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George W. Bush: Kreuzzug gegen die Speckröllchen

Das größte politische Schwergewicht der Welt kämpft tapfer gegen jedes Speckröllchen. Doch nun droht dem Kalorien-Krieger George W. Bush eine herbe persönliche Niederlage.

Der Wunsch von Julius Caesar "Lasst dicke Männer um mich sein" ist ganz und gar kein Motto für den heute mächtigsten Mann der Welt. Denn George W. Bush, Präsident des schwer- gewichtigsten Volkes der Erde, liebt den Sport, böse Zungen behaupten, er sei davon besessen. Als "selbst ernannten Fitness-Freak" verspottete ihn die politische Zeitschrift "Atlantic Monthly". Die nun festgestellte Gewichtszunahme von fast fünf Pfund wird Bush kaum freuen - auch wenn er sie lachend mit dem Genuss von "zu viel Geburtstagskuchen" abtat.

Training gehört zum Alltag

Die neuen Pfunde werden den kürzlich 60 Jahre alt gewordenen Texaner, der 1986 radikal dem Alkohol abschwor und fast zum Asketen wurde, vermutlich zu noch mehr täglichem Training anspornen. Der ist ohnehin fester Bestandteil seines Alltags. Nicht selten sitzt er, selbst bei größter Hitze oder strömendem Regen, zwei oder drei Stunden auf dem Mountain-Bike oder trimmt sich an den Geräten im Fitness-Studio - nur das geliebte Joggen musste er wegen eines Knieschadens aufgeben. Kein Weltgipfel und kein Staatsbesuch halten Bush vom Sport ab. Auch kürzlich in Stralsund und in St. Petersburg schwang er sich täglich in den Fahrrad-Sattel.

Bush betrachtet Sport als "wesentlich" für sein Leben, es "lädt meine Batterien wieder auf, hält mich jung (...) und in einem gewissen Maße steigert es mein Selbstwertgefühl", hatte er in einem Interview des Jogger-Magazins "Runner’s" betont. Als Studenten ihn fragten, woher er die Kraft für sein Amt beziehe, nannte der Texaner als erstes seine Familie und dann den täglichen Sport.

Zeit für Sport muss sein

Aber Bush wäre nicht Bush, wenn er die Einsichten seines Lebens nicht auch mit einem gewissen missionarischem Eifer verbreitete. "Ich erwarte von meinen Mitarbeitern Disziplin, (...) Pünktlichkeit und sportliche Aktivitäten", betonte er. Wer meine, er habe keine Zeit für Sport "setzt die Prioritäten falsch, das sind die selben Leute, die sagen, sie haben keine Zeit für ihre Familie", so Bush in "Runner’s". "Wenn der Präsident Zeit findet, dann muss jeder andere es auch."

Bush selbst hat mit einer Größe von 1,82 Meter und einem Gewicht von 88,9 Kilogramm ein "Body Mass Index" von 26,9 (Ideal: 25,0), von dem die Mehrheit seiner 300 Millionen amerikanischen Landsleute nur träumen kann. Allerdings herrschen im Umfeld des Präsidenten andere Verhältnisse. Nicht nur politisch ist Außenministerin Condoleezza Rice Star der Regierung - ihr tägliches Trimm-Programm, jüngst vom Fernsehsender WRC aufgezeichnet, freut das Herz des Sportfans Bush. Im Weißen Haus gibt es aber wohl manchen, der seinen Sportwahn fürchtet. Angeblich verfolgt Bush aufmerksam - und mit zuweilen bissigen Kommentaren - wie fleißig sich Mitarbeiter sportlich betätigten. Unter ihnen befinden sich für US-Verhältnisse ohnehin extrem wenig wirklich Dicke.

Bush verteilt Komplimente

Bushs bekannte Eigenheiten lassen ahnen, dass sie einen schweren Stand haben. Jedermann weiß, dass es ohnehin nicht ohne Tücken ist, Bushs Sympathien zu genießen. Denn er liebt es, besondere Nähe und Zuneigung recht eigenwillig zu demonstrieren. Kanzlerin Angela Merkel könnte ein Lied davon singen, nachdem ihr Bush jüngst in St. Petersburg - durchaus herzlich gemeint, aber für Merkel sichtlich befremdlich - von hinten an den Hals ging.

Besonders gern mokiert sich Bush über das Aussehen seiner Freunde: Australiens Ministerpräsident John Howard brachte er vor kurzem in höchste Verlegenheit, als er ihn öffentlich lobte, auch "wenn er nicht gerade der schönste Mann der Welt" sei. Und der schwergewichtige Ex-Regierungschef Israels, Ariel Scharon, musste sich von Bush nach dessen ersten Herzinfarkt schon mal in aller Öffentlichkeit anhören, er müsse "vorsichtiger sein mit Essen und mehr Sport betreiben". Es lässt sich ahnen, was dickliche Mitarbeiter im Weißen Haus zu hören bekommen.

Laszlo Trankovits, DPA / DPA