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Men's Fashion Week: Paris zieht Männer an

Wenn es nach den Designern geht, bleibt für modische Männer im Winter 2004/2005 nur die Wahl zwischen den Extremen: Auf der Men's Fashion Week in Paris sah man entweder edle Anzüge oder wilde Multi-Kulti-Cowboys.

Eleganten britischen Chic, wie gemacht für prämienverwöhnte Investment-Banker, gibt es zur Zeit bei den französischen Herrenmodenschauen zu sehen. Nadelstreifen, Glenchecks, Streifenhemden und haufenweise Anzüge bestimmten das Bild zur Halbzeit der Schauen der Herrenmode für Herbst/Winter 2004/5 am Sonntag. Sportlich wirken Parkas mit Fellkapuzen, dicke Strickpullover und lange Schals.

Romanhelden bei Marc Jacobs

Marc Jacobs, einer der Stars bei den Pariser Modehäusern, trieb am Samstagabend in seiner Schau für die Luxusmarke Louis Vuitton den Trend auf die Spitze. Superelegant wirken seine schmalen, glänzenden Nadelstreifenanzüge und perfekten Smokings, seine ultraweichen Wollmäntel in schmeichelnden Grautönen und blütenweißen Hemden, die teils eingewebte Streifen zierten. Im Stil des Romanhelden Sherman McCoy aus "Fegefeuer der Eitelkeiten" kommen die athletischen Models mit streng nach hinten gegelten Haaren daher - reiche Managertypen oder Banker, die sich als "Master of the Universe" begreifen. In ihrer Freizeit tragen sie Satinparkas mit Pelzbesatz, edle Zopfpullover und gewagte Lederhosen mit dick gestepptem Rautenmuster.

Sonia Rykiel und ein Hauch von James Bond

Auch Sonia Rykiel zielt mit ihren Entwürfen auf den kosmopolitischen Vielflieger, unterstreicht allerdings dabei das sportliche Element. Skihosen, haarige Moonboots und Felljacken stehen neben schwarzen, leicht taillierten Dreiknopf-Anzügen und Kaschmirmänteln. Streifen sind auch hier ein starkes Thema, ob bei Strickteilen in Khaki- und Blautönen oder bei Anzügen. Ein Hauch von James Bond liegt über der Kollektion, und dem Film "Goldfinger" scheint der Goldanzug des Schlussbildes zu entstammen. Zu welcher Gelegenheit der weltgewandte Rykiel-Mann diesen allerdings anziehen soll, bleibt offen.

Dries van Noten: Einfach mal hängen lassen

Der Belgier Dries Van Noten aus Antwerpen liebt es gemütlicher - Eleganz ist jedoch auch hier ein großes Thema. Ein englischer Herrenhausbesitzer könnte sich in diesen schönen, sehr tragbaren Entwürfen wohlfühlen. Cordhosen, Glencheckanzüge oder -parkas und dicke Strickjoppen mit Rautenmuster sind in sanften Braun-, Grün- und Gelbtönen gehalten. Einige Entwürfe zieren feine Bordüren. Flauschige Mäntel und lange Schals trotzen dem Winter. Und wenn es mal formeller wird, verheißt ein sich durch die Kollektion ziehendes Detail dennoch Entspannung: Die Hosenträger von Van Notens Beinkleidern hängen gelöst herab.

Yamamoto und das neue, wenn auch ungewohnte Ganze

"Seit Beginn meiner Karriere habe ich Mode immer ganz grundsätzlich in Frage gestellt", hat der Designer Yohji Yamamoto kürzlich in einem Interview gesagt. Auch diesmal fallen die Entwürfe aus dem Rahmen: Kastige Manteljacken, hochgekrempelte Hosen, Cowboygürtel und Lederbänder vereinen kulturelle Versatzstücke zu einem neuen Ganzen. Knallrote Hemden und dicksohlige breite Schuhe mit Leopardenmuster wirken wie aus einem Witzblatt entsprungen. Der schneidermäßige Eindruck von Yamamotos grauen Wollmänteln und -jacken wird durch riesige Knöpfe und schräg hochgerollte Säume wieder durchbrochen. Nichts für Investmentbanker also, doch die werden ja bei genügend anderen Designern fündig.

Paul Smith schneidert militärische Mäntel

Der Designer Paul Smith ersetzte in seiner Schau am Sonntagabend Anzugjacken durch leicht militärisch anmutende Mäntel und huldigte im übrigen englischer Schneiderkunst. Schmale Glencheck-Hosen in Grau und hellen Brauntönen werden zu lilafarbenen Hemden kombiniert, Nadelstreifenanzüge variieren in der Streifenbreite zwischen Hose und Jacke. Weit und bequem schneidert der Brite dicke Wollhosen für ein Marinethema, dazu passen cremefarbene Troyer mit Ankermotiv. Am Abend trägt der Smith-Kunde leuchtend rote Samtjacken zu Jeans.

Hermès: Luxus pur

In babyweichem Kaschmir schwelgt das Pariser Haus Hermès. Leichte Rollkragenpullover und dicke Strickjacken garantieren Luxus pur auch in der Freizeit. Schwarze Hemden aus Seidenjersey fließen am Körper entlang, dazu gibt es Trenchcoats aus Hirsch- und Blousons aus Kalbsleder. Die Farben geben sich gedeckt: Aubergine, Lavendel, Café, Marineblau und Schwarz.

Helmut Lang ganz ordentlich

Helmut Lang zeigte eine formelle Mode in "glasklarer Linie" mit dunkelblauen Blazermänteln und schlanken Anzügen mit leichter Taillierung. Schwarze Hemden werden Ton in Ton zu Krawatten kombiniert. Selbst die Jeans und die kupferfarbenen Ledermäntel wirken "ordentlich": Schneiderkunst sticht Schlampigkeit. Einzige Reminiszenz an provokantere Zeiten: lange Metallketten für Hundehalter, die von den Entwürfen herabhängen.

Stefanie Schütte, DPA / DPA