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Wer steckt hinter... ...Maharishi-Ayurveda?


Seine Anhänger nenen ihn "Seine Heiligkeit", er selbst hat sich Maharishi Mahesh Yogi genannt: der Erfinder der Ayurveda-Methode.
Von Eva-Maria Schnurr

Erinnert sich noch jemand an die "Yogischen Flieger"? Diese merkwürdigen Typen, die in Wahlkämpfen der 90er Jahre im Schneidersitz auf dicken Matten herumhopsten, den Weltfrieden versprachen und für die "Naturgesetzpartei" warben? In die Luft gingen sie dank Mahesh Prasad Varma, Künstlername Maharishi Mahesh Yogi. Genauer gesagt: dank dessen transzendentaler Meditation (TM).

Zweimal am Tag 20 Minuten lang ein geheimes Mantra-Wort vor sich hin murmeln - und schon sinkt die Kriminalitätsrate, die Volksgesundheit steigt, und globale Glückseligkeit rückt nah. Das versprach der Mann mit dem weißen Bart und dem wallenden Haar. Der Maharishi hatte TM schon 1957 im indischen Madras entwickelt, eine "geistige Erneuerungsbewegung" mit bis heute etwa sechs Millionen Anhängern. 1985 erweiterte der Guru seine Mission: Er entdeckte die alte indische Heilkunst Ayurveda für seine Zwecke und ließ sich "Maharishi Ayurveda" als Marke schützen.

Riesenprofit mit NGO

Als einer der Ersten brachte er damit Ayurveda in die westlichen Industriestaaten. Dreist behauptete der Guru, er habe die Heilkunst vor dem Vergessen gerettet - was nicht stimmt, denn in Indien war Ayurveda nie tot. Doch Maharishi verknüpfte Ayurveda mit seiner Meditation. Und machte, vermutlich, ein Riesengeschäft. Konservative Schätzungen taxierten den Wert seiner offiziell als Non-Profit-Organisation geltenden Weltfriedensbewegung im Jahr 2001 auf 3,3 Milliarden Euro. Massageöle, Medikamente und CDs spülen ebenso Geld in die Kasse wie Lizenzgebühren und ein Fernsehsender mit gebührenpflichtigen TM-Kursen.

Ob der angeblich studierte Physiker und Mathematiker davon allerdings noch etwas hat, ist unklar. Öffentlich zeigte er sich das letzte Mal vor 15 Jahren; falls er noch lebt, dann wohl in einem Aschram bei Maastricht. Sein Alter wird mal mit 86, mal mit 91 oder 96 angegeben. Aber eigentlich ist das auch egal, er behauptete oft genug, unsterblich zu sein.

Umstrittene Wunderwaffe

Dem können angeblich auch Normalsterbliche näher kommen: in Maharishi-Gesundheitszentren, von denen es vier in Deutschland gibt, und bei Ayurveda-Ärzten der Maharishi-nahen Deutschen Gesellschaft für Ayurveda. "Den Alterungsprozess umkehren" heißt vielversprechend das Buch der Ärztlichen Leiterin der noblen Maharishi-Ayurveda-Kurklinik in Bad Ems.

Doch die Wunderwaffe TM ist umstritten: Schon 1989 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass man die TM-Bewegung eine "Psychosekte" nennen darf. Sektenbeauftragte warnen, dass diese Art der Meditation sensible Patienten seelisch und finanziell abhängig machen könne - und letztlich Abzocke sei. Ananda Chopra, leitender Arzt an der unabhängigen Ayurveda-Klinik in Kassel, erklärt: "Auch unter den Vertretern des Maharishi-Ayurveda gibt's durchaus gute Ärzte. Das Problem ist die enge Verbindung von Ayurveda und transzendentaler Meditation."

Genau informieren, rät deshalb Iris Hüttner, Ayurveda-Beauftragte des Deutschen Wellness Verbands: nach der Ausbildung des Ayurveda-Therapeuten fragen - und sich nicht alles aufschwatzen lassen. Sonst droht Enttäuschung wie bei John Lennon. Der schrieb nach seinem Besuch beim Maharishi das Lied "Sexy Sadie", das ursprünglich "Maharishi" hieß. Ein Textauszug: "Was hast du getan? Du hast uns alle zum Narren gehalten!"

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