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Zwischen XS und XL Mode für kleine Frauen – oder wie ich es nenne: "Reste shoppen"

Kleine Frauen finden oft keine passenden Sachen
Mode für kleine Frauen gibt es viel zu selten, behauptet unsere Redakteurin
© ronstik / Getty Images
Würde jede Frau der Norm entsprechen, gäbe es keine Probleme beim Kleiderkauf. Dem ist jedoch nicht so, das weiß unsere Autorin ganz genau: Mit einer Körpergröße von 1,57 Metern wühlte sie sich in den letzten Jahren durch unzählige Kleiderberge – in der Hoffnung, etwas Passendes zu finden. 

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Ich mag ein wandelndes Klischee sein, wenn es um das Thema Shopping geht, aber es stimmt: Ich liebe es. Ich probiere gerne neue Sachen an, lasse mich von Modetrends inspirieren, durchstöbere Second-Hand-Läden oder gehe einfach nur so mit meiner besten Freundin bummeln. Ohne Ziel. Weil es uns Spaß macht und wir uns gemeinsam freuen, wenn wir das eine oder andere Schätzchen finden konnten. Egal, ob neu oder gebraucht. Was ich jedoch hasse und mich schon so oft verzweifeln ließ, sind die Kleidergrößen. Wie oft ich etwas traumhaft Schönes an einer Kleiderstange gesehen und es verliebt anprobiert habe – nur um festzustellen, dass ich zu klein dafür bin, kann ich schon gar nicht mehr aufzählen.

Bin ich zu kurz oder zu breit?

Was ich für mich herausgefunden habe: Ich entspreche nicht der Norm, da ich zwar 157 Zentimeter groß bin, aber trotzdem – nennen wir es mal "weibliche Rundungen" – habe. Was übersetzt bedeutet: Meine kurzen Beine brauchen eine Hose in einer kleinen Größe, also S, nur leider passen meine Hüfte und (entschuldigen Sie die Ausdrucksweise) mein breiter Arsch nicht in die entsprechenden Modelle rein. Und umgekehrt das gleiche Spiel: Ziehe ich eine M oder L an, passt die Hose obenrum. Nur muss ich die Beine dann leider dreimal umschlagen, bis sie auch in der Länge sitzen. Sie können sich bestimmt vorstellen, wie das am Ende aussieht. Für mich bedeutet das jedoch: Ich probiere in etwa drölftausend unterschiedliche Modelle an und kaufe am Ende entweder eine "die passt so lala"-Jeans oder gar nichts. Blöd für mich, blöd für die Modeindustrie.

Unten pfui, oben hui? Von wegen!

Als wäre der Hosenkauf nicht schon frustrierend genug, sieht es obenrum nicht anders aus: Auch hier bräuchte ich – in Anbetracht meines kurzen Oberkörpers – eigentlich Kleidergröße S. Aber die Natur meinte es gut mit mir und schenkte mir einen üppigen Busen (Danke, Mama). Was unweigerlich dazu führt, dass ich eigentlich Kleidergröße L oder XL bräuchte, damit mein Vorbau in einem Kleiderstück genug Platz hat. Auch wenn mir der Oversize-Look an der einen oder anderen Stelle sicherlich in die Hände gespielt hat, weil ich einfach mal Sachen anziehen konnte, die augenscheinlich zu groß waren. So stand ich doch schon mindestens genauso oft kopfschüttelnd vor dem Spiegel, fassungslos, wie grässlich das viel zu große Oberteil an mir ausgesehen hat. Als würde ich einen Getreidesack tragen. So musste ich auch hier schon diverse Niederlagen in Kauf nehmen und das heißgeliebte Kleidungsstück mit einem weinenden Auge zurückgeben.

Ein Leidensweg: zwischen XS und XL

So gerne ich auch neue Modekollektionen verfolge, so musste ich doch schnell akzeptieren, dass es für mich als kleine Frau sehr schwer ist, mit dem Trend zu gehen. Ganz einfach, weil mir die meisten Kleider nicht passen. Stattdessen habe ich eine andere Möglichkeit gefunden, meinen Modedurst zu stillen: Ich wühle mich durch die Restposten. Tatsächlich ist mir im Laufe der Zeit aufgefallen, dass am Ende einer Saison immer die Kleidungsstücke überbleiben, die nicht der Norm entsprechen – genauso wie ich. Das bedeutet, dass die Teile nicht so sitzen, wie sie sitzen sollten. Eine XS, die eher wie eine L ausfällt, oder eine XL, die eher wie eine S ausfällt, ist für viele normalgroße Frauen ein Graus. Aber für mich sind sie perfekt! Ich habe über diesen Weg schon so viele tolle Kleider ergattern können, die mir anfangs zu klein oder zu groß erschienen, ich sie aber trotzdem einfach mal auf gut Glück mit in die Umkleide genommen habe. Und siehe da: sie haben gepasst! Und das Beste daran ist, dass die meisten Teile meistens auch noch reduziert waren, da sie keiner haben wollte. Punkt für mich. Auch wenn ich jetzt fast nur noch Kleidungsstücke besitze, die sich zwischen XS und XL bewegen. 

Es gibt Hoffnung: ein Hoch auf Stretch

Ich möchte demjenigen die Füße küssen, der auf die Idee gekommen ist, Stretch zu verarbeiten. Kurz zur Erklärung, falls Sie mit dem Begriff nichts anfangen können: Dabei handelt es sich um ein synthetisches Gewebe, das sehr dehnbar ist. Wird es in einer Jeans beispielsweise verarbeitet, gibt das Material nach, wenn man es trägt. Sprich, ich kann plötzlich wieder Hosen in meiner Größe tragen, die sowohl an den Beinen sitzen als auch an der Taille, am Bauch und am Po. Wie toll ist das denn? Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass Stretch minderwertiger als Baumwolle oder echter Jeansstoff ist, aber ganz im Ernst: Bevor ich aussehe, als würde ich in der Kinderabteilung einkaufen oder so enge Hose tragen, dass mein Bauch darüber quillt wie ein aufgehender Hefeteig, nehme ich das durchaus in Kauf. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Oberbekleidung: Auch hier hat die Modeindustrie erkannt, dass Stretch in T-Shirts und Pullovern durchaus sinnvoll sein kann. Also vielen Dank dafür, Ihr habt eine kleine Frau damit sehr glücklich gemacht!

Gibt es Mode für kleine Frauen wirklich?

Als die ersten Onlineshops mit ihren "Petite"-Kollektionen geworben haben, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Sollte tatsächlich jemand die Problematik erkannt und eigens für kleine Frauen eine eigene Modelinie entworfen haben? Ich konnte mein Glück kaum fassen. Nachdem ich mich mit den Kleidungsstücken näher befasst hatte, wurde mir schnell klar, dass "Petite" wirklich nur für "Klein" steht. Die Mode ist insgesamt kürzer gehalten, indem weniger Stoff verarbeitet wurde – und doch zielen die Sachen wieder nur auf weibliche Figuren ab, die der Norm entsprechen. Was bedeuten soll: Kleine Frauen sind automatisch schlank, haben eine schmale Taille und eine kleine Oberweite. Also komme ich wieder nicht infrage. Es sei denn, das Material enthält Stretch. Aber wenn ich ehrlich bin, stört mich das inzwischen auch nicht mehr. Natürlich ist es schade um das eine oder andere Kleidungsstück, andererseits hat mich meine eigene Shoppingtaktik zur einer echten Schnäppchenjägerin gemacht. Und damit kann ich durchaus leben.

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