was-macht-eigentlich Ulrike Wolf


Von 1985 bis 1987 präsentierte die heute 55-Jährige die »Tagesthemen«. Anschließend wurde sie Chefredakteurin des NDR-Fernsehens; 1991 ging die engagierte CDU-Frau zum MDR ins Landesfunkhaus Dresden

Von 1985 bis 1987 präsentierte die heute 55-Jährige die »Tagesthemen«. Anschließend wurde sie Chefredakteurin des NDR-Fernsehens; 1991 ging die engagierte CDU-Frau zum MDR ins Landesfunkhaus DresdenZur Person :

Die im sächsischen Bautzen geborene Ulrike Wolf an ihrem Schreibtisch in Dresden. 1990 moderierte sie beim NDR die Magazin-Sendung »Profile«

stern: Was war die schönste Nachricht, die Sie in letzter Zeit gehört haben?

Wolf: Dass der Nobelpreisträger Günter Blobel sein Preisgeld nach Dresden verschenkt hat - für die Frauenkirche und den Wiederaufbau der Synagoge. Fast zwei Millionen Mark! Und er fand es ganz selbstverständlich, weil seine Frau und er alles hätten, was sie brauchen.

stern: Und die schlimmste?

Wolf: Es ist grauenvoll, dass es offenbar Menschen gibt, die ihr Gewaltpotenzial auf Hunde übertragen und sie so abrichten, dass sie zu Bestien werden.

stern: Von wem hören Sie sich heute die Nachrichten im TV am liebsten an?

Wolf: Sagen wir mal so: Ich wünschte, man könnte einen weiblichen Wolf von Lojewski klonen

stern: 1985 waren Sie die erste Moderatorin, die gleichberechtigt im Wechsel mit einem männlichen Kollegen die »Tagesthemen« präsentierte. Warum tun sich manche Sender noch immer schwer, solche Nachrichtenformate einer Frau zu überlassen?

Wolf: Wenn ich das wüsste! Die ARD hat ja gezeigt, dass kompetente Journalistinnen auch vom Publikum akzeptiert werden. Aber für die Bosse spielt vielerlei eine Rolle: »Frau« soll nett aussehen - aber nicht zu sehr, das lenkt ab. Seriös soll sie sein, aber nicht zu streng - könnte zickig wirken. Und dann die bange Frage: Ist »Frau« überhaupt glaubwürdig? Nun ja, Männer dürfen auch mit rollendem R moderrierren und mit weißen Haaren vor die Kamera.

stern: Seit 1991 sind Sie die Direktorin des MDR-Landesfunkhauses in Dresden ...

Wolf: ... ja, und wir machen hier ein sehr populäres Radioprogramm, »MDR 1 Radio Sachsen«, aber auch eigene Sendungen im MDR-Fernsehen, wie das Magazin »SachsenSpiegel«. Sachsen ist so interessant - leider kommt im Westen wenig davon rüber.

stern: Ärgert es Sie, wenn der MDR regelmäßig für sein betuliches »Ossi-Programm« veralbert wird?

Wolf: Es ärgert mich weniger für den Sender, der damit umgehen kann und obendrein sehr erfolgreich ist. Es ärgert mich massiv für die Menschen, die verspottet werden, weil sie so ein Programm mögen.

stern: Sie wurden in Bautzen geboren - sind Sie deshalb nach Sachsen gegangen?

Wolf: Back to the roots - das hat mich natürlich gereizt. Vor allem aber war es die Aufgabe, beim Aufbau einer Rundfunkanstalt mitzuhelfen, ganz von vorn anzufangen und ohne eingefahrene Wege.

stern: Also keine Probleme, sich vom Westen an den Osten zu gewöhnen?

Wolf: Ich kam ohne Vorurteile und glaubte, beide Teile Deutschlands zusammen, das kann nur toll werden. Das war doch etwas naiv. Es ist und bleibt ein schwieriger Prozess, wobei sich die Menschen im Osten mehr um-gewöhnen mussten als ich.

stern: Sie fühlen sich dort wohl?

Wolf: Ja, Dresden ist eine wunderschöne Stadt, und meine inzwischen erwachsenen Kinder kommen mich sehr gern hier besuchen.

stern: Sie hatten nicht immer so entspannte Zeiten. Als Chefredakteurin des NDR-Fernsehens gerieten Sie in die Schlagzeilen: Erst hieß es, Sie hätten aufgrund Ihrer CDU-Treue Karriere gemacht; später wurde Ihnen unkritische Berichterstattung im Fall Barschel angekreidet.

Wolf: Diese Zeit war übel. Ich wurde dafür geprügelt, dass ich dem Ehrenwort eines deutschen Politikers geglaubt hatte. Ich habe es nicht anders gewusst, im Gegensatz zu einigen, die sich später korrigieren mussten. Karriere habe ich als Journalistin gemacht - von der Pike auf. Man wird in dem Gewerbe auf Dauer nur akzeptiert, wenn man professionell ist, da nützt einem das schönste Parteibuch nichts. Ich bin seit über 30 Jahren in der CDU, das nehme ich mir als Bürger schlicht heraus.

stern: Hat die Spendenaffäre Ihre Haltung zur CDU verändert?

Wolf: Zur CDU nicht, aber zu Helmut Kohl und seinem »System«.

stern: Gibt's beruflich noch neue Ziele?

Wolf: Oh, ja. Es wäre schön, wenn mein Computer endlich mein Freund werden würde.

Interview: Ulrike von Bülow


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