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Mode: Die No-Go-Trends

Dass viele Teile einer Laufsteg-Kollektion nicht straßentauglich sind, ist weithin bekannt. Dennoch finden einige Trends ihren Weg auf die Straßen - und das ist nicht selten verheerend für die Trägerin.

Von Claudia Pientka

Zwischen Modeschauen und Frauen verhält es sich wie zwischen Bundestagswahlkampf und Wählern: Auf grell erleuchteten Bühnen werden lebenswichtige Innovationen vorgestellt und versprochen - und wenn sie dann im Alltag ankommen, sind die großen Ideen zu armseligen Kompromissen verkümmert. Doch während das in der Politik meist traurig ist und zu Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Lösungen wie dem Dosenpfand führt, kann eine abgespeckte Version in der Mode von Vorteil sein. Denn statt durchsichtiger Lingerie-Look-Abendkleider hängen bei H&M Spaghetti-Oberteile mit einem Hauch Spitze, Zara verkauft keine fluffigen Ballonkleider, sondern nur leicht-voluminöse Röcke, und vom üppigen Ethno-Look bleiben bei C&A nur bestickte Westen übrig. Im Gegensatz zur Politik kommt bei der Mode also etwas Tragbares heraus - und nichts schwer zu Ertragenes.

Nur manchmal, in seltenen Fällen, schummeln sich avantgardistische Modetrends auf die Kleiderbügel der Kaufhäuser. Vorgestellt von einem trendigen Designer wie Marc Jacobs, erstmals getragen von einem durchgeknallten Promi wie Lindsay Lohan versuchen sie die Straßen deutscher Großstädte zu erobern. Doch Obacht: Zu leicht lässt sich das trendbewusste Fashion-Victim in die Mode-Falle locken, und eh es sich versieht, stolziert es in grauen Wollstrümpfen und pinkfarbener Frottee-Schirmmütze durch die Kassler Innenstadt - mitleidig beobachtet von seinen Mitmenschen.

Was haben sie sich dabei gedacht?

Auch beflissene Modemagazine sind bei der Auswahl unkonventioneller Laufsteg-Looks keine echte Hilfe. Schließlich stülpen sie ihre exklusiven Stücke hübschen Mädchen über, die selbst in einer Kittelschürze aus Polyester noch verrucht aussehen. Und Hollywood-Stars sollte Frau Normalverbraucher nur mit Argusaugen als Vorbild betrachten. Eine Armee von Statisten hat vorher deren Look erarbeitet - und der funktioniert auch nur auf einer bestimmten Party mit einem ausgesuchten Begleiter und im Blitzlicht der Fotografen. Geht's schief, findet sich der Promi unter einer der vielen "Was haben Sie sich dabei gedacht?"-Glossen wieder - und der Stylist auf dem Arbeitsamt.

Um stern.de-Leserinnen die Schmach eines solchen Mode-Faux-Pas zu ersparen, demaskieren wir hier die unvorteilhaftesten, unkleidsamsten Modetrends - alle gefunden an mageren Modelkörpern, getragen von gestandenen Stars und bejubelt von Hochglanz-Modezeitschriften. Die No-Go-Trends Frühjahr/Sommer 2006.

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