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Whoopi Goldberg: Eine höllische Vermieterin

Oscar-Gewinnerin Whoopi Goldberg schmeißt eine Frau samt Kindern und Enkelkind nach 40 Jahren aus ihrer Wohnung. Diese war in Mietrückstand geraten. Auch das Friedensangebot Goldbergs hatte einen Haken.

Von Frank Siering, Los Angeles

Sie zählt zu den ganz großen Hollywood-Legenden. Ihre Rollen in "Ghost" und "Die Farbe Lila" sind bis heute unvergessen. Whoopi Goldbergs lustige Rasta-Locken, die altmodische Nickelbrille und ihr sanftes Lächeln sind heute fünf Tage in der Woche in der US-Talkshow "The View" zu bewundern. Dort spielt sie meist die beruhigende Stimme der Vernunft. Im wirklichen Leben allerdings scheint sich die Oscar-Gewinnerin ganz gerne auch mal als knallharte Geschäftsfrau aufzuführen.

Eine ehemalige Untermieterin von Goldberg gab jetzt zu Protokoll, sie sei von der Vermieterin eiskalt vor die Tür gesetzt worden, nachdem sie das erste Mal seit 40 Jahren in Mietrückstand geraten war. "Ich habe eine schwere Zeit durchgemacht, musste als alleinerziehende Mutter drei Kinder großziehen", so Suzanne Lindsay, 64, gegenüber der Zeitschrift "Star". Hinzu kam dann auch noch eine Familientragödie, die ihr die Aufsichtspflicht für ihr Enkelkind brachte. "Es was alles auf einmal so viel, ich kam mit der Arbeit und den Zahlungen nicht nach", so Lindsay.

Hollywood-Star Goldberg schien das egal zu sein. Nach Berichten von Lindsay hatte Goldberg das Haus in West Orange im US-Bundesstaat New Jersey 2009 als Investment-Projekt gekauft.

13.500 Dollar Rückstände

"Ich habe Whoopi von meinen Problemen erzählt, sie hat am Feuer verständnisvoll meine Hand gehalten", so Lindsay weiter. Gerichtsunterlagen ist zu entnehmen, dass Lindsay schnell 13.500 Dollar an Rückständen ansammelte. Die dreifache Mutter versuchte demnach verzweifelt, einen finanziellen Rettungsplan aufzustellen. Aber Goldberg ordnete an, die Frau vor die Tür zu setzen.

Interessanterweise, so versichert die Untermieterin, "war es nicht die Bank, die mich raus haben wollte. Die haben sich gar nicht gerührt." Lindsay propagiert, dass es Goldberg war, die die Räumung anordnete. "Sie ist eine skrupellose Frau", so Lindsay zum "Star".

Eine gute Tat mit Haken

Vielleicht aus Angst vor negativen Schlagzeilen, vielleicht auch nur, weil die sozial engagierte Goldberg plötzlich ihr gutes Herz entdeckte, nach einigem Hin und Her boten die Goldberg-Anwälte an, 10.000 Dollar an Umzugskosten für Lindsay zu zahlen.

Aber auch diese "gute Tat" hatten einen Haken. Goldberg wollte die Summe nur dann überweisen, wenn Lindsay die restlichen 33 Jahre ihres bestehenden Mietvertrags, der 99 Jahre Gültigkeit hatte, aufgeben würde. Am 11. Oktober schließlich unterschrieb die desillusionierte Dame das Angebot. Und fand schon am nächsten Tag heraus, dass sie ihr Heim in nur einer Woche zu räumen habe.

"Ich war am Boden zerstört", so Lindsay. "Ich habe den ganzen Tag geweint. Mein Enkelkind hat geweint. Wir mussten ganz schnell alles zusammenpacken, wir musste sogar einige seiner Spielsachen zurücklassen, weil wir keinen Platz hatten."

Eine Geschichte - zwei Sichtweisen

Als Goldberg auf die Geschichte angesprochen wurde, präsentierte die 56-jährige Schauspielerin eine ganz andere Version des Vorfalls. "Nachdem ich das Haus gekauft habe, hat die Vermieterin versucht, mir ihren lebenslangen Mietvertrag zu verkaufen. Ich habe ihr damals ein Angebot gemacht, aber sie hat abgelehnt", so Goldberg.

Vor einem Jahr dann, so Goldberg weiter, habe ihre Mieterin ihr gesagt, dass sie pleite sei und nicht mehr zahlen könnte. Goldberg weiter: "Die Bank kam schließlich auf mich zu und forderte das Geld. Ich musste meine Interessen wahren."

Goldberg sagte weiterhin, dass sie jeden Tag hart arbeite, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. "Ich hätte sie auch verklagen können, habe aber aufgrund ihrer Situation davon abgesehen. Stattdessen habe ich ihr 10.000 Dollar Umzugskosten überwiesen und ihr damit geholfen", so Goldberg.

Ein bisschen mehr Güte vielleicht?

Die Talkshow-Diva mit Hippie-Appeal hat übrigens noch weitere Immobilien-Objekte, die weitaus mehr Geld abwerfen, als das kleine Häuschen in New Jersey. Neben einer Villa in Los Angeles besitzt Goldberg angeblich diverse Hektar Land in Nordkalifornien. Ihr Luxusappartement in New York City hatte sie 2009 für rund vier Millionen Dollar veräußert.

Bei soviel Einkommen - für ihren Job bei ABC kassiert sie angeblich rund eine Million Dollar im Jahr - bleibt die Frage, ob ein bisschen mehr Güte und Nachsicht der "Ghost"-Darstellerin in diesem Falle nicht besser zu Gesicht gestanden hätten als der eiserne Griff der gnadenlosen Vermieterin.

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