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Jeremy-Scott-Kollektion: Adidas-Schuh löst Welle der Empörung aus

Ein Schuh im Shitstorm: Die Fußfessel eines neuen Adidas-Sneakers sorgt im Internet für Protest und Empörung. Von der neuen "Sklaverei-Linie" der Marke ist die Rede. Der Konzern zieht die Notbremse.

Von Jens Maier

Er ist der Liebling von Lady Gaga, Madonna und Rihanna: Für unzählige Stars hat Designer Jeremy Scott bereits extravagante Kleider kreiert. Einer seiner bekanntesten Entwürfe ist der futuristische, silberne Flugbegleiter-Dress, den Britney Spears in ihrem Video zum Song "Toxic" trägt. Von Karl Lagerfeld wurde er in der französischen Zeitung "Le Monde" als einziger möglicher Nachfolger für den Designerposten bei Chanel bezeichnet. Derzeit tobt der Amerikaner sich jedoch bei der Sportmarke Adidas aus. Seit Jahren hat er dort eine eigene Kollektion, entwarf unter anderem einen Trainingsanzug, der aussieht wie ein Frack oder extravagante Sportschuhe mit Flügeln oder Plüschtieren dran.

Doch Scotts jüngstes Design sorgt in den USA für Aufregung. Es ist ein lilafarbener Sportschuh, an dem Fußfesseln aus Gummi angebracht sind. Die Kreation wurde auf der Facebook-Seite von Adidas mit den Worten "Erhalte einen Schuh, der so heiß ist, dass du ihn an deine Knöchel schließen musst" vorgestellt. Doch der Sneaker hat bei vielen Usern Entsetzten statt Begeisterung ausgelöst. Der Vorwurf an Adidas lautet, mit dem Entwurf fatal an die Fußfesseln zu erinnern, die einst von Amerikas Sklaven getragen werden mussten.

Konzern entschuldigt sich

"Was ist das, die neue Sklaverei-Linie?", kommentiert Christopher Daniels das Foto des Schuhs. In mehr als 2000 Kommentaren haben Facebook-User ihrem Unmut Luft gemacht. Das Design sei anstößig, unangebracht und hässlich. Das Aussehen des Schuhs wird heftig kritisiert. "Warum sollte man Fesseln um seine Knöchel tragen wollen, die an die Zeiten der Sklaverei erinnern", schreibt Shakira Allen. Einige Kommentatoren fühlen sich auch an die Fußfesseln von Gefängnisinsassen erinnert. "Sorry, aber ich möchte lieber nicht wie jemand aussehen, der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen ist", schreibt Aamir Ali.

Die heftigen Reaktionen im Internet haben Adidas inzwischen dazu veranlasst, den Schuh nicht nur auf der Facebook-Seite zu löschen, sondern die für August geplante Markteinführung zu canceln. "Das Design des JS Roundhouse Mid (Anm. d. Red.: Name des Schuhs) ist nichts weiter als Jeremy Scott's extravaganter und einzigartiger Modestil und hat nichts mit Sklaverei zu tun", teilte Adidas mit. Der Schuh habe kritische, aber auch zustimmende Kommentare auf Facebook bekommen. "Wir entschuldigen uns dafür, dass Menschen sich durch das Design beleidigt fühlen und nehmen von unseren Plänen Abstand, den Schuh auf den Markt zu bringen."

Adidas löst Shitstorm aus

Mit dem Vorfall ist Adidas einer der Konzerne, die einen Shitstorm, eine Empörungswelle im Internet, ausgelöst haben. Ähnliches ist bereits anderen großen Unternehmen widerfahren. Nach einem Werbespot, in dem Basketballer Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst verspeist, fluteten Vegetarier und Veganer Anfang des Jahres die Facebook-Seite der Bank Ing-Diba. Der Henkel-Konzern löste 2011 einen Sturm der Entrüstung aus, als das von Usern auf den ersten Platz gewählte Design für das Spülmittel Pril übergangen wurde: ein Grillhähnchen. Der Siegerentwurf passte dem Hersteller nicht, die User fühlten sich verschaukelt und machten ihrem Ärger im Internet Luft.

Mit der Löschung des Schuhs von der Adidas-Facebook-Seite sind auch sämtliche Kommentare verschwunden. Bislang haben sich die User darüber noch nicht empört. Das muss aber nicht so bleiben.