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Er schlug Chris Rock "Das war eine schreckliche Nacht": Will Smith spricht über die Oscar-Ohrfeige

Will Smith weint bei der Oscar-Verleihung
Nachdem er seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt, brach Will Smith in Tränen aus. Zuvor hatte er Komiker Chris Rock nach einem Witz über Smiths Ehefrau geohrfeigt.
© Robyn Beck / AFP
Dieser Ausraster ging in die Geschichte ein: Vor einem Millionenpublikum verpasste Will Smith bei der Oscar-Verleihung im März dem Comedian Chris Rock eine schallende Ohrfeige. Im Rahmen einer Werbetour für seinen neuen Film sprach der Schauspieler jetzt über den Vorfall.

Es war DER Skandal bei der diesjährigen Oscar-Verleihung: Nachdem Chris Rock einen Glatzenwitz über Will Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith machte, die an krankheitsbedingtem Haarausfall (Alopezie) leidet, betrat der Schauspieler die Bühne und verpasste dem Komiker eine schallende Ohrfeige. Im Anschluss daran gewann Smith seinen allerersten Oscar als bester Hauptdarsteller in dem Film "King Richard". Jetzt hat der 54-Jährige einen neuen Film herausgebracht und gibt im Rahmen seiner Werbetour zum Film "Emancipation" auch wieder Interviews. Darin muss sich der Schauspieler auch Fragen nach dem Ohrfeigen-Skandal gefallen lassen.

"Ich habe keine unabhängige Erinnerung daran", witzelte er zunächst am Montagabend bei "The Daily Show, wo er zu Gast bei Trevor Noah war und schob ernst hinterher: "Das war eine schreckliche Nacht." Es gäbe viele Nuancen und Komplexitäten, aber am Ende des Tages hätte er "einfach den Verstand verloren", gab er zu. "Ich würde sagen, dass man nie weiß, was jemand durchmacht", wandte er sich ans Publikum. "Sie sitzen gerade neben Fremden, von einem ist letzte Woche die Mutter gestorben, jemandes Kind ist krank, jemand hat seinen Job verloren, jemand hat gerade herausgefunden, dass der Ehepartner fremdgeht. Man weiß einfach nicht, was in den Leuten vorgeht. Und ich habe in dieser Nacht auch etwas durchgemacht", versuchte er sein Verhalten zu erklären. "Nicht, dass das mein Verhalten rechtfertigt, aber wenn du fragst, was ich gelernt habe, dann, dass wir einfach nett zueinander sein müssen." Das schmerzhafteste für ihn sei, dass er es anderen Menschen schwer gemacht habe.

Will Smith über die Oscar-Ohrfeige: "So will ich nicht sein"

Einen Teil seiner Reaktion führte er auch auf seine Kindheit zurück und sagte: "Es war eine Menge. Es war der kleine Junge, der sah, wie sein Vater seine Mutter verprügelte. All das sprudelte in diesem Moment nur so heraus. "Aber so will ich nicht sein." Er verstehe, wie schockierend es für die Leute gewesen sein muss. Er selbst sei total "weg" gewesen. "Das war eine Wut, die für eine wirklich lange Zeit in der Flasche war." Sein neunjähriger Neffe sei in dieser Nacht wach geblieben und habe später mit ihm in der Küche auf seinem Schoß gesessen – den Oscar in der Hand – und habe gefragt:  "Warum hast du diesen Mann geschlagen, Onkel Will?". Will Smith kamen in diesem Moment die Tränen, als er die Geschichte erzählte. "Es war schlimm". Aber er wolle nicht zu sehr darauf eingehen und den Leuten noch mehr Anlass zu Missverständnissen geben.

Was ihn jedoch richtig fertig mache sei die Vorstellung, dass der Film von Regisseur Antoine Fuqua seinetwegen abgelehnt werden könnte. "Es ist Antoines absolute Meisterleistung und das ganze Team hat die beste Arbeit seines Lebens abgeliefert", so der Schauspieler. "Das killt mich. (…) Ich hoffe, dass ihre Arbeit gewürdigt wird und nicht aufgrund einer schrecklichen Entscheidung meinerseits in den Schmutz gezogen wird."

"Meine größte Hoffnung ist, dass meine Handlungen nicht mein Team bestrafen"

Diese Befürchtungen äußerte er zuvor auch in einem Interview mit dem Sender Fox 5 auf die Frage von Reporter Kevin McCarthy, was er Menschen sagen würde, die noch nicht bereit seien, sich einen Film von ihm anzuschauen. "Ich kann das vollkommen verstehen. Und ich würde das absolut respektieren und jemandem seinen Freiraum lassen, wenn die Person noch nicht bereit ist", sagte Smith zu McCarthy. "Meine größte Sorge gilt meinem Team. Antoine hat die, wie ich finde, beste Arbeit seiner gesamten Karriere geleistet (…). Und meine größte Hoffnung ist, dass meine Handlungen nicht mein Team bestrafen."

In dem Film "Emancipation" spielt Smith einen Mann, der der Sklaverei entkommt und nach Norden geht, um sich der Unionsarmee anzuschließen. Inspiriert wurde der Film durch den realen Sklaven Gordon, auch "Whipped Peter" genannt, dessen von Peitschenhieben vernarbter Rücken auf Fotos einer medizinischen Untersuchung festgehalten und von der Abolitionistenbewegung genutzt wurde, um auf die Schrecken der Sklaverei hinzuweisen. Der Film läuft am 2. Dezember in einigen US-Kinos an und wird am 9. Dezember weltweit auf Apple TV+ erscheinen.

Sollte Smith für den Film nominiert werden, darf er nicht an der Preisverleihung teilnehmen, da ihm die Teilnahme an allen Oscar-Veranstaltungen für zehn Jahre untersagt wurde.

"Richtig? Nein. Gerechtfertigt? Ja." – Passanten reagieren auf Will Smiths Ohrfeige

Sehen Sie im Video: Will Smith hat bei der Verleihung der Oscars Chris Rock geohrfeigt. Passanten auf der Straße bewerten das Verhalten des Schauspielers unterschiedlich. 

Quellen: "The Daily Show", Interview mit Fox 5

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