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Berlin Fashion Week Berlin macht Mode


Am Donnerstag startet in Berlin die dritte Mercedes-Benz Fashion Week. Und die Modewelt verspricht sich mittlerweile einiges von der Modewoche, die zu Beginn noch belächelt worden war. Das liegt auch am Interesse der Politik.
Von Judka Strittmatter

Für den Hauptstädter im Allgemeinen und Mitte-Bewohner im Besonderen ist in Berlin immer Fashion Week - zumindest gefühlt. Allein die Zahl der kleinen Boutiquen, die rund um den Rosenthaler Platz beinahe täglich eröffnen und teilweise schon in den Wedding hinüber wuchern, ist beeindruckend. Berlin liebt die Mode, und die Mode liebt Berlin. Auch wenn die Stadt in diesem Fach ein Newcomer ist - oder gerade deshalb.

Das sehen nicht nur etablierte Modemacher so, sondern auch ambitionierte Nachwuchsstars. Junge Designer aus aller Welt haben sich hier angesiedelt, weil sie in Berlin eine Chance sehen - auch ohne viel Geld. Die Mieten sind günstig, man kann sich in Ruhe entfalten, Durststrecken sind meisterbar, und der wirtschaftliche Druck ist weitaus kleiner als in New York, Paris oder Mailand. Mögen letztere Städte auch in Zukunft die Epizentren des Geschäfts mit dem schönen Schein sein, mit inzwischen 800 Labels und Designern sowie neun Modeschulen hat Berlin einen Anfang gemacht. Und es wird eines Tages vielleicht sogar mitspielen in der obersten Liga. Wenn es nach dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geht, sowieso. Noch zur Fashion Week 2007 erinnerte er eindrücklich daran, dass auch New York Jahrzehnte gebraucht habe, um das zu werden, was es heute ist. Auch in Sachen Mode.

500 Plakate

Wohl deshalb bauen Wowereit und sein Senat schon mal vor: Mit diversen Unterstützermodellen, auch finanzieller Art, beteiligt sich die Stadt am Aufschwung der Modeszene. Dazu gehört auch, "die Strahlkraft der Mercedes Benz Fashion Week zu stärken", wie es aus dem Berliner Wirtschaftssenat heißt. Deshalb hat man die exklusive Schau mit rund 500 Plakaten in der Stadt bewerben lassen und eine Showroom-Meile inszeniert, die dieses Mal auch den interessierten Laien integrieren soll.

Hauptstandort ist der Bebelblatz Unter den Linden, der als Ort der Bücherverbrennung von 1933 traurige Berühmtheit erlangt hat. Noch heute erinnert dort eine Glasplatte, unter der leere Regale stehen, an den Naziterror. Die Verbindung der Mode zum Bebelplatz stammt aus dem 19. Jahrhundert: Da siedelten sich hier die ersten Lusxusmodehäuser für den Berliner Adel an. Die Wurzeln des Erfolgs sind also da.

Unterstützung für den Häkel-Bikini

Die offizielle Begeisterung für die in Schwung kommende Modestadt Berlin greift mittlerweile auch auf andere Behörden über. So stellte die Wohnungsbaugesellschaft Mitte - sonst nicht unbedingt bekannt für unorthodoxe Entscheidungen - den beiden Jung-Designerinnen Anna Berger und Eva Swoboda kostenlos Räume für ein paar Tage zur Verfügung. Die Modemacherinnen wollen sich mit der Neuauflage des Häkel-Bikinis der Kundschaft in Mitte vorstellen. Ein Beispiel von vielen.

Auch die Fashion Week selbst hat illustre Aussichten, die eigene Wertsteigerung im Business etwas mit anzuheizen: Berlin hat noch eine Menge cooler Orte zu bieten, die selbst satte Fashionistas hinterm Ofen hervorlocken und an denen sich das Spektakel besonders gut inszenieren lässt. Sind die Models im vergangenen Jahr noch durch das Brandenburger Tor und durch die Passagierhalle des Tempelhofer Flughafens gelaufen, macht das Label "Hugo" diesmal im Westhafen sein Aufwartung. Michael Michalsky zeigt seine Kollektion in den Uferhallen im Wedding.

Ohne Joop

Auch Labels wie die in Berlin groß gewordenen Kaviar Gauche und Sisi Wasabi sind wieder mit dabei. Auf Wolfgang Joop und dessen Kollektion warten Modefans hingegen umsonst. Joop, der mit seinem Label "Wunderkind" sogar um die Ecke, nämlich in Potsdam, ansässig ist, "misstraut forcierten Aktionen, die nicht aus gewachsenen Voraussetzungen entstehen". Das sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Auch Tomas Maier, der für das italienische Luxuslabel "Bottega Veneta" designt, lässt sich entschuldigen.

Das Fernbleiben der Platzhirsche hat aber auch einen Vorteil: Die Kleinen sind auf einmal ganz groß - und können an sich selbst wachsen. Schon allein an der Promi-Meute, die sich am Auftakttag zeigte, lässt sich feststellen, das Berlin auf einem guten Weg sein muss. Gesichtet wurden: Kim Cattrall, Nastassja Kinski, Mischa Barton und Rupert Everett. Die "Vogue" sieht immerhin Potenzial im "Meltingpot Berlin", und es hört sich fast wie eine Drohung an, wenn "Elle"-Chefredakteurin Sabine Nedelchev sagt: "Sie dürfen gespannt sein: Soviel Mode und Design hat diese Stadt noch nicht gesehen."

Mitarbeit: Carolin Neumann


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