was-macht-eigentlich Jürgen Mahneke


Der Konzernbetriebsrats-Vorsitzende der Philipp Holzmann AG war vor einem Jahr wesentlich daran beteiligt, die DROHENDE PLEITE des maroden Baukonzerns abzuwenden

Der Konzernbetriebsrats-Vorsitzende der Philipp Holzmann AG war vor einem Jahr wesentlich daran beteiligt, die DROHENDE PLEITE des maroden Baukonzerns abzuwendenZur Person :

NEUE ERNTE - Jürgen Mahneke vor seinem Schrebergartenhäuschen in Frankfurt-Seckbach. Die Kiwis im Korb stammen aus eigenem Anbau. Am 24. November vergangenen Jahres feierte der damals 58-Jährige mit Hessens Ministerpräsident Koch und Gerhard Schröder die Rettung des Holzmann-Konzerns. Mahneke hatte den Kanzler dazu gebracht, den Erhalt des Unternehmens zur Chefsache zu machen

Wie feiern Sie dieses Jahr Weihnachten?

Mit Rehrücken aus dem Spessart. Die Kinder haben sich schon angemeldet. Und Geschenke gibt's auch.

Was denn Schönes?

Ich hab was von einem Trockenrasierer läuten hören

Und was kriegen die Holzmänner?

Erst mal nur die Hälfte ihres früher üblichen Weihnachtsgeldes. Die andere Hälfte wird im April ausgezahlt. Das sieht der Tarifvertrag so vor.

Da kommt ja nicht gerade Freude auf.

Doch, doch, die Stimmung in der Belegschaft ist positiv. Wir haben einen Auftragsbestand von über 15,1 Milliarden Mark. Das war noch nie da. Die Mitarbeiter sind sehr motiviert, weil sie selbst zur Rettung der Arbeitsplätze beitragen können.

Dafür müssen sie aber auch »bluten«...

Ja, wir haben einen Sanierungstarifvertrag. Heißt, die Beschäftigten machen seit 1. Februar unentgeltlich fünf Überstunden pro Woche. Ab Mitte 2002 können die abgefeiert oder ausbezahlt werden. Wenn das Geld dazu da ist.

Die vom Kanzler zugesagten 250 Millionen Mark Staatshilfe sind ja noch nicht mal da.

Tja, weil die Bürokratie der EU-Behörden so schwerfällig ist. Die mussten dort erst einen suchen, der prüft, ob alles rechtens ist oder nicht.

Wie kommt Holzmann so über die Runden?

Eigentlich hätten wir zum 30. November eine Milliarde Mark Schulden tilgen müssen. Die Gläubigerbanken haben uns aber einen neuen Konsortialkredit in Höhe von 500 Millionen Mark gewährt. Doch die 250 Millionen müssen her, wir brauchen das Geld, weil wir bei Großaufträgen auch Bürgschaften abgeben müssen.

Hat sich der Kanzler mit seinem Versprechen zu weit aus dem Fenster gelehnt?

Nein, nein, der hat das schon toll gemacht.

Als Sozi müssen Sie das wohl sagen.

Das hat damit nichts zu tun, aber Kündigungsschreiben unterm Weihnachtsbaum wären katastrophal gewesen. An der drohenden Pleite zudem hingen rund 30000 Arbeitsplätze von den Zulieferbetrieben. Als ich das dem Kanzler klar gemacht habe, ist er hellwach geworden.

Und hat was gesagt?

»Mensch, auch noch mittelständische Betriebe« Und dann wollte er alle Gläubigerbanken nach Berlin bestellen. Das habe ich ihm aber wieder ausgeredet.

Warum?

Na, die hätten doch tausend Ausreden gehabt. Da wäre wahrscheinlich nicht mal die Hälfte gekommen. Deshalb habe ich dem Kanzler vorgeschlagen, lieber selbst nach Frankfurt zu kommen. Das hat er dann ja auch so gemacht.

Ganz schön mächtig, der Betriebsratschef

Nur diplomatisch. Ich versuche immer, die Menschen zu überzeugen. Man kann ja »net mit dem Kopp durch die Wand«.

Trotzdem werden bis Ende 2000 knapp 6000 Beschäftigte den Konzern verlassen haben. Das muss doch in der Seele wehtun.

Tut es auch. Aber diese Menschen sind nicht alle arbeitslos. Rund 2200 sind in einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft untergekommen. Etwa 500 konnten von dort schon wieder in neue Jobs vermittelt werden.

Wie wollen Sie verhindern, dass Missmanagement und Bilanztricksereien Holzmann noch einmal an den Abgrund treiben?

Wir haben jetzt ein sehr starkes Risikomanagement aufgebaut. Neue Aufträge werden von hoch qualifizierten Bau- und Oberbauleitern genau geprüft und nicht, wie früher, nur angenommen, auch wenn die Konditionen miserabel sind.

Dann sind Sie also mit dem neuen Vorstandschef zufrieden?

Ich bin froh, dass wir ihn haben. Sein Bestreben ist auch, dass die Betonarbeiten wieder von unseren eigenen Leuten gemacht und nicht dreimal an Sub, Sub und noch mal Sub vergeben werden. Da zieht auch der Betriebsrat voll mit.

Und wohin zieht es den Chef aller Betriebsräte von Holzmann zum Relaxen?

Na, in meinen Kleingarten nach Seckbach. Da hab ich mir 'ne alte Baubaracke als Gartenhäuschen hingestellt. Und gerade die letzten Kiwis und Nüsse geerntet.

Interview: Regina Weitz


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker