUELLE SPORT-STUDIO allein moderieren durfte. Sieben Jahre lang brachte die Westfälin Charme und frischen Wind in den ZDF-KlassikerZur Person :

Seit fünf Jahren lebt sie mit Ehemann Wolfgang in Spanien. Früher arbeitete die Sportjournalistin für den Westdeutschen Rundfunk, die Deutsche Welle und Sat1. Bekannt wurde Papperitz vor allem durch ihre Arbeit beim ZDF. Zwischen 1984 und 1991 moderierte sie 55 Sendungen des Aktuellen Sport-Studios.

Wer wird Deutscher Meister?

Schalke 04!

Nicht etwa Schalke 05?

Ach, jetzt kommen Sie wieder mit der armen Carmen Thomas! Dieser kleine Versprecher! Carmen Thomas ist eine so hervorragende Journalistin. Es gibt viele männliche Kollegen, die sich noch ganz andere Dinge vor laufender Kamera geleistet haben. Da hat sich kein Mensch drüber aufgeregt.

Sie waren nach Frau Thomas die zweite Frau, die das »Aktuelle Sport-Studio« allein moderieren durfte. Jetzt sind Sie Hausfrau. Waren Sie früher ehrgeiziger?

Mir waren andere Dinge wichtiger als heute. Ich war 41, als mein Sohn Fabian zur Welt kam. Da haben sich die Prioritäten verschoben.

Sind Sie deshalb beim Sport-Studio ausgestiegen?

Auch. Und weil sich das Klima verändert hatte. Ich komme ja sozusagen noch aus der guten alten Zeit, in der Teamarbeit zählte und nicht nur auf die Quote geguckt wurde.

Es soll aber auch atmosphärische Probleme mit dem damaligen Sportstudio-Chef Karl Senne gegeben haben, der Sie angeblich ausbooten wollte.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Ich will keine schmutzige Wäsche waschen. Die Zeiten hatten sich einfach geändert. Wir waren kein gutes Team mehr.

Hätten Sie sich nicht wehren können?

Hätte ich meinen Sohn nicht gehabt, hätte ich vielleicht meine Ellenbogen eingesetzt, aber durch das Kind war mir das Sportstudio nicht mehr so wichtig.

Bereuen Sie diese Entscheidung?

Nein, überhaupt nicht. Ich wollte Fabian aufziehen und sehen, wie er langsam heranwächst. Ich wollte für ihn da sein. Das wäre mit dem Job beim ZDF nicht gegangen.

Sie leben seit 1996 mit der Familie in Marbella. Ist Ihnen der Hausfrauenjob nicht langweilig?

Wieso? Ich habe so viel zu tun. Ich bringe morgens meinen Sohn zum Schulbus, helfe ihm bei den Hausaufgaben, fahre ihn zum Fußball oder zum Karate. Ich lese viel und male wieder.

Die Mutterrolle füllt Sie aus?

Ich lerne viel von Fabian. Zum Beispiel bei den Hausaufgaben: Neulich war Sachkunde und Biologie dran. Jetzt weiß ich, wie der Blutkreislauf funktioniert. Auf Spanisch!

Sie scheinen den Sport nicht zu vermissen.

Er ist nach wie vor wichtig. Ich spiele jeden Tag Golf, Handicap 36. Außerdem schreibe ich ab und zu für ein kleines deutschsprachiges Blättchen über Sport. Aber nur als freie Mitarbeiterin.

Haben es Frauen heute einfacher im Sportjournalismus?

Ja, kein Vergleich zu früher. Sabine Töpperwien, Sabine Hartelt oder Monica Lierhaus sind doch richtig gut. Als ich Mitte der siebziger Jahre im Fernsehen angefangen habe, dachten die Sportler immer, ich sei die Freundin des Kameramanns.

Trotzdem hat das Sport-Studio heute keine Moderatorin.

Das liegt wohl am Leiter der Sendung. Wolf-Dieter Poschmann ist nicht besonders frauenfreundlich.

Braucht er keine Quotenfrau?

Quotenfrauen sind Quatsch. Jeder, der gut ist, soll auf den Sender gehen - egal, ob Männlein oder Weiblein.

Schauen Sie sich in Spanien noch deutsche Sportsendungen an?

»ran« fast immer, Sportstudio selten.

Was gefällt Ihnen an »ran«?

ran hat mir zu viel Werbung. Aber das hat auch sein Gutes: Ich kann zwischendurch in Ruhe Abendessen machen, spülen und die Küche aufräumen.