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Nach "X-Men"-Regisseur Singer: Schauspieler Egan wirft weiteren Hollywoodbossen Missbrauch vor

Existiert in Hollywood ein geheimer Sexring? Das behauptet der Anwalt von Michael Egan. Der Schauspieler beschuldigt nach "X-Men"-Regisseur Bryan Singer drei weitere Hollywood-Macher des Missbrauchs.

Von Frank Siering, Los Angeles

Michael Egan beschuldigt mehrere Hollywood-Bosse des sexuellen Missbrauchs. "X-Men"-Regisseur Bryan Singer hat die Anschuldigungen gegen sich bereits als "absurd und rufschädigend” bezeichnet und Gegenklage angekündigt.

Michael Egan beschuldigt mehrere Hollywood-Bosse des sexuellen Missbrauchs. "X-Men"-Regisseur Bryan Singer hat die Anschuldigungen gegen sich bereits als "absurd und rufschädigend” bezeichnet und Gegenklage angekündigt.

In Hollywood gibt es dieser Tage nur ein Thema: Existiert seit Jahren wirklich ein geheimer Sexring in Tinseltown? Einer, in dem sich mächtige Hollywood-Macher an kleinen unschuldigen Jungen vergehen? Dieses Bild jedenfalls zeichnet der selbst nicht ganz unumstrittene Star-Anwalt Jeff Herman aus Florida.

Er war es, der im Namen seines Mandanten, dem heute 31-jährigen Schauspieler und Model Michael Egan, erst kürzlich eine Sexklage gegen den Star-Regisseur Bryan Singer (“X-Men: Zukunft ist Vergangenheit”) eingereicht hatte.

Demnach soll Singer Egan als Minderjährigen sexuell missbraucht haben. Der Regisseur feuerte über seinen Anwalt und in einer Flut von Pressemitteilungen sofort zurück und sprach von Rufmord und "völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen". Singer droht mit einer Gegenklage.

Mehrfacher Missbrauch

Am Montag legte der Anwalt Herman jedoch mit drei weiteren Sexklagen nach. Und das erneut im Four Seasons in Beverly Hills, ausgerechnet in jenem Hotel, in dem jedes Jahr unzählige Pressetermine für die Bewerbung von Kinofilmen abgehalten werden und in dem auch schon Bryan Singer in der Vergangenheit mehrfach den Medien Rede und Antwort gestanden hatte.

Erneut werden drei mächtige Hollywood-Macher beschuldigt. Diesmal wirft Herman Garth Ancier, David Neuman und Gary Goddard vor, seinen Mandanten Egan sexuell missbraucht zu haben.

Der Klageschrift ist zu entnehmen, dass Ancier Egan mehrfach gezwungen haben soll, ihn oral zu befriedigen. Damals sei Egan 15 Jahre alt gewesen. Die mutmaßlichen Tatorte waren eine Villa im kalifornischen Encino und zwei Jahre später eine Residenz auf Hawaii. Goddard und Neuman werden mit ähnlichen Anschuldigungen in der Klage konfrontiert.

Anwalt spricht von geheimem "Sexring"

Egans Anwalt, der in der Vergangenheit wegen einiger unseriöser Machenschaften in einem Krimnalfall in Florida in die Kritik geraten war, behauptet, die in der neu eingereichten Klage erwähnten Hollywood-Manager seien Teil eines geheimen "Sexrings", der jahrelang sein Unwesen trieb.

Die beklagten Männer sind renommierte Hollywood-Größen. Ancier war verantwortlich für die "Ricki Lake Show", war Boss der Fox Entertainment Gruppe und produzierte die TV-Serien "21 Jump Street", "Die Simpsons" und "Eine schrecklich nette Familie".

Neuman ist ein ehemaliger Präsident von Disney TV und einstiger Programmchef von CNN. Goddard hat diverse Off-Broadway-Theaterstücke produziert und ist ein bekannter Filmemacher.

Klagen kommen auf den letzten Drücker

Während der Pressekonferenz im Four Season Hotel war auch die Mutter von Michael Egan, Bonnie Egan, anwesend. Sie weinte ungehemmt vor laufenden Kameras, als sie versuchte den anwesenden Reportern zu erklären, warum sie ihren damals minderjährigen Sohn unbeaufsichtigt zu diversen Hollwood-Parties gehen ließ und offensichtlich auch kein Problem damit hatte, dass ihr Sohn mit erwachsenen und ihr unbekannten Männern eine Ferienreise nach Hawaii antrat. Sie sagte, dass die mutmaßlichen Sexualtäter “nett und freundlich schienen”.

Die Klagen wegen der viele Jahre zurückliegenden angeblichen Vergehen wurden in Hawaii quasi im letzten Moment eingereicht. Die Frist dafür endet an diesem Donnerstag. Die Details aus der Klageschrift sind erschreckend. Von Ejakulation in die Körperöffnungen des Klägers ist die Rede, von Gewaltanwendung und erzwungener Sodomie.

Dokumentarfilm über Missbrauch in Hollywood

Bryan Singers Anwalt Marty Singer hat die Anschuldigungen im Fall des X-Men-Regisseurs derweil als ,"absurd und rufschädigend” bezeichnet und eine Gegenklage angekündigt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die oscarnominierte Filmemacherin Amy Berg die vergangenen zwei Jahre damit verbracht hat, einen neuen Dokumentarfilm zum Thema Sex-Missbrauch in Hollywood zu drehen.

In dem Film sollen auch die Anschuldigungen gegen Bryan Singer zur Sprache kommen. Das Branchenblatt “Variety” will wissen, dass Michael Egan für den Dokumentarfilm mit Berg kooperiert hat.