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Wolfgang Joop hat Geburtstag: Ein Design-"Wunderkind" wird 65 Jahre alt

Mit seinem breitem Lächeln und dem stets sommerlichen Teint strahlt Wolfgang Joop die Selbstsicherheit des Erfolgs aus, und das seit Jahrzehnten. Am Mittwoch wird der Designer 65 Jahre alt, ein Alter, das ihm kaum anzumerken ist.

Mit seinem breitem Lächeln und dem stets sommerlichen Teint strahlt Wolfgang Joop die Selbstsicherheit des Erfolgs aus, und das seit Jahrzehnten. Am Mittwoch wird der Designer 65 Jahre alt, ein Alter, das ihm kaum anzumerken ist. Seit bald vierzig Jahren bereichert der Allroundkünstler Laufstege mit seiner Mode, Galerien mit Zeichnungen sowie Zeitungen und Magazine mit Schlagzeilen über sein glamouröses Leben.

Geboren wurde Joop auf einem Landgut in der Nähe von Potsdam, der Stadt, in der er seit 1998 wieder lebt. Sein Vater war lange in Kriegsgefangenschaft, das Einzelkind Joop wuchs behütet von einer großen Familie auf, die trotz Nachkriegszeit gut versorgt war. 1952, als Joop acht Jahre alt war, kehrte der Vater zurück und nahm Frau und Sohn mit nach Braunschweig. Der kleine Junge mochte die Stadt jedoch nicht, weniger aber noch die übergroße Strenge des Vaters.

So begann das Leben eines der erfolgreichsten deutschen Modeschöpfer, denn neben Karl Lagerfeld und Jil Sander schaffte es auch Joop in die Modezentren der Welt. Nachdem er zunächst als Redakteur für eine Modezeitschrift gearbeitet hatte, versuchte er sich Anfang der 70er Jahre als unabhängiger Designer und erreichte seinen Durchbruch 1978 mit einer ersten eigenen Pelzkollektion. Die New York Times bezeichnete ihn damals als "Prussian Designer", als preußischen Designer, weil sie seine deutschen Wurzeln in den Entwürfen wiederzufinden glaubte, ein Titel, der ihm seitdem anhaftet.

Binnen weniger Jahre war Joop, der inzwischen in Hamburg wohnte, berühmt, entwarf Prêt-à-porter Kollektionen für die Dame und schließlich auch Herrenkollektionen. Dabei legte er Wert darauf, dass die Kleidung erschwinglich blieb und tragbar, so dass klassisch-einfache Formen seinen Stil prägten. Mitte der 80er Jahren starteten Joop und der damalige Lancaster-Chef Herbert Frommen die Zusammenarbeit. Frommen begann, das Modelabel zu einer Weltmarke auszubauen mit Lifestyle-Produkten wie Uhren, Taschen und Parfums. Die Firma wuchs, doch Joop fühlte sich seinen Produkten immer fremder und verlor Selbstachtung, wie er 2002 gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte.

Er begann einen langsamen Rückzug aus seinem eigenen Unternehmen, verkaufte immer mehr Anteile, bis er 2001 ganz aus der Joop GmbH ausstieg. Stattdessen kaufte er Kunst, begann selbst zu zeichnen und widmete sich der Schauspielerei. Als Schriftsteller rechnete er in seinem Roman "Im Wolfspelz" mit der Branche ab, wie die Kritiker urteilten. Statt der Mode widmete er sich sozialen Projekten wie dem Verein "Dunkelziffer", der sich um sexuell missbrauchte Kinder kümmert.

Doch sein Abschied von der Modewelt war nur auf Zeit. 2004 meldete er sich mit dem neu gegründeten Label "Wunderkind" zurück, einer extravaganten Linie, in der Joop "die Widersprüche und Dualität in jeder Frau" in Mode umsetzt, so die Homepage. Das Weibliche und Männliche will die Marke verbinden, Androgynität als Modestil. Joop bekannte sich 1996 zu seiner Bisexualität. Aus einer Ehe im frühen Erwachsenenalter hat er zwei Töchter, von denen eine, Jette Joop, ebenfalls erfolgreich Mode macht. Seine Biografie im Zickzack-Kurs spiegelt sein Selbstverständnis wider: er sieht sich als Non-Konformist.

Er war "schon immer lieber mit den Nutten vom Hauptbahnhof unterwegs, als mit den braven Söhnen von der Elbchaussee", sagte er 1993 dem "Spiegel". Skandale um angeblichen Drogenkonsum oder Verbindungen zu DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski machten ihn zu einem beliebten Objekt der Boulevardpresse.

Als Multitalent und Tausendsassa wird Joop vermutlich noch für weitere Überraschungen sorgen. Erst Ende Oktober hat er ein Buch veröffentlicht, das sein Leben in Fotos, Zeichnungen und Modeentwürfen erzählt. Nicht den üblichen Fotobildband, weit gefehlt. Das Buch hat 560 Seiten, ist fast 40 Zentimeter hoch, mehr als fünf Zentimeter dick und kostet stolze 150 Euro. Sein Leben verschenkt Joop nicht zum Schleuderpreis.

AFP / AFP