HOME

X-Men-Regisseur: Schauspieler wirft Bryan Singer Missbrauch vor

Inmitten der Promo-Tour für den neuen X-Men-Film platzt eine Bombe. Star-Regisseur Bryan Singer soll 1999 einen Teenager sexuell missbraucht haben. Der Regisseur wittert Rufmord.

Von Frank Siering, Los Angeles

Die ersten Kino-Trailer laufen bereits, einge Stars geben schon fleißig Interviews. Die Promo-Tour für X-Men: Zukunft ist Vergangenheit läuft sich gerade erst warm, da platzt plötzlich eine Personal-Bombe, die es in sich hat und ganz und gar nicht die PR bringt, die sich das Studio für den Film mit Hugh Jackman und Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence wünscht.

In Hawaii hat Michael Egan eine Klage gegen Hollywood-Regisseur Bryan Singer, 48, eingereicht. Der soll im Jahre 1999 den damals 15-jährigen Jugendlichen sexuell missbraucht haben. Warum die Klage erst jetzt eingereicht wurde, ist unbekannt.

"Absurde" Vorwürfe

Singer wies am gestrigen Donnerstag in diversen Mitteilungen die Vorwürfe vehement zurück und sprach von Rufmord. "Die Anklage ist absurd und diffamierend", so Marty Singer, der Anwalt des Regisseurs gegenüber der Zeitschrift "Variety". Singer hat in der Vergangenheit schon Arnold Schwarzenegger und Charlie Sheen vertreten.

Egan gibt an, heute als Schauspieler zu arbeiten. Der jetzt 31-Jährige beschreibt in der Ankageschrift, dass er schon als 15-Jähriger von Singer missbraucht worden sei. Durch seinen Anwalt Jeff Herman behauptet Egan, dass Singer dem Jungen Drogen, darunter Kokain, Ecstasy und Alkohol besorgt habe und ihn 1999 mehrfach nach Hawaii geflogen haben soll. Singers Anwalt nannte die Vorwürfe "absurd".

Rolle in X-Men-Film versprochen

Nach den Äußerungen von Egan in der Anklageschrift habe Singer den Jungen methodisch ausgenutzt und immer wieder mit tollen Geschenken und Versprechen für Rollen als Schauspieler gelockt. Singer habe ihm dabei auch eine Rolle in einem der ,"X-Men”-Filme versprochen.

Die meisten mutmaßlichen sexuellen Angriffe hätten demnach zwischen 1998 und 1999 in Villa in Kalifornien und auf zwei Reisen nach Hawaii stattgefunden. In Hawaii habe Egan – so steht es in der Klage - ,"zwei Tage mit Singer in einem Zimmer geschlafen". In einem Whirlpool dann habe der X-Men-Regisseur den jungen Mann ,"zu sexuellen Handlungen gezwungen".

Egan soll bei Polizei ausgesagt haben

Singer habe seine "Machtposition ausgespielt, um den damals minderjährigen Kläger sexuell auszunutzen", heißt es in der Anklageschrift. Egan habe dadurch "katastrophale psychologische und emotionale Wunden erhalten", steht weiter in der Klage.

Egan sagte, dass seine Mutter , nachdem sie von dem mutmaßlichen Missbrauch erfahren hatte, sofort die Polizei in Los Angeles verständigt habe. Damals war Egan 17 Jahre alt. Er habe eine Aussage bei der Polizei gemacht, sei aber auf "taube Ohren" gefallen.

Hollywood: Probleme mit sexueller Ausbeutung?

Gegenüber dem Branchenblatt "Hollywood Reporter" sagte Herman, dass Hollywood "ein echtes Problem mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern" habe. So will er von weitern Fällen wissen, in denen Kinder missbraucht worden seien. Mit dieser Klage wolle all jenen Kindern eine Stimme geben, die ,"bislang schweigen mussten".

20th Century Fox, das Studio vertreibt den neuen X-Men-Film, ließ durch einen Sprecher folgende Erklärung abgeben: "Das sind sehr ernste Anschuldigungen. Es handelt sich um eine persönliche Angelegenheit, und Bryan Singer und seine Repräsentanten werden diese separat behandeln."

Von Frank Siering, Los Angeles