Es ist eine der begehrtesten Rollen der Filmgeschichte. Die Suche nach einem neuen James-Bond-Darsteller sorgt jedes Mal für wilde Spekulationen. Britische Boulevardmedien berichteten immer wieder über Stars, die angeblich schon unterschrieben hätten. Die Meldungen erwiesen sich als frei erfunden. Zuletzt wurden Aaron Taylor-Johnson, Callum Turner und Jacob Elordi als mögliche Kandidaten gehandelt. Wann tatsächlich die Entscheidung fällt, wer in Bond 26 die Hauptrolle spielt, ist offen.
Nur wenige Schauspieler verkörperten den ikonischen Geheimagenten im Kino, bisher waren alle weiß. In Medien kursierten in den vergangenen Jahren aber auch Namen nicht-weißer Darsteller. Einer davon war Riz Ahmed ("Rogue One", "Sound Of Metal"). Der Brite mit pakistanischen Wurzeln hat eine Miniserie über diese Erfahrungen gemacht.
Die Serie "Bait" mit sechs Folgen bei Prime Video dreht sich um einen Schauspieler, der hofft, der nächste James Bond zu werden.
James Bond als Symbolfigur
"Im Kern ist es eine Geschichte über Selbstliebe, und James Bond ist ein Symbol – ein Archetyp für Unverletzlichkeit und eine Art Superheldenstatus", sagt Ahmed im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. "Meine Figur versucht so zu sein, weil sie eigentlich das genaue Gegenteil von James Bond ist: verletzlich, chaotisch, unsicher und unentschlossen. Letztlich geht es um die Kluft dazwischen, wer wir gern wären, und wer wir wirklich sind."
Die hässliche Seite des Hypes
Ahmed spielt Shah Latif, einen erfolglosen Schauspieler, der einst einen Nachwuchspreis gewann und inzwischen kaum noch seine Rechnungen bezahlen kann. Er lebt in West-London in einer kleinen Wohnung – ein Insider: Es handelt sich um das "Goldfinger Building" in Ladbroke Grove – und hofft auf den Durchbruch. Auf der Straße wird er mit Dev Patel ("Slumdog Millionaire") verwechselt.
Beim Casting für den nächsten 007 winkt die große Chance. Doch Shah hat einen Blackout: Sein Text fällt ihm nicht ein. Nach dem verpatzten Vorsprechen läuft er bewusst an den Paparazzi vorbei. Wenig später ist sein Foto in allen Medien, und er wird als erster nicht-weißer 007 gehandelt.
Doch der Online-Hype hat auch eine hässliche Seite: In sozialen Medien hagelt es negative Kommentare. Kurz darauf wird seine Familie Opfer eines rassistischen Angriffs. Shahs Leben gerät innerhalb kürzester Zeit außer Kontrolle. Er gerät in eine Existenzkrise und muss sich fragen, wie weit er für die Rolle zu gehen bereit ist.
Ahmed verarbeitet eigene Erfahrungen
Multitalent Riz Ahmed, der 2022 einen Oscar für seinen Kurzfilm "The Long Goodbye" gewann, spielt nicht nur die Hauptrolle. Die Idee stammt von ihm, und er war am Drehbuch beteiligt. "Ich habe viele Dinge aus meiner eigenen Erfahrung übernommen", erzählt der 43-Jährige. Gedreht wurde an Orten in London, wo er selbst aufgewachsen ist oder prägende Erlebnisse hatte.
Ein rassistischer Angriff in der Kindheit oder eine Panikattacke bei einem Konzert - "das ist mir genau dort tatsächlich auch passiert", berichtet er. "Ich wollte, dass sich alles so authentisch wie möglich anfühlt."
Vieles von ihm sei in die Figur des Shah eingeflossen. Gleichzeitig stecke aber auch viel von Shah in jedem Menschen. "Denn Shah ist jemand, der an den falschen Orten nach Liebe sucht. Er spielt ständig eine Version von sich in der Öffentlichkeit, um Bestätigung, Anerkennung und Likes zu bekommen. Ich glaube, das machen wir heute alle. Wir tun das in sozialen Medien. Es ist, als würden wir ständig vorsprechen, um die Version von uns darzustellen, von der wir glauben, dass die Welt sie sehen will."
Sir Patrick Stewart in seiner schrägsten Rolle
In weiteren Rollen wirken Comedian Guz Khan als Shahs Cousin Zulfi, der einen muslimischen Taxidienst gründen will, Aasiyah Shah als Cousine Q - auch der Name von Bonds Waffenmeister - und "Star Trek"-Ikone Sir Patrick Stewart (85) in seiner wohl schrägsten und witzigsten Rolle mit.
"Bait" ist eine unterhaltsame, faszinierende und verrückte Miniserie - ein wilder Ritt, bei dem man nie weiß, was als Nächstes passiert. Die sechs jeweils knapp halbstündigen Episoden erzählen von einem Mann auf der Suche nach sich selbst. "In gewisser Weise geht es in der Serie gar nicht wirklich um James Bond", betont Riz Ahmed. "Es geht darum, dass man es nicht allen recht machen kann. Das ist der Kern der Sache. Shah ist eine Figur, die sich im Kreis dreht und versucht, es allen recht zu machen. Und wenn man das tut, verliert man sich."
Dass die Serie bei Amazons Streamingdienst Prime Video läuft, nachdem Amazon die Kontrolle über das James-Bond-Franchise übernommen hat, ist laut Ahmed übrigens reiner Zufall. "Wenn ich die Serie heute machen wollte, wären sie vielleicht nicht mehr so offen dafür", sagt Ahmed. "Wir hatten großes Glück, dass sowohl alle bei Amazon als auch (Ex-Bond-Produzentin) Barbara Broccoli selbst – als sie noch die Kontrolle über das Franchise hatte – uns ihren Segen gegeben haben."