HOME

Royals: 95 und ein bisschen müde: Prinz Philip zieht sich ins Privatleben zurück

Prinz Philip zieht sich zurück. Der wegen seiner politisch unkorrekten Sprüche ebenso berüchtigte wie beliebte Herzog von Edinburgh hat nach 70 Jahren öffentlicher Pflichten für sich entschieden, dass es genug ist. Er wird fehlen.

Von Catrin Bartenbach

Prinz Philip

Prinz Philip zieht sich zurück.

Seit gestern Abend herrschte plötzlich Alarmstimmung in Großbritanniens königlichen Palästen und seit dem frühen Morgen auch bei allen britischen Adelsexperten: die Queen hatte sehr kurzfristig alle ihre höheren Angestellten aus ihren Residenzen nach London in den Buckingham Palast einbestellt, um eine wichtige Mitteilung bekannt zu machen. Überbringen sollten sie zwei ranghohe Beamte, der Vorsteher des königlichen Haushaltes, der sogenannte Lord Chamberlain, William Earl of Peel, und der Privatsekretär der Königin, Sir Christopher Geidt.

Da sowohl die 91-jährige Elisabeth II. als auch ihr vier Jahre älterer Gemahl Prinz Philip sich zur Zeit guter Gesundheit erfreuen - was das Boulevardblatt "The Sun" nicht hinderte, den Herzog von Edinburgh heute morgen kurzfristig für tot zu erklären -  , kursierten zeitweilig die wildesten Gerüchte: könnte es etwa um die bevorstehende Generalrenovierung des Buckingham Palastes gehen oder um etwas Ernsteres wie eine vorzeitige Übergabe der königlichen Pflichten an einen dann zum Prinzregenten beförderten Charles? 

Weit gefehlt: wie sich um 11 Uhr kontinentaleuropäischer Zeit herausstellte, ging es in der Ankündigung um den mehr als verdienten Ruhestand von Prinzgemahl Philip: mit voller Unterstützung der Königin beabsichtigt er, ab Herbst keine offiziellen Termine mehr wahrzunehmen und nur noch bei ganz besonderen Anlässen wie der Geburtstagsparade der Königin in der Öffentlichkeit zu erscheinen. In den nächsten Monaten erfüllt er aber noch alle bereits eingegangenen Verpflichtungen.

Prinz Philip war Schirmherr von 780 Organisationen

70 Jahre lang hat sich der im Zweiten Weltkrieg hochdekorierte ehemalige Marineoffizier äußerst professionell zum Wohle des britischen Königshauses engagiert, zuletzt war er Schirmherr von 780 (!) Wohltätigkeitsorganisationen und absolvierte immer noch jedes Jahr mehr Repräsentationstermine, als die Enkelgeneration William, Kate und Harry zusammen. Letztes Jahr war er 110 Tage  unterwegs im Dienste ihrer Majestät, für einen Mann seines Alters eine ungeheure Leistung. "Seinen" Charities wird er auch weiterhin verbunden bleiben, wie es aus dem Buckingham Palast heißt, er wird aber keine aktive Rolle mehr spielen. Es ist anzunehmen, dass er in der nächsten Zeit entscheiden wird, welchen jüngeren Mitgliedern seiner Familie er welche seiner bisherigen Aufgabe übertragen kann. Eine wichtige Rolle wird dabei wahrscheinlich seinem jüngsten Sohn Prinz Edward, dem Grafen von  Wessex, zukommen: Es wird erwartet, dass dieser eines Tages, nach dem Tod seines Vaters, den Titel des Herzogs von Edinburgh erbt (deswegen hatte er bisher anders als sein älterer Bruder Andrew, Herzog von York, anlässlich seiner Hochzeit kein Herzogtum zugesprochen bekommen, sondern nur einen Grafentitel). Da wäre es nur konsequent, dass er sich jetzt schon so langsam in die zugehörigen Aufgaben einarbeitet.

Rückzug möglicherweise im November

Wann genau sich Philip zurückzieht, wurde noch nicht bekanntgegeben, möglicherweise wird es ein Termin im November sein. Der 70-jährige Hochzeitstag der Königin und des weltweit dienstältesten Prinzgemahls, schon für sich ein Meilenstein in ihrer beider Leben, wäre sicher ein stimmiger Zeitpunkt für den "Renteneintritt": Hatte der junge Philip doch anlässlich seiner Hochzeit mit der damaligen britischen Thronfolgerin am 20. November 1947 offiziell seinen Job in der "Firma Windsor" angetreten. 

Anlässlich ihreres 60-jährigen Hochzeistages 2007 hat die Queen ihren Ehemann ein einziges Mal öffentlich in einer Rede persönlich gewürdigt als "My strength and stay" (übersetzt etwa "Mein Fels in der Brandung") - in den langen Jahren ihrer Regentschaft seit 1952 hat er ihr fraglos viel Kraft und Halt gegeben. Gerade in den Krisenzeiten in den 90er Jahren, als drei ihrer vier Kinder sich trennten oder scheiden ließen und die schwierige Schwiegertochter Diana bei einem Autounfall ums Leben kam, war Prinz Philip der wichtigste Ratgeber seiner Frau. Das wird er wohl auch weiterhin bleiben. Aber eines wird der Königin künftig bei der Ausübung ihrer offiziellen Pflichten sicher besonders fehlen: dass ihr Mann sie begleitet und mit seinen berühmt frechen Sprüchen zum Lachen bringt.