Oscar-Trend Schwarz-rote Bekenntnisse


Die Hollywood-Diven rauschten bei der 80. Oscar-Verleihung vor allem in den Farben Rot und Schwarz an. Manche zeigte stolz ihren Babybauch, andere offenbarten in ihren Glamour-Roben Geheimnisse, die nicht ganz so offensichtlich sind. Welche, das verrät ein Trendforscher auf stern.de.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Die Kindchen-Masche zieht nicht mehr! Frauen, die ernsthaft denken, sie könnten in Sachen Mode mit Löckchen, Rüschchen und rosafarbenen Handtäschchen punkten, wären wohl auch bereit zu glauben, dass Paris Hiltons Chihuahua-Hündin einen IQ von 142 hat. Vielleicht kommt man damit noch in der Schmetterlinge-im-Bauch-Phase voran, und es gibt einen Restposten an Männern, bei denen die ach so niedliche Tour zieht. Das war es dann aber auch. Ansonsten, werte Damen, gilt: Blick nach Hollywood. Denn dort zeigt sich die Frau, wenn sie Eindruck schinden will. Eigentlich wurden in Los Angeles am Sonntag die Oscars verliehen, was eine hübsche Sache ist, aber tatsächlich ist die Hysterie um das goldene Männchen der Anlass überhaupt, um einen pompösen Auftritt in Abendrobe hinzulegen. Und die Kleider der Hollywood-Diven verraten so manches Geheimnis über ihre Trägerin.

Was dieses Jahr besonders auffiel, waren die Farben der Glamourgewänder. Man fühlte sich an ein Roulettespiel erinnert, denn fast alle Aktricen kamen in Rot und Schwarz. Dazwischen gab es nur wenig andere Farbbekenntnisse. Zum Lager der Schwarz-Liebhaberinnen zählten Nicole Kidman, Ellen Page und Hilary Swank. In knalligem Rot rauschten Heidi Klum, Katherine Heigl und Anne Hathaway über den ebenfalls roten Teppich. "Die Farben der Macht", erklärt Axel Venn, Trendforscher und Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, diesen Trend. "Diese Menschen wollen Macht demonstrieren, unabhängig davon, ob sie wirklich so viel Macht haben oder nur vorgeben diese Macht zu haben." Ein Exkurs in die Historie zeigt: An Königshäusern wie beispielsweise am Hof des spanischen Königs Philipps II. war Schwarz dem Einflussreichsten vorbehalten. Die Farbe Rot spielte unter anderem bereits bei den Römern eine wichtige Rolle und zeichnete auch da Machtinhaber aus. In der Kombination Rot-Schwarz kommt ein, wie Venn sagt, "umstürzlerischer Charakter" hinzu: "Man denke nur an die Flaggen der Freimaurer."

"Kleine Verzweiflungstaten"

Während Rot laut Farbexperte Venn auch auf Chaos, Leidenschaft und Gewalt hindeute, werde Schwarz vor allem mit Ernsthaftigkeit assoziiert. Auf die Red-Carpet-Show bei den Oscars übertragen würde das, wie Venn sagt, heißen: "Leute, es ist zwar alles nur ein Spiel, aber wir nehmen es wahnsinnig ernst." Die Stars würden sich selbst Wichtigkeit verleihen wollen. "Je länger die Schleppe, je verschwenderischer der Stoff, je tiefer der Farbton, desto mehr will die Trägerin zeigen: Guckt mich an und nehmt mich bitte, bitte ernst", sagt Venn. "Durch diese Roben wollen sich die Trägerinnen aufwerten. Ich denke, es sind kleine Verzweiflungstaten." Was wohl Heidi Klum zu dieser Einschätzung sagen würde? Trug sie doch eines der glamourösesten und rötesten Kleider des Abends und unterstrich ihren Auftritt noch mit einer beeindruckenden Schärpe.

Ganz anders die Deutung der Farbe Schwarz. Die so genannte "Nicht-Farbe" wird auch "Shelter-Color" genannt, zu Deutsch "Schutzfarbe". "Ein Hinweis darauf, dass niemand so recht Farbe bekennen will", sagt Venn. Auch Weiß zählt zu den Nicht-Farben und war beispielsweise an Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard zu sehen. "Man will die Unschuld inszenieren und ist doch weit davon entfernt", beurteilt Venn.

Trend zum Babybauch

Unter Modeexperten gilt die Glamour-Roben-Show bei den Oscars als "eigenes Thema" wie Elke Giehse vom Deutschen Mode-Institut (DMI) in Köln sagt. "Bei den Oscars werden keine modischen Trends gesetzt." Dass viel Rot getragen wurde, sei eine Hommage an den italienischen Modeschöpfer Valentino, bei dessen Jubiläums-Schau viele rote Entwürfe gezeigt wurden. "Den einzigen Trend, den ich erkennen kann, ist der Trend zum Babybauch unterm Abendkleid", sagt Giehse. Die Bald-Mamas Nicole Kidman, Cate Blanchett und Jessica Alba haben schließlich gezeigt: schwanger plus Glamour - kein Problem.

Ob man sich als Modemacher von den Roben inspirieren lässt? "Nein", sagt Ingo Brack, Art Director an der Modeschule Esmod in München. "Aber wir gucken uns die Show am Red Carpet sehr gerne an", sagt er. "Und darum geht es doch eigentlich bei den Oscars, um die Frisuren, den Schmuck und die Klamotten - oder glaubt noch irgendwer, dass es um Filme geht?"


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