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Lagerfeld-Interview: "Ich bin eingebildet und exzentrisch"

Wenn demnächst eine von Karl Lagerfeld für H&M entworfene Kollektion in die Läden kommt, dann ergibt sich die Haute Couture endgültig der Straßenmode. Ein Gespräch mit dem bekanntesten Designer der Welt.

Herr Lagerfeld, gibt es da niemanden in Ihrer Umgebung, der Ihnen rät: Karl, mach mal halblang?

Nee. Bei den meisten Männern macht das ja die Ehefrau. Bei mir übernehmen das die inneren Stimmen. Ich bin meine eigene Jeanne d'Arc.

Warum hat die Ihnen auch noch den H&M-Job aufgehalst?

Weil ich die Schweden klasse finde. Und weil ich an zwei Dinge glaube: an ganz teuer und an ganz preiswert. Echte Juwelen kombiniert mit falschen Klunkern - das ist die alte Idee von Coco Chanel.

Warum ist man bei H&M ausgerechnet auf Sie gekommen?

Die haben eine Umfrage gemacht: Wer ist der bekannteste Modedesigner der Welt?

Bei der Jugend sollen Sie besonders gut ankommen.

Der Witz ist ja, dass mein Look nicht besonders trendy ist. Der Look eines Niemand. Das schätzen die Jungen offenbar. Die Alten sind es, die mich hassen.

Warum wohl?

Weil sie bei meinem Anblick glauben, sie müssten sich jetzt auch Mühe mit ihren Bierbäuchen geben. Wenn man aber sein Leben lang gesoffen und geraucht hat, dann ist der nur schwer wegzubekommen.

War es Ihr Wunsch, als Model in der H&M-Kampagne aufzutreten?

Nein! H&M will mich auf den Plakaten, weil ich der Beweis dafür bin, dass man in diese Kleider überhaupt noch reinkommt. Das glaubt doch sonst kein Mensch.

Ihr liebstes Stück aus der H&M-Kollektion?

Ein schwarzer Cashmere-Rolli für 40 Euro. Der hat einen weißen Streifen am Kragen, das sieht schön gepflegt aus. Ich mag nicht gern schmuddelig sein.

Hat H&M Ihnen die Linie vorgegeben?

Das Einzige, was die mir gesagt haben: "Bitte kein Chanel!"

Keinerlei kreative Beschränkungen? H&M-Kleider müssen doch billig sein.

Preiswert, bitte! Preiswert. Passen Sie auf Ihre Worte auf! Billig klingt fürchterlich. Billig sind Leute. Dinge sind preiswert.

Also gut: Wie schafft man es, Ihr Abendkleid für 79,90 Euro zu verkaufen?

Die Kollektion wird aus H&M-Stoffen und in den eigenen Produktionsstätten genäht. Außerdem sind die Schweden genial. Die können alles machen.

Welche Existenzberechtigung hat dann noch die teure Prêt-à-porter-Mode?

Ich gebe zu: Es gibt zu viele teure Marken. Aber was Chanel angeht - so eine Qualität kann H&M sich niemals leisten. Wenn eine Jacke von denen nicht so lange hält, ist es dennoch kein Diebstahl - bei dem Preis.

Braucht die Mode den Star-Designer noch? Sie könne auf die "genialen Köpfe" gut verzichten, meint Kollege Giorgio Armani.

Das fragen Sie ausgerechnet mich? Selbst wenn ich denken würde, dass ich eine Riesennull bin, dann würde ich das für mich behalten. Ich denke es aber nicht. Und ich leide auch nicht an Selbstgefälligkeit. Ich bin äußerst klarsichtig.

Wie wird es Gucci ohne Tom Ford ergehen?

Die werden Mühe haben, ihren Kram noch loszuwerden. Leute wie er sind notwendig, sie geben der Branche Pep.

Miuccia Prada hat mal erwogen, eine No-Name-Kollektion zu entwerfen. Wäre das auch was für Sie?

Unsinn. Solche Ideen hat man nur, wenn man schon zu viel Erfolg hatte.

Als einstige Kommunistin hat sie sich vielleicht einige Ideale bewahrt?

Dann soll sie ihre Diademe ablegen und an die Armen und Bedürftigen abgeben.

Wie snobistisch ist es, sich bei H&M einzukleiden, wenn man sich teure Kleidung leisten kann?

Das ist invertierter Elitismus, so nenne ich das mal. Leider kann ich keine Sprache anständig sprechen, deshalb mixe ich alles von überall zusammen. Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix.

Ihr Hamburger Slang wird allerdings mit den Jahren immer deftiger.

Jeder soll wissen, dass ich von der Waterkant bin. Ich kann aber auch mit westfälischem Akzent sprechen. Der Vater meiner Mutter war Regierungspräsident in Westfalen.

Ein halber Schwede sind Sie auch noch.

Mein Vater war ein ganzer. Mit seiner Familie habe ich aber nichts zu tun. Die haben sich aus religiösen Gründen verkracht. Ich wurde zu Toleranz erzogen.

Und zu ganz gewaltigem Selbstvertrauen.

Ja. Ich bin so eingebildet, dass ich nicht mal darüber nachdenke, wie eingebildet ich bin. Ich habe keine Wahl, ich bin exzentrisch. Kennen Sie den Film "Das Kabinett des Doktor Caligari"? - Da gibt's den somnambulen Irrenhauspatienten und den Doktor. Ich bin die beiden zusammen.

Ihre multiplen Persönlichkeiten lassen Sie sich gut bezahlen. Steckt H&M wirklich zehn Millionen Euro in dieses Unternehmen?

Noch viel, viel mehr. Aber das ist eine Standpunktfrage. Man ist immer der Reichere von jemand Ärmeren und der Ärmere von jemand Reicherem.

Muss man immer so viel Geld nehmen, wie man kriegen kann?

Langweilige Sachen mache ich nicht umsonst. Für H&M hätte ich aber auch umsonst entworfen, das ist mir wichtig, das hat Aktualität. Schließlich tragen alle meine Mitarbeiter Sachen von H&M.

Es ist nicht lange her, da haben Sie über Claudia Schiffer gelästert: "Die Arme macht heute doch Werbung für Nachthemdchen zu 78 Franc."

Damit hat sie damals völlig Recht gehabt. Es tut mir leid: Was ich sage, ist nur gültig, wenn ich es gerade sage.

Bleiben Sie den Schweden erhalten? Oder ist die Zusammenarbeit eine einmalige?

Mal sehen. Ich will den Leuten nicht ständig auf die Nerven gehen. Aber es gibt Überlegungen, in den USA eine T-Shirt-Linie unter dem Namen "Karl" herauszubringen. Das hat mit H&M nichts zu tun.

Was sagen Ihre Chanel-Bosse, die Gebrüder Wertheimer, über Ihre Nebenerwerbe?

Toll finden sie die. Die wissen ja, dass es Mädchen gibt, die sich ein Kleid von Chanel nicht leisten können, aber einen Lippenstift, den können die bezahlen. Unsere Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Respekt. Ich mache die Kollektion, und die Wertheimers verkaufen sie. Ich bin der Strichjunge von denen.

Sie wurden neulich vor dem Hauptquartier von Asprey in London gesehen. Das gab Anlass zu Gerüchten.

Ja, ich darf nicht überall auf der Straße gehen. Wenn ich für Asprey arbeitete - das würde bei Chanel schon weniger gefallen. Obwohl in meinem Vertrag nichts von Exklusivität steht.

Wann endet Ihr Vertrag?

Wenn ich es will. Er läuft lebenslang.

Arbeiten Sie zu viel?

Das sind bloß Gerüchte. Bei pflichtbewussten Hysterikern kommt am Ende doch nichts heraus. Ich finde Leute entsetzlich, die nach der Arbeit zu Hause weiterbasteln. Heimarbeit mache ich nicht.

Werden Sie es nicht bereuen, nie ein eigenes Couture-Haus begründet zu haben?

Ich kann gar nichts bereuen, weil ich mich niemals daran erinnere, was ich einmal gewünscht habe. Ich bin wie eine Schultafel - alles, was nicht passt, wird ausgewischt.

Niemand gibt freudiger Auskunft als Sie - über KL erfährt man trotzdem nichts.

Da gibt es vielleicht auch gar nichts zu wissen. Ich bin doch kein Monstrum. Yoko Ono meinte neulich zu mir: Die Leute, die uns nicht kennen, halten uns für grauenhaft. In Wirklichkeit sind wir so schlimm gar nicht.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?

Liebe, Glück, das sind strapazierte Worte, man schämt sich ja, sie auszusprechen. Man kann ein bisschen dran arbeiten, ja, aber viele Leute glauben, es wäre eine moralische Verpflichtung, glücklich zu sein.

Welcher Weg führt zum Glück?

Man soll nichts vergleichen im Leben. Sich nicht mit anderen, auch nicht die Vergangenheit mit der Gegenwart.

Dirk Van Versendaal / print
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(