HOME

Netflix-Film: Acht Dinge, die du bei "Black Mirror: Bandersnatch" bestimmt übersehen hast

In "Black Mirror: Bandersnatch" stecken nicht nur unzählige Handlungsoptionen und verschiedene Enden. Der Netflix-Film beinhaltet auch viele Hinweise, die auf den ersten Blick kaum zu erkennen sind.

"Bandersnatch" ab 28.12. auf Netflix : Ein junger Spieleentwickler verliert langsam seinen Verstand – oder etwa doch nicht?

"Black Mirror: Bandersnatch" ist einer dieser Filme, die man immer wieder schauen kann. Nicht nur, weil er so gut ist, sondern vor allem, weil das Team um den Serienschöpfer Charlie Brooker so viel hineingepackt ist, dass sich gar nicht alles mit einem Durchgang erfassen lässt. Allein schon wegen der verschiedenen Enden lohnt es sich, den Film noch einmal neu zu starten und den Spieleentwickler Stefan Butler, dessen Handlungen der Zuschauer steuern muss, auf andere Wege zu schicken.

Wenn man dann alle möglichen Szenarien ausprobiert hat, kann man gleich noch mal von vorne anfangen – und diesmal auf unzählige kleine Details, Querverweise und Referenzen achten, die sich in dem Film verstecken. Schon die Serie ist dafür bekannt, dass die einzelnen Folgen kreuz und quer aufeinander verweisen. Das ist bei "Bandersnatch" nicht anders. Manche Hinweise sind relativ leicht zu erkennen, für andere braucht man ein genaues Auge sowie Hintergrundwissen und einige lassen sich nur mit etwas Recherche herausfinden.

1. Das Jahr – warum 1984?

Das ist noch relativ einfach: Das Jahr 1984, in dem der Film spielt, ist wohl eine Hommage an George Orwell und seinen berühmten dystopischen Roman "1984". Für den Titel seines Buches drehte Orwell einfach zwei Ziffern des Jahres, in dem er den Roman fertigstellte, um: 1948. Während Orwell sich also die Zukunft ausmalte, schaut "Black Mirror" in die Vergangenheit – ungewöhnlich für die Serie, die normalerweise in ihren Folgen ebenfalls verstörende Zukunftsszenarien zeichnet. Ob sich die Macher von "Black Mirror" damit in eine Reihe mit Orwell und seinem weltbekannten Buch stellen möchten, sei mal dahingestellt.

2. Der Titel – wer oder was ist ein Bandersnatch?

Bandersnatch, das ist in dem Film ein Roman, aus dem Stefan ein Computerspiel entwickeln will. Das Buch gibt es in der Realität allerdings nicht. Woher also stammt der Name des Films? Bandersnatch ist ein furchteinflößendes Wesen aus dem Roman "Alice hinter den Spiegeln" von Lewis Carroll – eine 1871 erschienene Fortsetzung von "Alice im Wunderland". Wegen seiner Darstellung in Tim Burtons Alice-Verfilmung vergleichen ihn Fans am ehesten mit einem Jaguar. Der Bandersnatch taucht auch in einem Gedicht von Carroll ("The Hunting of the Snark") sowie seitdem in verschiedenen literarischen und popkulturellen Kontexten auf.

3. Das Spiel – gab es "Bandersnatch" wirklich?

Schon als Netflix den Namen des "Black Mirror"-Specials bekanntgab, machten sich Fans, die es anscheinend nicht abwarten konnten, auf die Suche. Dabei förderten sie Erstaunliches zutage: Anscheinend gab es im Jahr 1984 in Großbritannien tatsächlich ein Computerspiel mit dem Namen "Bandersnatch". Das Spiel wurde nicht veröffentlicht, da die Herstellerfirma zuvor pleite ging. Ein weiterer Hinweis darauf ist, dass eine Meldung über die Insolvenz des Spieleherstellers im Radio läuft, als Stefan am Anfang des Films aufwacht.  

4. Die Serie – wie viel "Black Mirror" steckt in "Bandersnatch"?

An zahlreichen Stellen verweist "Bandersnatch" auf das Mutterschiff "Black Mirror", also die mittlerweile vier Staffeln umfassende Serie. So unterhalten sich Stefan und der Boss der Softwarefirma, für die er arbeiten soll, vor einem Werbeplakat für das Computerspiel "Metl Hedd". Ein Hinweis auf die "Black Mirror"-Folge "Metalhead" (Staffel 4), in der Roboterhunde Menschen verfolgen und töten.

 Das Spiel, an dem Stefans Kollege arbeitet, heißt "Nosedive" – so wie die erste Episode der dritten Staffel, in der Menschen sich per App gegenseitig bewerten können. Das Krankenhaus, in dem Stefan seine Therapie absolviert, heißt St. Juniper Hospital und ist damit eine Anspielung auf die "Black Mirror"-Folge "San Junipero" (Staffel 3). Hinter dem Name dieser Episode steckt noch einmal eine ganz andere Geschichte, die würde hier aber hier zu weit führen. Darüber hinaus kommen Ereignisse und Personen aus verschiedenen "Black Mirror"-Folgen in Fernseheinblendungen in "Bandersnatch" vor: zum Beispiel der englische Premierminister aus der allerersten "Black Mirror"-Episode. Damit sind nur einige der Referenzen genannt, es gibt noch deutlich mehr.

5. Und wie viel "Bandersnatch" steckt in "Black Mirror"?

Die "Bandersnatch"-Idee scheint den "Black Mirror"-Machern schon lange im Kopf herumzuschwirren. Naturgemäß ist die Serie nicht so aufgeladen mit Referenzen zum Film wie andersherum. Ein Hinweis findet sich dennoch: In der Folge "Playtest" (Staffel 3), die im Oktober 2016 auf Netflix präsentiert wurde, taucht die fiktive Computerspielzeitschrift "Edge" auf, auf deren Cover unter anderem eine Rezension des Spiels "Bandersnatch" beworben wird.

6. Die Firma – was hat es mit Tuckersoft auf sich?

Für die Softwarefirma Tuckersoft, bei der sich Stefan mit seinem Computerspiel bewirbt, hat Netflix einen eigenen Internetauftritt hochgezogen. Über diese lässt sich sogar ein geheimes Endszenario erreichen. Auf der Website der Firma findet man auch ein Jobangebot im Achtziger-Jahre-Stil. Wer darauf klickt, landet auf der Recruiting-Seite von Netflix.

7. Die Musik – was hört Stefan da?

Das ist nun wieder relativ offensichtlich: Netflix hat "Bandersnatch" einen Soundtrack voll mit Hits aus den Achtzigern verpasst, analog zur Zeitreise im Film. Mit dabei sind unter anderem "Relax" von Frankie Goes to Hollywood, "Here Comes The Rain Again" von den Eurythmics oder "New Life" von Depeche Mode. Vielleicht ist das ein kleiner Fingerzeig an die Netflix-Schwesterproduktion "Stranger Things", die ebenfalls für ihre Achtziger-Musik bekannt ist. Vielleicht sind Eighties-Hits in Serien aber gerade auch einfach ein Ding. An einer Stelle darf der Zuschauer auswählen, welches Album Stefan sich kaufen soll – "Phaedra" von Tangerine Dreams oder "Bermuda Triangle" von Isao Tomita. Tracks von der gewählten Platte kommen dann im weiteren Verlauf des Films vor. So kann der Zuschauer auch den Soundtrack des Films mitgestalten.

8. Die Meta-Ebene – worum geht es in der Geschichte wirklich?

"Bandersnatch" wirft Fragen auf, die die Menschheit schon seit vielen Jahrhunderten beschäftigen: Was ist Realität, was Fiktion? Und wie frei sind wir in unseren Handlungen? Drehbuchautor Charlie Brooker zieht in seiner Geschichte quasi "Fenster im Fenster" auf: In dem Roman "Bandersnatch" gibt es mehrere Handlungsstränge, über die der Leser entscheiden kann. Dieses Prinzip setzt sich dann über den Computerspieler bis hin zum Netflix-Zuschauer fort. Ebenso die Frage nach dem freien Willen: Stefan kontrolliert die Computerspielfigur, ohne dass diese davon weiß. Wir kontrollieren Stefan und treiben ihn dadurch in den Wahnsinn. Aber wer kontrolliert uns?

Auch wenn der "Bandersnatch"-Film in der Vergangenheit spielt, arbeitet Charlie Brooker doch mit dem bewährten "Black Mirror"-Prinzip: Er denkt bereits erkennbare Entwicklungen in Technik und Medien radikal zu Ende. Diesmal ist es zum Beispiel die Form des "choose your own adventure"-Films an sich, die auf die fragmentierte Mediennutzung im 21. Jahrhundert referenziert. Durch die Vielzahl der verfügbaren Medien schauen nicht mehr alle das Gleiche, so gehen unter Umständen wichtige Gemeinsamkeiten verloren, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Brooker sagt quasi: "Das, was ihr kennt, ist noch gar nichts" – und lässt so jeden Zuschauer zwar den gleichen Film schauen, trotzdem weiß niemand genau, was die anderen wirklich gesehen haben.

Quellen: Twitter / Reddit / NME / Tuckersoft / "Entertainment Weekly" / "Vulture"

Lest hier mehr zu "Black Mirror: Bandersnatch":

Netflix lässt User über Schicksal von Filmfigur entscheiden – alle sind total überfordert

So nervenaufreibend war die Produktion von "Black Mirror: Bandersnatch"

Warum der beste Witz in "Black Mirror: Bandersnatch" leider keinen Sinn macht

Dieses geheime Ende in "Black Mirror: Bandersnatch" findest du niemals ohne Hilfe