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Luxus für lau: Warum sich Hamburger Schüler im Taxi zum Unterricht chauffieren lassen

Statt zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule zu kommen, setzen sich in Hamburg offenbar immer mehr Jugendliche morgens ins Sammeltaxi – und müssen dafür nicht einmal extra zahlen.

Hamburg: Jugendliche auf dem Rücksitz eines Autos

Bequemer geht's kaum: In Hamburg fahren Schülerinnen und Schüler mit "Ioki"_Sammeltaxis zum Unterricht (Symbolbild)

Picture Alliance

An sogenannte Eltern-Taxis vor den Schulen hat man sich inzwischen gewöhnt (lesen Sie hier mehr dazu). Dass Schülerinnen und Schüler sich jetzt auch vermehrt ohne Eltern mit dem Taxi zum Unterricht chauffieren lassen, ist dagegen neu – und irgendwie ganz schön clever von den Jugendlichen.

Auf die bequeme Art zur Schule – möglich macht das ein Pilotprojekt des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), wie die "Hamburger Morgenpost" berichtet.

Sammeltaxen in Hamburgs Nordwesten

"Ioki" nennt es sich und es gehört zu einer ganzen Reihe von neuen Mobilitätskonzepten, die in der Hansestadt erprobt werden. 20 elektrisch betriebene Sammeltaxis sind rund um die Uhr in den Stadtteilen Lurup und Osdorf im Nordwesten der Stadt unterwegs, bestellt wird per App, zu- oder ausgestiegen wird an über 80 virtuellen Haltestellen im Geschäftsgebiet. Auch Fahrten bis an die Haus- oder (Schul-)Tür sind möglich, der Fußweg soll nie mehr als 200 Meter betragen. Per Computer wird die optimale Route berechnet, denn während der Fahrt können noch andere Fahrgäste mit ähnlichem Ziel zusteigen.

"Ioki"-Sammeltaxi

Inzwischen verkehren 20 "Ioki"-Sammeltaxis durch den Nordwesten Hamburgs

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Der Clou an der Sache, den sich die Schülerinnen und Schüler zunutze machen: Der Service kann mit jeder gültigen Fahrkarte für den HVV genutzt werden. Da viele ohnehin eine Monatskarte im Portemonnaie haben, kostet sie der Shuttledienst keinen Cent extra.

Das Projekt, hinter dem die Deutsche Bahn und die Busgesellschaft Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein stehen, startete im vergangenen August mit zehn Fahrzeugen, inzwischen sind in Lurup und Eidelstedt 20 der weißen Autos mit Platz für insgesamt sechs Passagiere unterwegs – die Macher sprechen von einem "Erfolg" des Modells, das sich als Schulweg-Shuttle zu etablieren scheint, wie der SPD-Politiker Frank Schmitt beobachtet: "In der Tat ist das so. Man muss sich nur morgens mal an eine Schule stellen“, so der Bürgerschaftsabgeordnete zur "Hamburger Morgenpost".

"Ioki"-Macher freuen sich über junge Fahrgäste

Den Eindruck können die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein bestätigen. Zwar gebe es keine genauen Zahlen, wie viele Schülerinnen und Schüler "Ioki" tatsächlich für den Schulweg nutzen, sagte eine Sprecherin dem stern, aber: "Über 25 Prozent unserer Nutzer sind unter 18 Jahre alt, wurde in einer Studie drei Monate nach dem Start des On-Demand-Services herausgefunden." Darunter seien nach Beobachtung der Mitarbeiter auch zahlreiche Jugendliche, die den Service für den Weg zur Schule nutzen.

"Unser Ziel ist es, auch jungen Menschen zu zeigen, dass sie auch ohne eigenes Auto in der Stadt mobil sein können. Daher freuen wir uns, dass auch Schülerinnen und Schüler unser Angebot annehmen", so die Sprecherin weiter. Ob von einem Trend gesprochen werden können, sei jedoch unklar. Dass es durch die "Ioki"-Nutzung weniger Fahrgäste in den Bussen des Unternehmens gibt, stelle man nicht fest.

Trocken, warm, bequem und dazu noch kostenlos zur Schule, die Vorteile für die jungen Fahrgäste liegen auf der Hand – doch es gibt auch einen Nachteil: Weil "Ioki" ohne festen Fahrplan verkehrt, können sich die Jugendlichen nicht immer darauf verlassen, pünktlich im Unterricht zu sein. Das heißt im Zweifel: früher aufstehen.

Quellen: "Hamburger Morgenpost", Hamburger Verkehrsverbund, Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, Deutsche Bahn, "Ioki"