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was-macht-eigentlich: Richard Löwenherz

Der englische König wurde auf der Heimkehr von seinem Kreuzzug in Österreich festgenommen und den feindlichen Staufern ausgeliefert

Der englische König wurde auf der Heimkehr von seinem Kreuzzug in Österreich festgenommen und den feindlichen Staufern ausgeliefert STERN: König Richard, Sie sehen überraschend wohl aus trotz Ihrer monatelangen Gefangenschaft unter Kaiser Heinrich VI.

RICHARD: Kennen Sie die Festung Trifels? Ein fürchterlicher Steinkoloß. Aber ich habe mich dort ganz gut in Form gehalten.

STERN: Wie hält man sich fit - in einem Kerker?

RICHARD: Ich durfte mich relativ frei bewegen und auch Besuch von englischen Landsleuten empfangen - natürlich unter Dauerbewachung von deutschen Rittern. Zum Körpertraining habe ich Ringkämpfe mit meinen Wächtern veranstaltet - nette Tolpatsche, nur leider etwas schwächlich. Beim Kampf hatte ich sie schnell auf dem Kreuz und beim Saufen regelmäßig unter dem Tisch.

STERN: Sie sollen, als passionierter Troubadour, auch gedichtet haben. Dürfen wir ein paar Zeilen Ihres 'Kerkerliedes' hören?

RICHARD: Gern. Die dritte Strophe mag ich besonders: 'Das habe ich gelernt in dieser Zeit/ tot wie gefangen tut man keinem leid/ und werd' ich Geldes wegen nicht befreit/ ist's mir um mich, mehr um mein Volk noch leid/ dem nach meinem Tod niemand verzeiht/ wenn ich hier bleib' in Haft.'

STERN: Die Lösegeldsumme war denn auch entsprechend hoch: 100000 Mark reines Silber Kölner Gewichts, das bedeutete 23 Tonnen Silberbarren - einen solchen Betrag zahlt selbst ein König nicht aus der Portokasse.

RICHARD: Meine Mutter Eleonore ist zum Glück eine überaus tatkräftige Organisatorin. Sie hat bei allen Freien im Land eine Art Solidaritätszuschlag für mich gefordert.

STERN: Für ihren kämpferischen Lieblingssohn, um den sie schon während des Kreuzzugs gebangt hatte. Aber sagen Sie, König Richard, wie kam es, daß Sie nach Ihrer rasanten Eroberung von Messina und dem siegreichen Kampf um Jaffa ausgerechnet vor Jerusalem kapituliert haben?

RICHARD: Weil jeder die Heilige Stadt er-obern, aber keiner dort bleiben und sie halten wollte. Außerdem: Meine Leute waren völlig entkräftet, und König Philipp II. von Frankreich zog auch nicht mehr mit. Der Kerl war vollauf damit beschäftigt, sich im Verbund mit meinem Bruder mein Reich unter den Nagel zu reißen.

STERN: Eine, mit Verlaub, ziemlich miese Ratte, Ihr kleiner Bruder 'Johann ohne Land' - und vor allem verbissen darauf aus, seinen Beinamen zu widerlegen.

RICHARD: Ach, der Junge hatte nur falsche Ratgeber. Ich habe ihn gerade auf meiner Reise in die Normandie getroffen und mit ihm zu Abend gegessen.

STERN: Soviel Nachsicht ist in Ihrer Familie sonst unüblich. Ihren Vater, Heinrich II., haben Sie bis zu dessen Tod bekämpft. Von ihm sollen Sie nicht nur die Krone geerbt haben, sondern auch die Neigung zum Jähzorn.

RICHARD: Sie meinen die berühmte 'schwarze Galle' der Plantagenets? Immerhin: Meine Getreuen hat sie nie verscheucht.

STERN: Richtig, die haben stets zu Ihnen gehalten. Wie haben Sie das angestellt?

RICHARD: Ganz einfach: Ich habe alle entlassen, die von meinem Vater zu mir über-gelaufen sind. Und jeden behalten, der ihm treu geblieben war. Meine Devise: Einmal Verräter - immer Verräter.

Mit Richard Löwenherz sprach Petra Schnitt.

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