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Roberto Cavalli im stern: Die schwere Kindheit des Partykönigs

Bislang hat er geschwiegen, um sein Glamour-Image nicht anzukratzen. Im stern-Interview packt Modemacher Roberto Cavalli aus und erzählt von seiner schweren Kindheit nach der Ermordung seines Vaters durch die deutsche Wehrmacht.

Der als Partykönig bekannte Modemacher Roberto Cavalli blickt auf ein nicht immer glitzerndes Leben zurück. In der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern erzählt der 69-jährige Italiener von seiner Jugend in Armut und Einsamkeit. Sein Vater, Giorgio Cavalli, wurde als Zivilist im Juli 1944 von deutschen Wehrmachtssoldaten erschossen.

"Als die Soldaten im Morgengrauen kamen", berichtet Cavalli über seinen Vater, "versteckte er sich nicht, er lief nicht davon." Später wurden die Männer des toskanischen Dorfs Cavriglia unterhalb der Pfarrkirche erschossen und anschließend verbrannt. "Wir haben seine Leiche nie gefunden", so Cavalli. Die folgenden Jahre verbrachte er mit seiner Mutter und seiner Schwester in ärmlichen Verhältnissen am Stadtrand von Florenz. "Meine Kindheit hat mich mit großen Sehnsüchten gefüllt."

Erst heute erzählt Cavalli freimütig über die dunklen Momente seines Lebens. Bislang fürchtete er um seine Außenwirkung als "brillanter Showman" und "Liebhaber der Nacht, der Musik, der Frauen", wie er es selbst im stern beschreibt. "Dass all dies so nicht stimmt, durfte ich nicht aussprechen, denn sonst wäre mein Image zu Bruch gegangen."

Die Deutschen wolle er nicht anklagen, sagte er außerdem dem Magazin. "Ich hasse nicht die Deutschen, vielleicht aber die deutsche Sprache", schließlich seien die letzten Worte, die sein Vater vernommen habe, deutsche Worte gewesen. Dass er als zweite Frau ausgerechnet eine Österreicherin ehelichte, betrachtet er als Ironie des Schicksals. "So ist das Leben. Aber wir sprechen Italienisch miteinander."

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