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Mailänder Modesommer 2006: Die Rückkehr der Romantik

Rüschen, Schleifen und Bordüren - die Designer greifen für die Saison Frühjahr/Sommer 2006 ganz tief ins zuckersüße Schmuckwerk. Romantik ist wieder in.

Als am Montag bei der Show von D&G der Vorhang aufging und den Blick auf Models in strahlendem Weiß freigab, kam die neue Romantikwelle in Schwung. Es wird gerüscht, gefranst und gebauscht, Tüll und Spitze kommen zum Einsatz. Die Zweitlinie des Mailänder Erfolgsduos Dolce & Gabbana, das in diesem Jahr seinen 20. Firmengeburtstag begeht, kokettiert mit einem Spiel aus Unschuld und Verführung.

Auch andere große Namen der italienischen Mode schickten zunächst ihre Nebenlinien ins Rennen. Roberto Cavalli nennt sein Produkt für die junge Frau Just Cavalli. Das Thema des Sommers 2006 heißt Mexico. Seine Basisfarbe ist Weiß, das der Designer aus Florenz dann mit Farben oder Stickereien verziert. Romantische Assoziationen wecken unter anderem seine kurzen, knackigen Baby-Dolls.

Armani setzt auf feminin-verspielt

Ohne Stars in der ersten Reihe keine Armani-Show: Der Mailänder Topdesigner manifestierte wieder einmal seinem Ruf als Lieblingsschneider der Reichen und Berühmten. Zu der Vorführung seiner jungen Emporio-Mode lud er sich die Fußballstars Figo, Kaká, Andrey Schewtschenko sowie Pop-Ikone Tina Turner ein. Armani ließ sich von der Lust am Feminin-Verspielten anstecken und zeigte lange plissierte Röcke die zu einem Fransenschal getragen werden oder akzentuierte Wildlederjacken mit Details aus Chiffon oder Seide.

Romantik, gebrochen mit einem Schuss maskuliner Würze: So lässt sich die Show von Dirk Bikkembergs beschreiben. Der Belgier deutscher Herkunft zog seine gerüschten, stufigen Baby-Doll-Kleider über Nadelstreifenhosen oder ließ sie mit einem Trenchcoat verschmelzen. Farblich bevorzugt er satte Karibiktöne.

Der Tanz als Leitmotiv bei Molinari

Rüschen, Fransen, Zipfel, Schleifen, Ketten - die Italienerin Anna Molinari schöpfte in ihrer Blugirl-Show das ganze Repertoire an süß-mädchenhaftem Schmuckwerk aus. Ihr Leitmotiv ist der Tanz, den sie in all seinen Facetten vorführte. Es begann mit am klassischen Ballett inspirierten, minikurzen Tutus und pudrigen Pastelltönen, lief über ein Westernthema mit Leder und Chiffon und endete schließlich Schwarz-Weiß-Silber beim Jazz.

Während die italienische Marke Byblos eine Volant-Interpretation aus Strick lieferte, ließ es Salvatore Ferragamo vor allem an Kleidervorderseiten wippen und die Träger unter einem Rüschenmeer verschwinden. Aber es gab auch Schleifen zum Strickkleid und lange um den Hals gewickelte Bänder.

Castiglioni variiert Volumen und Silhouetten

Marni gehört seit einigen Saisons zu den angesagtesten Modemarken Italiens mit einer eigenen, prägnanten Handschrift. Die Designerin Consuelo Castiglioni gibt der Kollektion immer mehr Anmut und Tiefe. Gekonnt variiert sie für den nächsten Sommer Volumen und Silhouetten. Hier ein loser Fall, dort eine Fixierung per Gürtel in der Taille und darunter ein ausgestellter Rock. Viele Stoffe werden roh und mit offenen Kanten verarbeitet, zum Beispiel bei Mänteln. Polos erhalten Puffärmel, die grafische Farbanordnung auf Kleidern lockert Castiglioni mit Falten, Schmucksteinen und Netzeinsätzen auf. Das Publikum honorierte die Qualität der Show mit einem begeisterten Applaus.

Axel Botur/DPA / DPA