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was-macht-eigentlich: Peter-Michael Diestel

Der Jurist wurde 1990 in einer frei gewählten Regierung letzter Innenminister der DDR. Sein Kauf eines Seegrundstückes mit Villa weit unter dem tatsächlichen Wert beschäftigt die Gericht noch heute

Der Jurist wurde 1990 in einer frei gewählten Regierung letzter Innenminister der DDR. Sein Kauf eines Seegrundstückes mit Villa weit unter dem tatsächlichen Wert beschäftigt die Gericht noch heute STERN: Sie waren Innenminister der DDR, Fraktionschef der CDU in Brandenburg und Präsident vom FC Hansa Rostock. Peter-Michael Diestel ohne Titel - geht das überhaupt?

DIESTEL: Natürlich, denn mir bleibt ja immer mein wunderschöner Doktortitel. Außerdem bin ich wieder Präsident, diesmal vom SC Potsdam.

STERN: Da wird doch gar nicht Fußball gespielt ...

DIESTEL: Fußball habe ich hinter mir. Leichtathletik oder Volleyball sind doch auch wahnsinnige Sportarten. Und damit alles läuft, sorge ich für Sponsoren.

STERN: Bodyguards schmückten Anfang der neunziger Jahre Ihre Auftritte. Fehlen die Ihnen heute?

DIESTEL: Ja, aber nicht als Tralala. Das waren einfach angenehme, sportliche Kerle. Heute brauche ich diesen Zirkus nicht mehr.

STERN: Früher, als Enfant terrible der CDU, haben Sie bestimmt abends auf der Bettkante gesessen und überlegt: Womit kann ich die morgen wieder ärgern?

DIESTEL: Ich sitze immer noch auf der Bettkante, nun allerdings in tiefer Trauer: In Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Brandenburg droht meine CDU auf das Format einer Splitterpartei abzurutschen.

STERN: Wäre das nicht ein Grund für ein politisches Comeback?

DIESTEL: Ich bin als Rechtsanwalt glücklich und zufrieden. Vor der grandiosen Wahlpleite 1998 hatte ich Helmut Kohl und der CDU-Führung eine Reihe von Papieren mit praktischen Ratschlägen zugeschickt. Die wurden schlicht in den Wind geschlagen. Okay, ich habe da verloren - und trotzdem recht behalten.

STERN: Seit 1993 sind Sie Chef einer großen Anwaltskanzlei in Potsdam. Nicht wenige Ihrer Klienten sind Ex-Stasi-Leute ...

DIESTEL: Ja, weil man mit diesen Menschen oft unfair umgeht. Wenn die Stasi-Verwicklungen eines Manfred Stolpe in Brandenburg toleriert werden, dann kann man einen kleinen Lehrer wegen lächerlicher Vorwürfe in den Gauck-Unterlagen nicht einfach in die Wüste schicken.

STERN: Seit Mitte Februar sind Sie wieder Anwalt in eigener Sache. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, daß der Prozeß um Ihren Villenkauf von 1990 neu aufgerollt werden muß. Wollten Sie sich das 770000-Mark-Anwesen billig unter den Nagel reißen?

DIESTEL: Quatsch. Das ist alles ordnungsgemäß gelaufen. Ich habe damals einen normalen Kaufantrag gestellt, der ist vom Finanzminister Romberg genehmigt und vom Ministerpräsidenten de Maiziere befürwortet worden. Mehr war nicht erforderlich.

STERN: Da war das Gericht anderer Meinung und erklärte den Abschluß für ungültig. Haben Sie nach Ihrem Auszug aus der Villa 1994 die schon gezahlten 192 700 Mark zurückbekommen?

DIESTEL: Ja, die Summe mußte der Staat zurückgeben. So wie sich das gehört.

STERN: Wo wohnen Sie jetzt?

DIESTEL: Meine Frau und die Kinder sind meist im neuen Haus in Wildau bei Berlin, und ich bin am liebsten auf meinem Landgut im mecklenburgischen Zislow.

STERN: Um zu verschnaufen?

DIESTEL: Nicht nur. Ich bin da auch Nebenerwerbsbauer.

STERN: Wieviel Hühner haben Sie denn laufen?

DIESTEL: Gar keine. Ich habe acht Pferde und acht Schweine.

STERN: Bleibt da denn noch Zeit für den Kraftraum?

DIESTEL: Keine Sorge, ich passe schon auf, daß ich keinen bürokratischen Körper bekomme. Im Bankdrücken bin ich unter deutschen Politikern bestimmt einsame Spitze.

STERN: Wieviel hauen Sie denn noch hoch?

DIESTEL: 205 ist mein Rekord. Kilo! Nicht Pfund.

Mit Peter-Michael Diestel sprach STERN-Redakteur Dieter Krause.