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Nord-Süd-Dialog: Flotte Mädels für den Partykönig

Neue Details aus dem Sponsoringbiotop: Eventmanager Manfred Schmidt besorgte für Olaf Glaeseker zu Weihnachten einen Crosstrainer für 3531 Euro. Glaeseker organisierte ihm Hostessen.

Vons Hans-Martin Tillack

Seit am Mittwoch der Bericht des Landesrechnungshofes (LRH) von Niedersachsen bekannt wurde, ist es amtlich: Der damalige Ministerpräsident Christian Wulff und vor allem dessen damaliger Regierungssprecher Olaf Glaeseker unterstützten einen privatwirtschaftlichen Lobbyevent des Partykönigs Manfred Schmidt im Dezember 2009.

Weil Schmidt zugleich Glaeseker und dessen Frau Vera immer wieder zu Urlaubsaufenthalten auf Anwesen in Südeuropa einlud, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover schon seit Januar wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der Bestechung gegen Olaf Glaeseker und Manfred Schmidt.

Schmidt und Glaeseker schweigen

Jetzt kommt auch ein bisher unbekanntes Detail des Gebens und Nehmens zwischen Wulff-Freund Schmidt und Wulff-Helfer Glaeseker ans Licht. Zu Weihnachten 2008 ließ Schmidt für Glaeseker eine teure Überraschung bestellen: einen Crosstrainer für 3531 Euro. Das geht aus Unterlagen hervor, die stern.de vorliegen. Am 24. Dezember 2008 ließ Schmidt die Summe von seinem Konto bei der Schweizer Bank UBS an den Lieferanten überweisen. Einen Tag zuvor fragte eine Schmidt-Helferin ihren Chef per Mail: "Soll das Gerät zu Olaf und Vera an die Privatadresse nach Wunstorf-Steinhude geschickt werden?" Schmidt antwortete wenige Minuten später: "JAAA". Und etwas später fügte er hinzu: "ich möchte, dass das Gerät schnellstmöglich bei Olaf und Vera ankommt!!!!" Die Helferin informierte noch am selben Abend: "Crosstrainer wird jetzt wie mit Olaf besprochen am 12. 01. 09 geliefert, da er wahrscheinlich am 30.12. schon in Berlin ist."

War das als ein Dankeschön für Glaesekers Einsatz für Schmidt-Events gedacht, etwa bei dem Nord-Süd-Dialog Anfang Dezember 2008 in Stuttgart? Sowohl der Eventmanager wie der ehemalige Wulff-Sprecher ließen durch ihre jeweiligen Anwälte erklären, dass sie sich wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht äußern wollten.

"Beachtlicher Überschuss"

Der Landesrechnungshof Niedersachsen hat jetzt am Beispiel des Nord-Süd-Dialogs 2009 im Detail Vorwürfe zum Verhältnis Schmidt-Glaeseker bestätigt, die der stern bereits im Januar publik gemacht hatte. Glaeseker, so hielt es der Rechnungshof fest, "bemühte sich intensiv um die Einwerbung finanzkräftiger Sponsoren" und um "möglichst günstige Vertragsbedingungen für Herrn Schmidt". Glaesekers Anwalt wollte sich auch dazu nicht äußern.

Die Hilfe war durchaus zu Schmidts finanziellem Nutzen. "Die eingeworbenen Sponsorbeiträge deckten nicht – wie bei Landesveranstaltungen – nur die Kosten der Veranstaltung, sondern ermöglichten auch einen beachtlichen Überschuss des Veranstalters", so der Prüfbericht. "Im konkreten Fall wurden nach Erkenntnissen des LRH Sponsorbeiträge in Höhe eines hohen sechsstelligen Euro-Betrags eingeworben."

Attraktive MHH-Studenten

Glaeseker war überdies, so der Rechnungshof, "aktiv daran beteiligt", dass die landeseigene Medizinische Hochschule Hannover (MHH) 44 studentische Hilfskräfte für die Ausrichtung von Schmidts Nord-Süd-Dialog abstellte. Die Kosten von 8209 Euro stellte die Hochschule erst im Januar diesen Jahres Schmidt in Rechnung – der bis heute nicht bezahlt habe. Noch im Dezember 2009 hatte Glaeseker der MHH laut Rechnungshof mitgeteilt, sie selbst habe den Aufwand zu tragen – was die Hochschule damals akzeptierte, weil man dort glaubte, es handele sich um eine Veranstaltung des Landes.

Ein stern.de vorliegender Mailwechsel zeigt, wie Glaeseker seinerzeit gegenüber einer Schmidt-Mitarbeiterin damit prahlte, dass er die Studenten als Helferlein gewonnen hatte: "Ist ein Angebot für ein Sachsponsoring", schrieb Glaeseker am 7. Oktober 2009. Er habe darüber mit dem MHH-Vizepräsidenten gesprochen: "Er würde seine Jungs und Mädels (sollen alle sehr gut und attraktiv sein) für Nord/Süd kostenfrei zur Verfügung stellen."

"Garderobe, Wegweiser, Give-away?"

Schmidts Assistentin fragte darauf per Mail nach, für welche Aufgaben sie die jungen Leute einsetzen könne: "Auch Garderobe, Wegweiser, Give-Away-Verteiler etc?" Darauf Glaeseker: "Was die Jungs und Mädels genau alles können, weiss ich nicht."